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12/06/2020

Wenig Berg, viel Blick: Wo Biathleten den Nikolo treffen

Um die Schönheit der Seenplatte zu überblicken, muss man auf den winzigen Berg Koli steigen. Dann sieht man aber fast bis zum Biathlon.

von Axel Halbhuber

Heute ist nicht nur Nikolo, sondern auch Biathlon-Weltcup und bei einer solchen Koinzidenz kommt man zwangsläufig auf Finnland. Dort ist zwar angeblich der Weihnachtsmann zu Hause, aber dieser Joulupukki, wie ihn die Finnen nennen, ist aus einer altnordischen Legende entstanden, die sich mit der Nikologeschichte vermischt hat, oder wie die Finnen sagen: Joulupukki sei der rechtmäßige Nachfahre des Heiligen Nikolaus. Und weil sogar besonders kleinliche Religionsromantiker zugeben müssen, dass unsere heutigen Nikoläuse einem archetypischen Türken relativ wenig ähneln, wird das schon stimmen.

Der Nikolaus hat etwas Nordisches, außerdem trägt er traditionell eine Birkenrute mit sich, daher auch der beliebte Bauernkalenderspruch: „Fließt zu Nikolaus noch Birkensaft, kriegt der Winter keine Kraft.“

Biathlon und Weihnachtsmann

In Finnland gibt es besonders viele Birken und außerdem eine Biathlonstrecke in Kontiolahti. Dort werden heute mit zwei Rennen die finnischen Weltcupwochen abgeschlossen. Und wer sich das am Nachmittag im Fernsehen ansieht, wird die athletischen Langläufer mit ihren Gewehren am Rücken ein paar Mal eine Mördersteigung nehmen sehen, so steil, dass man auch beim Zuschauen schnauft.

Wer aber daraus schließt, dass es rund um Kontiolahti recht bergig sein muss, irrt. Finnland im Allgemeinen und die finnische Seenplatte im Besonderen sind recht flach. Das sieht man sehr gut vom Koli aus, einer 347 Meter hohen Erhebung, die nur ein paar Kilometer von Kontiolahti entfernt ist. Die Finnen nennen den Koli einen Berg und haben ihm sogar rundherum einen Nationalpark gewidmet, mehr noch: Der Koli ist ein finnisches Kulturgut, oft gemalt und besucht.

Koli, der winzige Berg

Das liegt vor allem daran, dass Nordkarelien mit seinen Seen zwar eine besonders schöne Gegend ist, man diese Schönheit aber nie gescheit sehen kann, weil es eben flach ist und es so viele Bäume gibt. Um die prächtigen Seen rundum zu überblicken, steigt man also auf die einzige Erhebung der Gegend, selbst wenn sie nur 347 Meter hoch ist.

Und wie das so mit solchen Orten ist, war der Koli natürlich schon in früher Vorzeit eine religiöse Stätte, hier wurde geopfert und zu Göttern gebetet, die zeitweilig angeblich im Koli selbst gewohnt haben, hier wurden Gerichtsverhandlungen durchgeführt und nach anrauschenden Feinden Ausschau gehalten. Mit der aufkommenden Kunst der Naturromantik trat das Martialische ein wenig zurück, aber die Bewunderung für den Koli blieb – samt üppigem Wandertourismus um den Berg herum.

Und so gibt es hier nicht mehr viel Kriegerisches, abgesehen von den bewaffneten Langläufern, die einmal im Jahr vorbeikommen, und den Niederlassungen der finnischen Armee in der Gegend. Sonst ist es hier so ruhig, dass sich auch der Nikolo sehr wohlfühlen würde.

Top 3

Natur: Die Region hat vier Nationalparks, der berühmteste ist Koli. Infos zu allen auf nationalparks.fi
Kultur: Nordkarelien bietet eine umfassende, aber bei uns weitgehend unbekannte Kultur, in die man im (Museums-)Dorf Parppeinvaara einen guten Einblick bekommt – von Essen bis Gesang. parppeinvaara.fi
Sport: Langlaufen im Winter, Paddeln im Sommer: die Seenplatte lädt immer zur Bewegung. visitkarelia.fi 

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