Liebesleben ab 60: Das gut gehütete Geheimnis der Frauen
Frauen über 60 und Sextoys? Eine Studie zeigt: Das ist weniger exotisch, als manche vielleicht glauben. Über späte Neugier, alte Scham und die erfreuliche Erkenntnis, dass es viele Möglichkeiten gibt, Sexualität zu leben.
Es heißt immer, dass man über gewisse Dinge im Alter gelassener spricht. Cholesterinwerte zum Beispiel, Kniearthrose, Gruppenreisen. Nur wenn es um Sexualität geht, wird oft so getan, als hätte die Natur den Stecker leise gezogen. Irgendwie praktisch, weil man dann nicht mehr darüber reden muss, was Lust, Nähe und ein fulminanter Orgasmus mit 60, 70 oder 80 bedeuten könnten.
Anlass, wieder einmal darüber nachzudenken, ist der neue Kinofilm „Chéri, ich komme!“, der die Erfindung des Womanizer aufgreift. Also jenes Sextoys, das vielen unromantisch vorkommen mag, bis sie merken, dass Romantik und Technik einander nicht zwingend ausschließen.
Dazu passt eine relativ neue Studie, die Frauen ab 60 zur Verwendung von Sextoys befragt hat. Und da sage ich: Allein die Existenz so einer Untersuchung ist erfreulich. Nicht, weil man aus jeder vibrierenden Neuerfindung eine Public-Health-Kampagne machen muss, sondern weil ältere Frauen in der Sexualforschung meist vor allem dann vorkommen, wenn es um Probleme geht: Trockenheit, Schmerzen, Hormonmangel, Libidoflaute. Eh auch alles wichtig, aber eben nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte zeigt glasklar: Das Begehren verschwindet nicht automatisch mit der letzten Regelblutung.
Generationen von Frauen haben gelernt, höflich zu sein, belastbar, adrett, nicht zu laut, auf keinen Fall zu fordernd. In der Horizontale wurde daraus manchmal ein Talent zur Darstellung „Toll wars“, während sie während des Vögelns innerlich die Einkaufsliste für morgen durchging.
Orgasmus durch Sextoys
Die Studie zeigt tatsächlich, dass viele Frauen über 60 Sextoys verwenden – häufiger allein als mit Partner. Und jene, die sie regelmäßig bei der Selbstbefriedigung nutzen, berichten deutlich öfter von Orgasmen. Offensichtlich braucht die weibliche Lust auch im höheren Alter nicht nur ein gewisses Maß an Aufklärung, sondern schlicht eine gute Bedienungsanleitung und effiziente Elektronik.
Klingt frivol, ist es aber genau gar nicht. Weil in vielen weiblichen Biografien ein erstaunliches Maß an sexuellem Pflichtbewusstsein steckt, aber wenig Wissen darüber, wie der eigene Körper funktioniert. Generationen von Frauen haben gelernt, höflich zu sein, belastbar, adrett, nicht zu laut, auf keinen Fall zu fordernd. In der Horizontale wurde daraus manchmal ein Talent zur Darstellung „Toll wars“, während sie während des Vögelns innerlich die Einkaufsliste für morgen durchging.
Ein Sextoy löst nicht alle Probleme, es ersetzt kein Gespräch, keine Zärtlichkeiten, keine Begegnung, aber es kann ein Gegenbeweis zu der Annahme sein, weibliche Sexualität sei kompliziert, rätselhaft und vom guten Willen anderer abhängig. Und auch nicht von Penetration, als männlich definierter Königsweg zum weiblichen Höhepunkt. In der Sexualmedizin längst bekannt, erfahren das viele Frauen trotzdem erst spät. Nicht, weil sie „ach so prüde“ wären, sondern weil ihnen niemand gesagt hat, dass mit ihnen nix falsch ist.
Es ist jetzt nicht so, dass man nun täglich im Vibrationsmodus leben muss, es darf auch lieber nur gelesen, geschlafen, der Garten gegossen werden. Doch es ist höchste Zeit, anzuerkennen, dass Sexualität im Alter nicht automatisch zur sentimentalen Erinnerung werden muss. Im Gegenteil: Sie wird facettenreicher und vor allem wählerischer. Und die Neugier bleibt.
Partnersuche
Die romantische Zufallsbegegnung beim Ausgehen ist ab 40 eher selten geworden: Laut einer Parship-Studie haben 61 Prozent der 40- bis 75-Jährigen, die sich in den vergangenen zehn Jahren neu verliebt haben, ihre Partnerin oder ihren Partner online kennengelernt. Deutlich seltener funkte es im Urlaub, über den Beruf oder über gemeinsame Bekannte. Beim Ausgehen fanden nur zwei Prozent eine neue Liebe.
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