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freizeit Mode & Beauty
01/31/2020

Ist es vielleicht doch okay, Pelz zu tragen?

Seit Jahrzehnten wird über die moralische Vertretbarkeit von Pelz diskutiert. Warum er nicht nur negativ gesehen werden kann.

von Maria Zelenko

Von Chanel über Gucci bis Versace – immer mehr große Modehäuser haben sich in den vergangenen Jahren dazu entschlossen, keinen Pelz mehr anzubieten. "Dass es von Luxuslabels klare Positionierungen gibt, ist sehr erfreulich", sagt Martina Pluda, Kampagnenleiterin bei Vier Pfoten. "Wenn sich so bekannte Marken klar positionieren, hat das einen spürbaren Effekt auf Kaufentscheidungen."

Wer jedoch dieser Tage durch die Innenstadt flaniert, sieht sie nach wie vor: Nerze, Füchse und Chinchillas, mit der sich das gut betuchte Klientel warm hält. Zwar werde der pompöse Pelzmantel immer seltener gewählt, dennoch sei das Ende der Pelzindustrie nach wie vor nicht abzusehen. Pluda: "Pelzbommel, Kapuzen und weitere andere augenscheinliche Kleinigkeiten sind sehr weit verbreitet und machen einen großen Teil des Absatzes aus."

Nun mag so mancher behaupten, dass für die Fleischproduktion auch eigens Tiere gezüchtet und getötet werden. Warum soll es für Pelze dann nicht gemacht werden? "Beide Industrien haben zweifelsfrei ihre Probleme und wer Tiere schützen will, sollte über die eigenen Essensgewohnheiten nachdenken", räumt die Vier-Pfoten-Mitarbeiterin ein. Bei Pelzmode handle es sich jedoch um eine nicht mehr zeitgemäße Industrie, die für die reine Optik jährlich 100 Millionen Tiere tötet. "Wildtiere, wie es Nerze und Füchse sind, haben Instinkte, die sie in den Käfigen der Zuchtfarmen nie ausleben können."

Da nützt laut dem Tierschutzverein auch ein Zertifikat wie WelFur nichts, das kritische Kunden mit der Einhaltung höherer Tierschutzstandards beruhigen will. Pluda: "Die Instinkte dieser normalerweise sehr aktiven Tiere lassen sich nicht wegzüchten. Vier Pfoten sieht das als reine PR-Maßnahme, auch weil dieses Zertifikat von der Pelzindustrie erfunden und von ihr kontrolliert wird."

Bitte nicht wegschmeißen

Ähnlich sieht die Sache ausgerechnet ein Kürschner. Zwar verdienen Patrick Adam und seine Frau Georgia mit Pelzen ihr Geld, sterben müssen für diese aber keine Tiere. Mit seinem in Tulln ansässigen Label AR Refurried hat sich das Duo auf die Umarbeitung alter Pelzmäntel spezialisiert. "Es gibt unglaublich viele Altbestände, die genützt werden sollten", erklärt Adam seine Philosophie. "Die Menschen haben Erbstücke auf ihren Dachböden rumliegen, die sie in dieser Form nicht tragen würden." Auf Anfrage unterzieht das Paar diese einer Frischekur. "Eine sehr nachhaltige Arbeit. Plastik wird man bei uns keines finden."

Für die Tierschutzorganisation Vier Pfoten gilt dennoch: Jede Art von Pelz wird abgelehnt – also auch recycelter. "Auf dem Mantel steht ja nicht für Fremde gut ersichtlich drauf, dass er Secondhand ist", sagt Martina Pluda. "Dadurch wird die Pelzoptik weiterhin gefragt bleiben." Sie empfiehlt, diese an Tierheime zu spenden, die daraus Hundebetten machen.

Patrick Adam sieht im Tragen alter Pelze einen wichtigen Umweltaspekt. "Ich finde, man müsste ein schlechtes Gewissen haben, wenn die Ressourcen nicht genützt werden", betont der Tullner. "Aber jeder sollte sich bewusst machen, dass niemand 20 Mäntel braucht. Pelz hält ewig, da reicht auch einer."

Ob man sich nun für oder gegen das Tragen von Pelz entscheidet, eines sollte laut dem Kürschner keinesfalls passieren: "Bitte nicht einfach wegschmeißen."

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