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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/14/2020

Wie wir nach der Pandemie einkaufen werden

Ereignisse wie die Verbreitung des Coronavirus und der Klimawandel verändern das Einkaufsverhalten – Shopping wird vielmehr zum sozialen Erlebnis

von Julia Pfligl

Als das Land vor drei Monaten dichtmachte, wurde dem Supermarkt eine besondere Rolle zuteil. Zwischen und in den Regalen konnte man die verschiedenen Phasen des Lockdowns beobachten: Erst wurden Klopapier und Germ gehamstert, anschließend prägten Maskenpflicht und Abstandsregel die Nahrungsbeschaffung. Bar zahlen war plötzlich nicht mehr erwünscht, Online-Shops erfuhren – auch im Lebensmittelhandel – einen nie da gewesenen Zulauf.

Wird die Krise unser Einkaufsverhalten nachhaltig verändern? „Bestehende Trends wurden durch Corona zumindest in einer ungeheuren Geschwindigkeit bestärkt“, sagt der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann, der im Auftrag des digitalen Handelsunternehmens QVC eine Studie über die Zeit nach der Pandemie durchgeführt und dabei auch das künftige Shoppingverhalten beleuchtet hat.

Dazu zählt neben klassischem E-Commerce das Thema Social Shopping: Weil durch die Isolation der Wunsch nach sozialer Nähe wuchs, wird der Trend aus China wohl bald den europäischen Markt erobern. Vor allem Apps werden dabei eine Rolle spielen, heißt es in der Umfrage mit 1.000 Deutschen: „Eingekauft wird digital und live, mit Freunden oder anderen Fans.“

Gemeinschaftsgefühl

Der Begriff wird vielseitig verwendet, erklärt Arnd Florack vom Institut für Sozialpsychologie der Uni Wien. „Als Social Shopping kann man schon den einfachen Online-Austausch von Konsumenten verstehen, aber auch komplexere Geschäftsmodelle, die auf einer Verbindung sozialer Netzwerke und direkten Möglichkeiten des Einkaufs basieren. Menschen sind soziale Wesen, und sie legen diese Eigenschaft nicht ab, wenn sie nach Produkten in den sozialen Medien suchen.“

Beobachten kann man das bereits jetzt auf beliebten Social-Media-Plattformen wie Pinterest oder Instagram. Auch Streaming könnte künftig beim Routine-Einkauf helfen: 44 Prozent aus der Generation Z wünschen sich laut der aktuellen Umfrage einen Online-Einkaufsassistenten, der ihnen verfügbare, frische Lebensmittel per Video zeigt.

Der stationäre Handel müsse kreativ werden, um die Kunden von der Couch zu locken. Statt Versorgungskonsum gehe der Trend in Richtung Shoppingerlebnis und Gemeinschaftsgefühl – 54 Prozent der Befragten wünschen sich, dass sich Geschäfte mehr zu Treffpunkten für Communitys entwickeln.

„Die Flächen werden kleiner, schon alleine deshalb, weil viele Geschäfte die Pandemie ökonomisch nicht gut überstehen werden“, so Wippermann. „Die Händler sind gut beraten, wenn sie den Spaß beim Shopping zurückbringen. Schon vor der Pandemie hat man gesehen, dass Supermärkte auf Erlebniskonsum setzen, indem sie eine Cafeteria integrieren oder den Gemüsestand wie früher auf dem Markt gestalten. Der Trend geht weg vom schnöden Warenanbieten.“

Das Gute so nah

Die Phase der großen Ketten, die überall auf der Welt gleich aussehen, sei vorbei, sagt der Trendforscher. „Jetzt muss das Regionale, das Einzigartige hervorgehoben werden.“

Apropos regional: Vor allem bei der jungen Zielgruppe sind Nachhaltigkeit und klimafreundlicher Konsum entscheidende Faktoren bei der Kaufentscheidung. Auch dazu könnte das Virus beigetragen haben: „Globalisierung ist kein Heilsversprechen mehr. Die Jungen wollen mehr über den Anbieter wissen, wie die Produkte hergestellt werden, gerade jetzt in Richtung Rassismus.“

„Purpose“, „Sinnhaftigkeit“, heißt der große Einkaufstrend unter jungen Konsumenten – sie werden den Unternehmern künftig wohl genau auf die Finger schauen.

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