Das ungarische Label Nanushka arbeitet ausschließlich mit veganem Leder.

© Nanushka

freizeit Mode & Beauty
09/12/2020

Trendprodukt: Die Krux beim tierfreien Leder

Immer mehr vegane Alternativen strömen auf den Markt. Nicht jede ist auch ethisch einwandfrei

von Maria Zelenko

Es gehört mittlerweile zum guten Ton, sich als pelzfreies Modehaus zu deklarieren. „Pelz? Da bin ich draußen. Ich möchte keine Tiere töten, um Mode zu machen“, sagte Donatella Versace im Jahr 2018. Das italienische Luxusmodehaus verzichtet seitdem ebenso wie Burberry oder Gucci auf den Einsatz von Tierfellen. Was einst als Gipfel des Luxus galt, ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß.

Im Gegensatz dazu wird Leder nach wie vor von den meisten Firmen verarbeitet. Dabei gibt es auch hier einiges zu bedenken: Zwar wird Leder als Nebenprodukt der Fleischgewinnung angesehen – die damit verbundenen Probleme hinsichtlich Tierhaltung sind jedoch hinreichend bekannt. Zudem wird geschätzt, dass die Viehzucht für rund 12 bis 14 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Wer Tierleid ausschließen, auf modische Kleidungsstücke in Lederoptik dennoch nicht verzichten will, kann zu Kunstleder greifen. Ebenso wie der Markt für veganes Essen ist auch jener für synthetisches Leder in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Laut Marktforscher Grand View Research ist die Sparte tierfreie Alternativen weltweit aktuell rund 25,5 Milliarden Euro wert. Bis 2027 sollen es 34,5 Milliarden sein.

Erdöl vs. Ananas

Doch ist Kunstleder automatisch die unbedenklichere Lösung? Ganz so einfach ist es nicht. Meist wird dieses aus Polyvinylchlorid, besser bekannt als PVC, und Polyurethan hergestellt – und ist somit alles andere als umweltfreundlich. Dass es auch ohne Unmengen an fossilen Rohstoffen geht, will die Designerin Sabrina Satzinger beweisen. Für die Taschen ihres Labels Saborka verwendet die Wienerin zum Großteil Piñatex, eine Lederalternative aus Ananasblättern. „Mir war es wichtig, von Anfang an vegane Taschen anzubieten“, sagt Satzinger im KURIER-Interview. „Vor ein paar Jahren habe ich jedoch ausschließlich mit Erdöl-basierten Materialien gearbeitet. Und das war mir ein Dorn im Auge.“ Mittlerweile sei glücklicherweise der Einkaufspreis für Piñatex auch für eine kleine Firma wie ihre leistbar.

Dass echtes Leder nach wie vor für höchste Qualität stehe und Kunstleder oft als minderwertige Alternative gesehen wird, findet die 28-Jährige nicht gerechtfertigt: „Man sollte nicht jedes Kunstleder über einen Kamm scheren, denn es gibt extrem große Qualitätsunterschiede.“

Nicht schlechtreden

Jedoch sieht die Designerin es auch kritisch, dass für „Kunstleder“ immer öfter die trendigere Bezeichnung „veganes Leder“ verwendet wird. „Es gibt diese Verallgemeinerung, dass veganes Leder immer ethisch vertretbar ist. Aber auch Veganes kann unter schlechten Bedingungen hergestellt worden sein. Als Marke ist man verpflichtet, seine Kunden aufzuklären.“

Ob man echtes Leder oder eine vegane Alternative am Körper tragen will, müsse letztendlich jeder selbst entscheiden. Weder das eine noch das andere dürfe man pauschal schlechtreden. „Bei Ersterem rate ich auf chromfrei gegerbte Varianten zu achten.“ Naturfasern wie Piñatex seien jedoch die Zukunft. „Ich denke nicht, dass wir komplett auf Konsum verzichten müssen – aber es muss nicht auf Kosten der Umwelt sein.“

Ananas
Piñatex wird aus den Blattfasern der Ananas hergestellt, welche ein Nebenprodukt der Ananasernte auf den Philippinen sind. Die Fasern werden einem industriellen Prozess unterzogen, um einen Vliesstoff zu gewinnen

Pilze
Die Pilze werden ohne problematische Stoffe behandelt, um ein lederähnliches Geflecht herzustellen, das aus Proteinen und Polysacchariden besteht

Weintrauben
Aus Häuten, Stielen und Kernen, die nach dem Pressen der Weintrauben übrig bleiben, macht die Firma Vegea ein Biopolymer

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.