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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/15/2021

Wie bei Harry & Meghan: Wenn die Familie dazwischenfunkt

Wer in Österreich den Partner nicht vor seiner Familie schützt, begeht eine Verfehlung, so Scheidungsanwälte.

Die Fehde zwischen dem Herzog und der Herzogin von Sussex und der Royal Family erhitzt die Gemüter und sorgt bei einigen für einen Wiedererkennungseffekt. Denn nicht nur bei den britischen Royals mischt sich die Familie in das Eheleben ein.

„Schaffen es die Beteiligten nicht, einen respektvollen und für alle akzeptablen Umgang zu schaffen, dann läuft es letztlich auf jene Entscheidung hinaus, die auch Prinz Harry treffen musste: Halte ich zu meiner Ehegattin oder halte ich zu meiner Ursprungsfamilie“, sagt Familienrechtsanwältin Susanna Perl-Lippitsch, Partnerin der Kanzlei Gärner Perl Rechtsanwälte. Gemeinsam mit Kanzleipartner Clemens Gärner betreut sie etwa 100 Scheidungsfälle pro Jahr.

„Diese Entscheidung sollte klar ausfallen. Denn in der Ehe hat die gegenseitige Loyalität Vorrang – und zwar in Österreich auch von Gesetzes wegen“, sagt die Scheidungsexpertin. Ehegatten sind einander laut § 90 ABGB zum Beistand verpflichtet. Konkret heißt das, dass sie einander in allen materiellen und immateriellen Belangen unterstützen müssen. Das gilt auch dann, wenn es um die Einmischung der Familie geht.

Konflikt mit der Schwiegermutter

Wenn die eigenen Verwandten den Ehemann oder die Ehefrau beschimpfen und beleidigen, muss man das unterbinden. Aber auch familiäre Zwänge und Gewohnheiten, die die Ehe stören, müssen abgestellt werden.

„In der Praxis geht es bei solchen Fragen am häufigsten um einen Konflikt zwischen Frauen und ihren Schwiegermüttern und um die gegenseitige Eifersucht. Zum Beispiel gab es einen Fall, bei dem eine Mutter von ihrem verheirateten Sohn verlangte, mehrmals in der Woche bei ihr zu übernachten und zwar ohne seine Frau, die sie nicht leiden konnte. Dass er dem nachkam, wurde ihm vor Gericht als Eheverfehlung ausgelegt.“

Eine schwere Eheverfehlung

Eine Eheverfehlung ist ein Verhalten, das geeignet ist, zur Zerrüttung der Ehe beizutragen. Sie ist dann gegeben, wenn das Verhalten vom Partner als ehestörend empfunden wird.

Die Eheverfehlung fällt ins Gewicht, wenn eine schuldige Scheidung eingereicht wird, denn sie hat direkte Auswirkungen auf die Unterhaltszahlungen. „Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gilt in Österreich immer noch das Verschuldensprinzip“, warnt Perl-Lippitsch.

Doch nicht immer muss man den Partner auf Kosten der Familie unterstützen. „Es kann zum Beispiel eine Eheverfehlung darstellen, wenn sich ein Ehegatte ständig weigert, zu Familientreffen mitzugehen. Denn es ist ebenfalls wichtig für eine Ehe, die Beziehungen des anderen zu Freunden und Familie zu unterstützen“, schildert Perl-Lippitsch.

Eine Ermessensfrage

Sie rät dazu, in der Ehe klar und deutlich die eigenen Bedürfnisse zu äußern und die des anderen ernst zu nehmen. Die Fehler des anderen im Geiste durchzugehen, bringt nichts. „Ob ein Verhalten eine Eheverfehlung darstellt oder nicht, ist letztlich eine Ermessensfrage des Scheidungsrichters. Aber wenn man schon mal vor diesem steht, ist es für die Rettung der Ehe sowieso schon zu spät.“

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