© Manfred Ruthner

freizeit Reise
11/27/2020

Ein wahres Kleinod in Paris: Musée Rodin

Das Musée Rodin steht völlig zu unrecht ein wenig im Schatten der großen Pariser Museen. Ein Besuch.

Das palaisartige Gebäude liegt im Schatten hoher Baumwipfeln, umgeben von einer Parklandschaft, in der großartige Skulpturen von Auguste Rodin zu finden sind. Frankreichs bedeutender Bildhauer lebte und arbeitete bis zu seinem Tod 1917 hier im Hôtel de Biron. Das nunmehrige Musée Rodin ist ein wahres Kleinod in der Pariser Museumslandschaft. Es steht völlig zu unrecht ein wenig im Schatten der großen Pariser Museen. Die elegante Villa inmitten eines weiten und gepflegten Gartens beherbergt heute die Ausstellungsräume.

In den unteren Sälen wird anhand von vielen Exponaten die Entwicklung des Künstlers präsentiert, von seinen ersten fast barocken Engelsköpfen bis hin zu abstrakteren Figuren seiner letzten Schaffensjahre. Rodin entwickelte Bildhauerei und Plastik zu völlig neuen Ausdrucksformen und näherte sich stilistisch dem Impressionismus an. Seit Kurzem werden auch Rodins Gemälde ausgestellt, die das komplette Werk des Künstlers abrunden. Ein Scratchbook in 3-D illustriert den Entstehungsprozess einzelner Objekte. Besonders interessant ist auch sein ehemaliger Wohnraum, der anhand von Fotografien und Originalgegenständen lebensnahe rekonstruiert wurde.

Im ersten Stock des Museums erfährt man die Entstehungsgeschichte eines seiner bekanntesten Werke, von kleinen Modellen aus Terrakotta bis zur Originalskulptur aus tonnenschwerem weißen Marmor: dem Kuss. Rodin war bei der Gestaltung dieser ausdrucksvollen Figur von seiner Zuneigung zu Camille Claudel geleitet. Sie war selbst eine talentierte Bildhauerin, deren Werke ebenso gezeigt werden.

Der Denker: Noch  zu Lebzeiten Rodins entstanden acht Abgüsse, der erste davon für die Stadt Paris
Das Höllentor: Der erste Bronzeguss erfolgte posthum 1926, jetzt das Prunkstück im Park, beinhaltet an die 200 Figuren, von denen jede einen anderen Gemütszustand verkörpert – 6 Meter hoch, 4 Meter breit
Der Kuss: In Stein gemeißelte Liebe von Rodin und Claudel aus weißem Marmor, 1,81 Meter hoch

Ein Spaziergang durch den gepflegten Park unter schattigen Platanen führt zu weiteren Skulpturen Rodins, wie den Bürger von Calais – oder auch zum Teich mit „Ugolino und seine Kinder“, siehe Bild.

Lebenswerk "Höllentor"

Als sein Lebenswerk wird das Höllentor angesehen. 1880 wurde er vom französischen Staat beauftragt, ein Bronzeportal für das Kunstgewerbemuseum in Paris zu entwerfen. 37 Jahre bis zu seinem Lebensende arbeitete Rodin daran, ohne dass es wie geplant ausgeführt wurde. Er ließ sich bei diesem Werk von Dantes literarischem Meisterstück Göttliche Komödie (siehe rechts) und dessen Schilderung des Infernos inspirieren. Aber Rodin entwickelte schon bald einzelne Darstellungen aus dem Höllentor weiter. Dazu zählt der berühmte bronzene Denker, der hier im Park zu finden ist.

Empfehlenswerter Abschluss: Im Schatten von Platanen im neu eröffneten Bistro Platz nehmen, französische Köstlichkeiten genießen und dabei Villa, Park und zwischen dem Grün der Bäume hervorblitzende Skulpturen Rodins auf sich wirken lassen. Als Gast am selben Ort verweilen, wo der Künstler sein schaffensreiches Leben verbracht hat.

Info

Musée Rodin, 77 rue de Varenne, nächst Invalidendom, geöffnet Di. bis So., 10–18.30 Uhr, Audio-Guide auch auf Deutsch, musee-rodin.fr

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