© Manfred Ruthner

freizeit Reise
01/10/2021

Kroatien: Mit dem Katamaran zu kleinen Inseln

Einsames Ankern in windstillen Buchten, die Mastspitze des Katamarans verläuft sich im tiefschwarzen Himmel.

Schon die Planung eines Segeltörns erzeugt viel Vorfreude: Daheim sitzend über die Ziele, den Menüplan und die Einkaufsliste zu tüfteln, man will täglich an Bord kochen. Und dann endlich bringt man den Einkauf an Bord der „Umami“. Der Katamaran steht in der Marina von Biograd mitten in einem Wald von Masten, nur wenige Jachten laufen derzeit aus, Corona-bedingt. Rasch alles verstauen, sich mit dem Boot vertraut machen und das Abenteuer beginnt: Leinen los!

Angenehmer Wind bläst über die Adria, als die Umami unter Motor aus der schmalen Einfahrt der Marina gleitet. Die beiden Segel sind bald gesetzt, das Teamwork klappt auf Anhieb. Der Katamaran nimmt Fahrt auf. Ziel ist eine kleine Insel am äußeren Rand des Kornaten-Archipels. Während der Skipper sicher den Kurs hält, liegen die Passagiere vorne im Netz zwischen den Rümpfen und beobachten, wie kleine Inselchen näher kommen.

Die Kornaten, einzigartig mit ihrem kargen Bewuchs und den Steinmauern, die immer wieder schnurgerade vom Ufer auf den Hügelrücken hinauflaufen. Noch eine schmale Durchfahrt zwischen kleinen Inseln und voraus liegt die Weite der Adria. Eine Leuchtturminsel und bizarre steil abfallende Felsen werden passiert, dann ist das Tagesziel erreicht. Die Bucht ist leer, als ob sie für die Umami freigehalten wäre. Der Anker fällt, Schwimmzeit – in badewannenwarmem Wasser.

Die Sonne versinkt im Meer, die Segler widmen sich dem obligaten Sundowner. Dann heißt es, die erste Mahlzeit an Bord zuzubereiten. Das gemeinsame Kochen macht Spaß und wird bald zur lieb gewordenen Routine. Das Abendessen an Deck ist untermalt vom sanften Plätschern der Wellen. Der gelungene Start des Törns wird gefeiert. Als die Farbe des Himmels von tiefblau auf Schwarz wechselt, tauscht man die Plätze in der Lounge gegen bequeme Liegepolster auf dem Salondach, dem „Planetarium“ der Umami. Der Wind ist inzwischen eingeschlafen, das Sternschnuppenprogramm kann beginnen. Wie still ist die Welt, die man hier erleben darf.

Segel setzen

Schon beim ersten Sonnenstrahl, der vom Hügel der herzförmigen Bucht ins türkise Wasser fällt, sind alle an Deck. Einmal ans Ufer schwimmen und vom Kieselstrand aus die Umami bewundern, eine komfortable 13-Meter-Jacht für eine Woche Segelurlaub. Das Frühstück an Deck ist rasch angerichtet, der Genuss der Köstlichkeiten inmitten der herrlichen Natur kann da schon länger dauern. Doch schlussendlich macht das Kaffeegedeck der Seekarte Platz: Die Tagesroute zu einem geschützten Ankerplatz für die Nacht wird gemeinsam festgelegt.

Anker hoch, die Segel gesetzt. Beim Steuern wird abgewechselt, dazwischen ruht man im Netz zwischen den Rümpfen und genießt das Spiel der Wellen. Vorbei an alten Leuchttürmen, die den Übergang zur offenen See markieren, Kurs Südost. Die nächste Bucht bietet Schutz vor der Bora, dem hier typischen, manchmal sehr unangenehmen Wind. Laut Wettervorhersage könnte er in der Nacht auffrischen, so liegen hier schon andere Jachten vor Anker. Als Katamaran mit wenig Tiefgang ist für die Umami im seichteren Bereich noch genug Platz. In der Dämmerung legt die Bora zu, Wolken ziehen auf. Nächtliche Kontrollen des Skippers bestätigen, der Anker hält.

Am nächsten Morgen ist der Spuk vorüber. Nach einer flotten Fahrt mit gerefften Segeln ist ein Landgang angesagt. Primosten, ein ehemaliges Fischerdorf auf einer kleinen Halbinsel, hat eine schöne Altstadt. Der Spaziergang führt vorbei an Souvenirläden in alten, mit Schieferplatten gedeckten Häusern, hinauf zur Kirche mit fantastischem Ausblick auf das tiefblaue Meer und die vielen Inseln. Sonst herrscht hier reges Treiben, jetzt sind nur wenige Menschen unterwegs, meist Einheimische. Auch zum Mittagessen in einer Konoba am Ufer finden sich nur wenige Gäste ein. Nach kurzem Bummel zum Markt kehrt die Crew zurück auf die Umami, die Taschen voll mit Obst, Gemüse und Gebäck für die nächsten Tage.

Es stellt sich wieder strahlendes Sommerwetter mit idealen Segelbedingungen ein. In südöstlicher Richtung liegt eine schöne Ankerbucht zwischen zwei Inseln als Tagesziel. Nach ruhiger Nacht zeigt die Sonne, wie man Frühaufsteher mit prächtigem Farbenspiel am Himmel und Gefunkel auf den Wellenkämmen belohnt. Wenige Jachten ankern hier, das Wasser ist türkisblau und vermittelt karibisches Flair. Segeln, baden, bei selbst bereiteten Mahlzeiten beisammen sitzen, plaudern und die Natur genießen: So geht es die nächsten Tage weiter.

Speziell ist dann der letzte Ankerplatz, wieder zurück in den Kornaten zwischen unbewohnten Inseln. Der Anker fällt am frühen Nachmittag, es bleibt viel Zeit – zum Beispiel für eine Inseltour. Am Hügel trägt ein Feigenbaum viele reife Früchte, eine unerwartete Ergänzung des Speiseplans. Versorgt mit Sundownern, in den Polstern am Vordeck versunken, bietet sich großes Kino: Die Dämmerung zieht alle Register, ein wechselndes Zusammenspiel von Farben und Formen am Himmel setzt an. Gelbe verschwommene Streifen ziehen sich über den erst hellblauen Himmel und wechseln sanft in Orange- und Rottöne am tiefblauen Firmament. Schließlich endet das Spiel der Natur. Einige weiße Lichtpunkte im Dunkel der Nacht bleiben, es sind Toplichter auf den Masten der verstreut ankernden Jachten.

Blöken kurz vor Sonnenaufgang. Schafe ziehen mit ihren Jungtieren am Hang entlang und suchen frisches Grünfutter. Wehmut breitet sich aus, wie schnell die Woche auf dem Katamaran doch vergangen ist. Ein letzter Badestopp auf der Rückfahrt nach Biograd. Ein letztes Mal an Deck zusammensitzen und auf die Woche auf der Umami anstoßen. Wie angenehm lässt sich das Leben genießen, sogar in dieser Zeit, eng verbunden mit den Kräften der Natur und ihren Schönheiten.

Live im Interview: Der erfahrene Segler Manfred Ruthner präsentiert beim großen Online-Reisetag Videos dieser Reise und gibt Tipps für den Segelurlaub. Zu sehen am 16. Jänner ab 10 Uhr auf kurier.at/reise und ferien-messe.at (auch laufend aktuelle Programminfos)

Info

Dalmatien Ostküste der Adria mit unzäh- ligen Inseln, romantischen Ankerbuchten und vielen Marinas. Angenehmes Segelwetter von Mai bis Anfang Oktober. Idealer Starthafen ist die moderne Marina in Biograd (660 km von Wien), wo das österreichische Charterunternehmen Pitter- Yachtcharter eine Basis betreibt: pitter-yachting.com

Schiff Die beschriebene Reise fand auf einem Katamaran „Fountaine Pajot Astrea 42“ statt: 3 Doppelkabinen, 2 Nasszellen; Großsegel 65 , Genua 41 , Länge 12,58 m, Breite 7,2 m, Tiefgang 1,25 m.Charter pro Woche: ab 1.763 €.

Hoteltipp Urlaubsverlängerung zum Beispiel im modernen 5* Falkensteiner Hotel & Spa Iadera bei Zadar, direkt am Strand. 210 Zimmer und Suiten mit Blick auf Adria oder das Velebit-Gebirge.
Info: falkensteiner.com

Buchempfehlung Zur Vorbereitung empfiehlt sich das „Küstenhandbuch Kroatien und Slowenien“, Verlag Delius Klasing: Überblick über Routen, Häfen und Ankerplätze, teils aus- klappbare Sportbootkarten

Auskunft kroatien.at

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.