© Carina Antl Main

freizeit
02/20/2021

Pop-Durchstarterin OSKA: „Ich träume schrittweise“

Eine junge Waldviertlerin erobert die Musikwelt. Sie nennt sich OSKA und gilt schon jetzt als „Musikerin des Jahres“.

von Andreas Bovelino

Als OSKA mit 18, frisch nach der Matura, in Wien ankam, landete sie quasi direkt auf der Straße. Und das mit voller Absicht! Das erklärte Ziel der jungen Künstlerin war es, Straßenmusikerin zu werden. Wie macht man so etwas eigentlich seinen Eltern klar? Und wie kommt man zu dem doch eher ungewöhnlichen Namen OSKA?

Die junge Frau, deren Songs wie „Distant Universe“, „Somebody“ oder ganz aktuell „Missunderstood“ nicht nur Streaming-Hits sind, sondern auch im Radio rauf und runter gespielt werden, ist im Gespräch ebenso entspannt wie in ihrer Musik und beantwortet alle brennenden Fragen mit charmanter Gelassenheit.

"freizeit!": Wie kommt eine junge Frau zu einem derart ungewöhnlichen Namen? Eine Hommage an deine Musikerkollegin Gustav? (Anm. Die steirische Musikerin Eva Jantschitsch hatte als „Gustav“ 2004 mit „Rettet die Wale“ großen Erfolg.)
OSKA: Nein, ich muss gestehen, damals kannte ich Gustav gar nicht, das war doch etwas vor meiner Zeit. Ich wollte einen Künstlernamen, der aber trotzdem etwas mit mir zu tun hat. Deshalb hab ich mich für den Namen meines Bruders Oskar entschieden und einfach das „R“ weggelassen. Da gibt’s sonst gar keinen Bezug oder Hintergrund.

Und warum überhaupt ein Künstlername?
Hm, das ist schon auch so eine Art Schutz, glaub’ ich. Also für die Person hinter diesem Namen. Ein Schutz des Privaten, egal, ob es peinlich wird oder mega-erfolgreich: es ist OSKA, die Bühnenperson und nicht Maria aus dem Waldviertel.

Du kommst so richtig vom Land?
Ja voll, ein Dorf beim Ottensteiner Stausee. Aber echt schön. Eigentlich sind wir schon eine Marktgemeinde, 1.500 Einwohner, Rastenfeld.

Du bist dort mit vielen Geschwistern und viel Musik aufgewachsen, hab’ ich gehört.
Ja, wir waren fünf Kinder, ich bin die Jüngste. Meine Mutter liebte Folk, wir sind praktisch täglich zu Joan Baez aufgewacht. Das war wunderbar ...

Sind deine Geschwister auch Musiker?
Sie spielen alle Instrumente, ja – aber sie arbeiten mittlerweile alle in „seriösen“ Berufen. Aber als große Geschwister haben sie mich natürlich geprägt. Alles, was meine Schwester gemocht hat, hab’ ich auch cool gefunden. Regina Spektor zum Beispiel, monatelang. Oder Kate Nash, auf die bin ich durch meinen Bruder gekommen. Die erste Platte, die ich mir selbst gekauft habe, war von Ed Sheeran, den hab ich auf einer England-Woche mit der Schule entdeckt. Find ich immer noch phänomenal!

Und wann hast du beschlossen, dass du Musik nicht nur nebenbei machen willst wie deine Geschwister, sondern sie zu deinem Lebensinhalt, deinem Beruf machen möchtest?
Schon sehr früh, also mit zwölf, da war ich schon ziemlich sicher. Aber eher so als „stiller Wunsch“. Wirklich artikuliert hab’ ich es erst später, so mit 16, 17.

Und wie um alles in der Welt bringt man seine Eltern dazu, dass sie einen mit 18 nach Wien gehen lassen, um Straßenmusiker zu werden?
(lacht) Das klingt arg, ja. Aber sooo extrem war es auch nicht. Meine Mutter hat darauf bestanden, dass jeder von uns eine ordentliche Ausbildung macht. Also wenn ich Musikerin werden will, dann muss ich das eben studieren, was ich auch brav getan hab’. Aber mir war von Anfang an klar, dass das nur ein Aspekt sein kann. Ich wollte spielen, spielen, spielen. Das war MEINE Ausbildung. Mir war klar, ich muss etwas tatsächlich auch machen, um besser zu werden. Und in einer Großstadt bietet sich da eben als unkomplizierteste Bühne die Straße an.

Ein hartes Pflaster.
Ja voll. Aber auch eines, auf dem man wirklich was lernt.

Aber ist es nicht furchtbar frustrierend? Weil ja niemand auf die Straße geht, um Musik zu hören. Jeder hat es eilig, viele finden die Musik sogar störend, keiner geht ans Straßeneck, um OSKA zu hören. Das sind so völlig unterschiedliche Voraussetzungen im Vergleich zu einem Konzert.
Und genau das ist eines der Dinge, die du auf der Straße lernst: Nicht gleich beleidigt sein, weil einer deine Musik nicht mag. Nicht alles gleich persönlich nehmen. Das gehört ganz einfach dazu, du kannst es nicht allen recht machen! Andererseits lernst du auch, wie man Aufmerksamkeit erregt – und wie man die dann aufrecht erhält, wie man die Leute fesselt! Nirgendwo ist die Kommunikation mit dem Publikum so direkt wie auf der Straße.

Du hast eine schöne, aber eher introvertierte, sanfte Stimme. Wie hast du es geschafft, im Straßentrubel nicht unterzugehen?
Haha, ja danke, aber ich kann schon auch richtig laut singen. Und auf der Straße spielst du zuerst einmal ohnehin Covers. Von Florence + The Machine hab ich zum Beispiel einiges gesungen, oder von U2 „I Still Haven't Found ...“ Die Menschen wollen was hören, das sie kennen, dann bleiben sie stehen, wenn es ihnen gefällt. Und wenn ich dann ein paar Leute hatte, hab’ ich ihnen gesagt, sie sollen näher kommen, einen Kreis machen, dann singe ich ihnen einen von meinen leiseren Songs vor ... Gott, es ist kaum zu glauben, dass das jetzt schon sooo lange einfach nicht mehr geht! Einfach zusammenrücken, singen, gemeinsam einen Moment teilen.

Die Pandemie trifft Künstler natürlich besonders, was die Ausübung ihres Berufs anbelangt. Du hattest mit „Distant Universe“ gerade deinen ersten Hit, als es losging. Dabei waren jede Menge Gigs geplant, ich glaube, du hattest kurz zuvor noch einen Auftritt im niederländischen Fernsehen?
Ja, ich hab’ die Jungs dieser niederländischen Band in Frankreich bei einem Workshop kennengelernt: Haevn. Ich wusste nicht, WIE bekannt die in ihrer Heimat schon waren, aber sie haben mich dann ganz spontan zu einem Fernsehauftritt nach Amsterdam eingeladen. Es war dann auch eine ganze Tour geplant, aber leider ... Man soll nicht jammern, die Lockdowns treffen jeden auf irgendeine Weise. Als Musikerin in der Zeit der globalen Vernetzung erreiche ich vom Wohnzimmer aus mit meinen Songs auch die ganze Welt. Aber auf Dauer fühlt es sich schon surreal an, Erfolg nur an Klicks zu messen und nicht am Applaus. Und dann fehlen natürlich die Einkünfte aus den Konzerten. Die machen normalerweise schon einen guten Teil des Budgets aus.

Apropos Budget: Dein grundsätzliches Ziel war ja, als Musikerin von deinem Beruf leben zu können. Hast du das erreicht?
Ja, ich lebe von meiner Musik, den Schritt hab ich verwirklicht. Ich meine, ich bin 24, wohne in einer WG, ich brauch’ zum Glück nicht viel. Und natürlich frage ich mich dann auch: Was ist, wenn ich irgendwann einmal Kinder will? Wie soll das funktionieren? Aber wie gesagt, ich versuche, einen erreichbaren Schritt nach dem anderen zu machen. Die ersten sind geglückt, auch wenn es schon einige Momente gab, wo ich alles hinschmeißen wollte. Aber jetzt verkaufe ich Platten, werde im Radio gespielt. Der nächste Schritt müssen Livekonzerte sein, auch physisch aus Österreich raus, nicht nur über Streaming-Plattformen. Konzerte, Festivals, schauen, was möglich ist.

Dabei hilft sicher auch, dass du auf Anhieb bei einem internationalen Label unter Vertrag gekommen bist, noch dazu einem renommierten: dem kanadischen „Nettwerk“. Wie kam es dazu?
Das war echt voll überraschend. Ich hab’ ja immer alles selbst gemacht, beziehungsweise mit Hilfe von Musiker-Freunden. Die Szene in Österreich ist ein Wahnsinn – wie hier zusammengehalten und sich gegenseitig unterstützt wird, ist richtig stark. Da gibt’s keinen Neid oder so. Weil da hat Österreich ja sonst so ein bissl den Ruf, dass man schnell mal sagt: Na die wird sich noch anschauen. Weil man es dem, der was macht, vermiesen will, damit man sich selbst ein bissl weniger mies fühlt. Aber für die Musikszene gilt das definitiv nicht. Deshalb wächst sie auch und es wird wirklich viel gutes Material produziert, das fällt auch international auf. Ich hab’ also die erste Single „Distant Universe“ ohne Plattenfirma rausgebracht, fürs Video dazu hab’ ich mir alle möglichen Sachen ausgeborgt oder im Internet günstig bestellt. Die von Nettwerk haben's gesehen und gehört, fanden's gut und haben mich angerufen, weil sie mich unter Vertrag nehmen wollten. Da dachte ich schon: Wow!

Du hast gerade die heimische Musikszene erwähnt. Was sind deine Lieblings-Acts?
Ach, da gibt’s sooo viele! Aber sicher einmal Oehl, Leyya, Florence Arman, Yasmo, Filous, My Bloody Clementine – und ja, Kerosin95 natürlich auch!

Zurzeit schaut es für dich ja wirklich super aus. Internationales Label, Ö3 feiert dich jetzt schon als Musikerin des Jahres – und FM4 mag dich auch noch! Wie weit träumt man sich da als Musiker? Ganz nach oben?
Nein ... ich weiß nicht, dann müsste ich strategisch planen, meine Songs so hinbiegen, dass sie charttauglich sind, möglichst ALLEN gefallen. Aber so berechnend mag ich nicht Musik machen. Und, wie gesagt, ich träume ohnehin nur schrittweise.

Gibt es eine Version ganz ohne Musik?
Nein!

Das klingt sehr entschieden. Und ist eine Antwort, die Musikfreunde freuen wird. Vielen Dank für das Gespräch.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.