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freizeit Mode & Beauty
09/10/2021

Trachtensaison: Warum nicht mal Kilt statt Lederhose?

Männerröcke werden salonfähiger, auch in der Trachtenmode. Der Schottenrock kommt sogar aus dem Alpenraum, sagt ein Kärntner Textilunternehmer.

von Julia Pfligl

Obwohl die großen Volksfeste der Delta-Variante zum Opfer fallen, wird dieser Tage quer durch das Land Tracht getragen – auf Hochzeiten, Kirtagen oder am „Dirndlg’wandsonntag“, der diese Woche in Niederösterreich stattfindet. Männer in Schottenröcken sieht man auf diesen Events eher selten. Mit einer Ausnahme.

In Villach und Umgebung mischen sich unter Dirndln und Lederhosen immer mehr karierte Kilts. Verantwortlich dafür ist der Textilunternehmer Thomas Rettl, der optisch durchaus als echter Highlander durchgehen würde. Aus Liebe zu Schottland gründete er vor 30 Jahren mit ein paar Freunden den „Carinthian Highland Club“, bei dem sich starke Kerle in Kilts im Baumstammwerfen und Bierwetttrinken messen.

Dass er damals einen Schottenrock zum Kärntner Trachtensakko kombinierte, erhitzte konservative Gemüter. Doch der 59-Jährige ließ sich nicht beirren und entwarf ein eigenes Kärntner Karo aus den Landesfarben, das mittlerweile offiziell als Tracht anerkannt ist. Seitdem hat er 10.000 Kilts verkauft – mehr als Gaultier oder Westwood, sagt Rettl, der das Traditionsmodehaus mit seiner Frau Nathaly in fünfter Generation führt.

Nicht kleinkariert

Heute spricht Rettl augenzwinkernd von einer „Protest-Tracht“. „Ich wollte mich nie politisch vereinnahmen lassen. Wir zeichnen uns durch eine weltoffene, völkerverbindende Einstellung aus“, betont er. So kam es, dass gleichgesinnte Kärntner Promi-Herren wie Armin Assinger oder Thomas Morgenstern seine Röcke trugen. Ex-„Jedermann“ Cornelius Obonya ließ sich darin bei den Salzburger Festspielen blicken und sogar Ur-Schotte Sean Connery besitzt ein Kärntner Original.

Dabei war dieser anfänglich gar nicht amused. Rettls Behauptung, der Kilt stamme eigentlich aus dem Alpenraum, kam in Schottland nicht gut an. Doch der Kärntner bleibt bei seiner These. „Lange, bevor die Kilts in Schottland bekannt waren, wurden sie hierzulande von den Kelten produziert und getragen. Bereits vor 2.500 Jahren wurden in Hallstatt Karos gewebt. Der älteste schottische Tartan (so heißt das karierte Webmuster) datiert auf 250 v. Chr.“

Zeitgeist

Der heutige Kilt soll im 18. Jahrhundert von einem schottischen Fabriksbesitzer erfunden worden sein. Seitdem arbeiten sich internationale Designer an ihm ab, erst im Mai besuchte US-Rapper Lil Nas im roten Schottenrock von Virgil Abloh die „Tonight Show“. Er ist Teil einer modernen Männer-Generation, die sich nicht in Schubladen stecken lassen möchte. Auch die Teenie-Idole Harry Styles und Timothée Chalamet zeigen sich selbstbewusst im Männerrock.

In Villach kombinieren Junge ihren Kilt mittlerweile zu Sneakers, auch bei Hochzeiten wird er beliebter, berichtet Rettl. Im Sommer sei der Wickel-Woll-Rock luftiger als die Lederhose, im Winter isoliert er besser. Von einem Trend möchte Rettl aber nicht sprechen. „Ein Kilt ist ein traditionelles und langlebiges Kleidungsstück, kein modischer Gag.“

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