freizeit | Salz und Pfeffer
27.10.2018

Florian Holzers Restauranttest: Joseph Bäckerei Bistro

Der Dritte Streich: Ein Joseph Bäckerei Bistro gibt es jetzt auch im 7. Bezirk

Vor knapp acht Jahren eröffnete Josef Weghaupt, ein blutjunger Lebensmittelindustrie-Aussteiger, seinen ersten kleinen Laden in der Naglergasse. Die Leute stellten sich in Schlangen an, Bio-Sauerteig-Brot wurde zum Prestige-Objekt. 2013 dann der große Shop mit Bistro in der Landstraßer Hauptstraße, heuer im Sommer einer bei der Albertina und vor drei Wochen ein Bäckerei-Lokal in der Kirchengasse. Was diese „Joseph“-Filiale von den anderen unterscheidet? Das Publikum in Neubau ist experimentierfreudig, daher werden hier Versuchsballons gestartet, immer  kreativer und wilder als in den beiden anderen Lokalen. Ein knusprig getoastetes Bio-Erdäpfel-Blunzenbrot mit Yuzu-Mayonnaise zum Beispiel, ein großartiger Snack (3,90 €) oder Kalbsleberkäse-Semmerl, bei dem der Pfefferoni in die Semmel eingebacken ist (4,90 €). Die marinierten Romanesco-Salatherzen mit Selleriecreme und gerösteten Buchweizenkörnern würden auch in London oder New York eine gute Figur machen (5,70 €), beim Ramen „Viennese Style“ handelt es sich um eine Rindssuppe der Extraklasse, mit Beinfleisch, Einkorn-Frittaten, Pilzen, pochiertem Ei und – wirklich sensationell – selbst gemachtem „Maggi“ (7,20 €). Die mit Brimsen gefüllten und mit knusprigen Grammeln überhäuften Piroggen werden aus Waldstaudenroggen-Mehl gemacht, köstlich, der Krautsalat dazu rekordverdächtig gut (8,70 €), auch der gebratene Waller in Chorizo-Peperoni-Fond mit Cous Cous sehr gelungen (25,60 €). Einziger Nachteil des Lokals: Es ist ein bisschen laut. Aber dafür umso hübscher, und man kann sogar bis zur Sperrstunde einkaufen.

Joseph Bäckerei Bistro,
Wien 7, Kircheng. 3,
Di-Sa 8-23, So 9-15,
www.joseph.co.at

Bewertung:
   Küche: 27 von 35
   Keller: 6 von 10
   Service: 15 von 15
   Atmosphäre: 13 von 15
   Preis/Wert: 16 von 20
   Familie: 3 von 5
Gesamt: 80 von 100

florian.holzer@kurier.at