freizeit | Salz und Pfeffer
02.06.2018

Florian Holzers Restauranttest: Café Drechsler

Eine Legende wird neu gedacht: Wie "Berliner Senfeier" und Wiener Schnitzel zusammen passen.

Das Café Drechlser war Legende. Also das alte Café, das 2005 nach 91 Jahren zusperrte, das von drei Uhr Früh bis 20 Uhr offen hatte und die definitiv beste Adresse für ein allerletztes Bier oder allererstes Frühstück war. Anfang 2007 machte es wieder auf, auf Szenelokal getrimmt, mit Kaffeekultur und guter Küche, lief aber nie wirklich rund. Und nun der nächste Versuch: Nikolai Kölbl, Berliner Koch, der die „Weinschenke“ zu einer Art Edelburger-Kette machte und im November eine Pizzeria eröffnete, hat jetzt also auch ein Kaffeehaus. Das schicke Design des Vorgänger-Cafés wurde ein kleines bisschen reduziert, dafür ein Lounge-artiger Schanigarten aufgestellt – und wieder einmal der Versuch gestartet, die typische Kaffeehausküche etwas moderner anzulegen. Die Übung gelingt unterschiedlich gut, muss man sagen: Die Spargelcremesuppe etwa bräuchte nicht unbedingt eine karamellisierte Banane und auch keine Ceviche von der Lachsforelle, wenn sie dafür einfach ein bisschen mehr nach Spargel schmecken würde (9,90 €). Und „Berliner Senfeier“ klingt auch irgendwie spektakulärer, als zwei gekochte Eier mit Senfsauce, dreierlei gebratenen Erdäpfeln und gutem Gurkengemüse letztlich sind (9,90 €). Das Wiener Schnitzel ist dafür groß und extra-knusprig, dass der Erdäpfelsalat dazu getrüffelt ist, stört nicht, schmeckt sogar richtig gut (17,90 €), und der Stelzensalat vom Mangalitza-Schwein, eine Art Salat-Variante vom Wurzelfleisch, gelingt  großartig (12,90 €). Wenn auch nicht ganz so charismatisch wie das Ur-Drechsler, aber auf jeden Fall ein guter Kontrast zum Naschmarkt-Einerlei.

Café Drechsler,
Wien 6, Linke Wienzeile 22,
Tel: 01/581 20 44,
Mo-Do 8-1, Fr 8-4, Sa 9-1, So, Fei 9-24,
www.cafedrechsler.at

Bewertung:
   Küche: 27 von 35
   Keller: 5 von 10
   Service: 14 von 15
   Atmosphäre: 13 von 15
   Preis/Wert: 14 von 20
   Familie: 3 von 5
Gesamt: 76 von 100

florian.holzer@kurier.at