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03/14/2021

Wie TCM den Körper in der Pandemie unterstützen kann

Allheilmittel gibt es keines. Aber: Die Kombination aller verfügbaren Methoden kann ein Mehrwert für die Patienten sein.

von Ingrid Teufl

Mit chinesischer Kräutermedizin eine Covid-19-Erkrankung verhindern: Diesen Wunsch ihrer Patienten hört die Wiener Ärztin Carina Bouwensch in der Pandemie laufend. „Täglich werde ich in meiner Praxis gebeten, eine Empfehlung für eine Präventivrezeptur gegen eine Infektion oder eine Heilrezeptur bei einer Akuterkrankung zu erstellen.“ Viele Interessierte, informieren sich zudem im Internet und stoßen auf Kräutermischungen. Sie sollen gegen Covid-19 wirken oder eine Erkrankung überhaupt verhindern. Was ist also dran an der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)?

Einiges, betont Bouwensch, die seit 13 Jahren eine Praxis für TCM führt und viele Infektionskrankheiten zum Teil ausschließlich mit TCM-Kräutern behandelt. Die mehr als 2000 Jahre alte, fernöstliche Heilmethode ist in ihrem Herkunftsland eine wichtige Säule im Gesundheitssystem. Die Ärztin, die im März 2020 selbst schwer an Covid-19 erkrankte, schränkt allerdings ein: „Bei Covid-19 stieß ich an meine Grenzen. Man muss ganz ehrlich sagen: Ein Allheilmittel oder die Präventivrezeptur gibt es derzeit nicht.“

Bekannt gegen Infekte

Bei im Internet zur Covid-Prävention vermarkteten TCM-Kräutermischungen handelt es sich etwa um Rezepturen, die schon lange gegen Infekte oder bekannte Viruserkrankungen eingesetzt werden. Eines davon ist etwa „Shufeng Jiedu“ – die Mischung aus acht Heilpflanzen (z. B. Süßholzwurzel, Eisenkraut, Forsythienfrüchte oder chinesische Hasenohrwurzel) gilt in der TCM als einer der Klassiker.

„TCM achtet auf Selbstverantwortung, dem Patienten etwas in die Hand zu geben. Das stärkt die Selbstermächtigung. Ernährung und Verhalten hat man ja selber in der Hand“, erklärt TCM-Arzt Florian Ploberger. Kollegin Carina Bouwensch ergänzt: „TCM wurde in China seit jeher in die gesamte Lebensweise der Bevölkerung eingebaut. Erkrankt jemand, wird zuerst durch die Änderung der Ernährung und Bewegungsübungen wie Tai Qi und Qi Gong ein Heilungsversuch oder eine Präventivtherapie gestartet.“ 

Ploberger: „Eine Kombination aus Körperbewegungen, Atemübungen für die Lungenfunktion und mentalen Techniken, um den Geist zur Ruhe zu bringen, wäre ideal.“ 

Ernährungsempfehlungen sind  allerdings gerade in der TCM sehr  individuell. „Es gibt auch keine Covid-Vorbeugungsernährung“, sagt Ploberger. Mit schonend zubereiteten, warmen Speisen aus Lebensmitteln, die zur Jahreszeit passen, liegt man aber nicht falsch. Bouwensch rät, wenig Milchprodukte und wenig Rohes zu essen. „Man muss aber nicht chinesisch kochen, um sich nach TCM-Regeln zu ernähren.“ Es komme auf die energetische Qualität der Lebensmittel an. „Wer  drei warme Mahlzeiten pro Tag isst, darf sich auch ein Joghurt erlauben.“

Eine Rezeptur, die für alle gleich wirkt – das wäre zwar schön, weckt aber falsche Hoffnungen, sagt der Wiener TCM-Arzt Florian Ploberger. Prävention und Behandlung folge in der TCM generell einem Stufenplan: Verhalten, Ernährung, Phytotherapie (Pflanzen) und Akupunktur. „Allheilmittel gibt es auch in der Schulmedizin nicht. Eine einzelne Rezeptur ist auch wenig sinnvoll. Eine der Stärken der TCM ist ja, den Patienten genau zu untersuchen und entsprechend der TCM-Diagnose individuell eine Rezeptur zusammenzustellen.“

Erfahrung von SARS

Führende chinesische TCM-Ärzte stellten dennoch Rezepturen für alle Phasen einer Erkrankung bis zur Rekonvaleszenz zusammen, veröffentlichten Behandlungsleitfäden und machten sie weltweit für TCM-Ärzte zugänglich. „In der SARS-Epidemie im Jahr 2003 sammelte man mit bestimmten Kräutern gute Erfahrungen. Als 2020 so viele Menschen gleichzeitig erkrankten, entwickelten nach Wuhan entsandte TCM-Spezialisten eben auch diese Fertigrezepturen.“ Das Prinzip dahinter: Zuviel Feuchtigkeit ist nach TCM-Lehre eine der Voraussetzungen von Covid-19 – daher gelte es diese auszuleiten.

TCM und Schulmedizin

Im Falle von Covid-19 sehen Bouwensch und Ploberger eine Kombination aller verfügbaren Methoden in fächerübergreifender Zusammenarbeit aber ohnehin als beste Behandlung. „Für die Patienten ist es ein Mehrwert, diese multifaktoriellen Ursachen auch mit multifaktoriellen Ansätzen zu behandeln.“ Das werde in China ebenso praktiziert, betont Ploberger. „Schulmedizin und TCM werden kombiniert – sowohl ambulant als auch stationär. 90 Prozent der Spitalspatienten bekamen zusätzlich Kräutermischungen. Das ist auch auf der Intensivstation kein Widerspruch.“ Die Stärken der TCM sieht er in Prävention und Rekonvaleszenz.

Carina Bouwensch hat ebenfalls einen pragmatischen Zugang: „Diese Infektionskrankheit spielt mit neuen Spielregeln. Es ist zweitrangig, ob TCM-Kräuter oder ein Medikament die Symptome am besten mildern. Im Vordergrund sollte das Zusammenwirken stehen.“ Sie verschreibt neben angepassten Rezepturen gleichzeitig „je nach Bedarf Medikamente, etwa Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel.“

Besonders in der „Post-Akut-Phase und bei Long-Covid-Patienten könne aus dem vollen Programm des TCM-Angebots sehr gut geschöpft werden.

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