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Leben Mode & Beauty
07/05/2021

Hollywood hautnah: Die legendärsten Bikinis der Filmgeschichte

Von Brigitte Bardot über Bo Derek bis Kate Upton: Der Zweiteiler ist auch im Kino Kult. Ein Streifzug zum 75. Geburtstag.

von Alexander Kern

Beim Bikini ausschließlich von Badebekleidung zu sprechen, wäre, als würde man den Sunset Boulevard bloß als Straße apostrophieren: Der 1946 von Louis Réard erfundene Zweiteiler ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Vor 75 Jahren wurde der nach dem gleichnamigen Pazifik-Atoll (auf dem auch die US-Atombombentests stattfanden) benannte Bikini der Welt präsentiert.

Als verführerisch, schamlos, sexuell freizügig wurde er anfangs eingestuft: Über das kleine Textil gibt es viel zu erzählen – auch hinsichtlich seiner Rolle in der Filmhistorie. Oft unterstreicht der Bikini nicht nur den Charakter der jeweiligen Rolle, sondern spiegelt auch treffend die Trends und die Mode der entsprechenden Zeitspanne wieder. Und reflektiert zudem die projizierten Sehnsüchte des Publikums und das gesellschaftliche Schönheitsideal.

Eine prickelnde Verbindung zwischen Mode und Film stellte 1952 Brigitte Bardot her. In „Sommernächte mit Manina“, ihrem zweiten Film überhaupt, stiehlt ihre Sinnlichkeit der Handlung die Show und legt das Fundament für ihre Karriere als Sexsymbol. Die Bardot gilt als Multiplikatorin für die Popularität des Bikinis – und prägend hinsichtlich dem Aufbrechen prüder Rollenbilder zugunsten selbstbestimmter Sexualität.

Der Name Marilyn Monroe steht in Hollywood für dieselbe Thematik Synonym. Ihre Bikini-Szene blieb im regulären Kinobetrieb unveröffentlicht und ist gerade deshalb legendär: Erst wurde sie während der Dreharbeiten zu „Something’s Got to Give“ wegen häufigen Fehlens gefeuert (u.a. ließ sie sich krankschreiben, sang aber stattdessen „Happy Birthday, Mr. President“ für John F. Kennedy). Zur Wiederaufnahme kam es schließlich nicht – der Streifen blieb Marilyns letzter Film, da sie an einer Überdosis starb.

1962 schließlich ist die wohl berühmteste Bikini-Szene der Filmgeschichte im Kino zu sehen: Ursula Andress entsteigt in „James Bond – 007 jagt Dr. No“ in einem weißen Bikini mit Gürtel den Meeresfluten Jamaikas. Ein Hingucker nicht nur für Sean Connery – aber wiederum auch ein bis heute anhaltender Moment der Populärkultur, der 2002 in „James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag“ im Modell von Halle Berry zitiert wurde.

Von jeher ist der Bikini engmaschig verbunden mit der Etablierung von Sexsymbolen, die oft stellvertretend für ihre Zeitepoche stehen. Raquel Welch ist unbestritten eine der meistbegehrten Hollywoodstars der 1960er Jahre. Das Urzeitspektakel „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ aus 1966 mag kurios wirken: Dinosaurier beherrschen die Erde, ein Häuptlingssohn wird verstoßen, liebt die Schöne vom Stamm der Muschelsucher, es kommt zu Entführungen mit Flugsauriern und Vulkanausbrüchen. Raquel Welch schrieb sich jedoch im popkulturellen Gedächtnis ein – was etwa im Kultfilm „Die Verurteilten“ mit Morgan Freeman zitiert wurde, als Tim Robbins das Loch der Gefängniszellenwand, durch das er flüchtet, mit einem großformatigen Poster von Welch im Steinzeit-Bikini verdeckt.

Mehrere Filme sind untrennbar mit Bikinis verbunden – und auch ganze Karrieren. „Lolita“ war 1962 ein Skandal – erst als Buch, später als Film. Ein Literaturprofessor verliebt sich dabei in eine Zwölfjährige. Kein Wunder, dass auch das Werk von Kultregisseur Stanley Kubrick – und seine Hauptdarstellerin Sue Lyon im Bikini - in den USA als Aufreger galt.

Das Schönheitsideal der 1980er-Jahre wiederum stellte Bo Derek dar. Bekannt geworden im Badeanzug in „Zehn – Die Traumfrau“, kurbelte ihr Auftritt in „Tarzan – Herr des Urwalds“ hingegen die Verkaufszahlen für Zweiteiler an.

In den 1990er Jahren gilt eine Szene von Salma Hayek im Tarantino-Film „From Dusk Till Dawn“ als Kult. Die Schauspielerin tanzt darin im Bikini, während ihr lasziv eine Schlange um Hals wie Körper gleitet und sie Tequila über ihr Bein gleiten lässt, das ihr anschließend ein hartgesottener Kerl vom Zeh leckt. Ähnlich knistert es im Film "Wild Things" - Denise Richards avancierte mit dem Streifen zu einem der Sexsymbole des Jahrzehnts. 

In jüngerer Vergangenheit dient der Stoff, aus dem die Träume sind, nicht immer als Werkzeug eines künstlerisch wertvolles Narrativs - wird dafür aber in Filmen aus den 2000er Jahren mit Jessica Alba („Into the Blue“) oder Kate Hudson („Ein Schatz zum Verlieben“) unverkrampft und ohne überstrapaziert aufgeladene Bedeutung eingesetzt. Und gerne auch witzig und mit Ironie, etwa in „Ein Duke kommt selten allein“ (mit Jessica Simpson) oder "Die Schadenfreundinnen" (mit Kate Upton, siehe Artikelbild).

In „Lara Croft: Tomb Raider“ ist er gar als Kampfmontur zu deuten: Für Angelina Jolie in der Rolle der schlagkräftigen Heldin ist er in erster Linie bewegungspraktikabel als sinnlich – verführerisch bleibt er dennoch.  

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