Warum weltweit immer mehr Zwillinge zur Welt kommen

Warum weltweit immer mehr Zwillinge zur Welt kommen
Forscher beobachten einen deutlichen Anstieg seit den 1980er-Jahren - in Österreich ist der Trend rückläufig.

Eines von 42 Kindern kommt heutzutage als Zwilling zur Welt - so viele wie noch nie zuvor. Zu diesem Schluss kam ein Team der Oxford University, das Daten aus mehr als 100 Ländern aus den 1980er- und 2010er-Jahren verglichen hat. Demnach werden weltweit inzwischen jedes Jahr 1,6 Millionen Zwillingspaare geboren, ein Drittel mehr als noch vor 40 Jahren. Die Geburtenrate weltweit wuchs jedoch nur um 8 Prozent. Die Studienergebnisse wurden im Fachjournal Human Reproduction veröffentlicht. 

Die Wissenschaftler sehen verschiedene Gründe für den Zwillingsboom. Einer davon ist, dass der Kinderwunsch immer länger aufgeschoben wird - mit zunehmendem Alter der Mutter wächst die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Eizellen befruchtet werden. Künstliche Befruchtungen, die in den westlichen Industrienationen seit den 1970ern immer häufiger werden, führen ebenfalls zu mehr Zwillingsgeburten. 

Auch genetische Faktoren könnten eine Rolle spielen, erklären die Forscher. So werden 40 Prozent der auf natürliche Weise entstandenen Zwillinge in Afrika geboren, obwohl dort nur 17 Prozent der Weltbevölkerung leben. Der Zuwachs bezieht sich auf zweieiige Zwillinge.

Trend in Österreich 

Die Forscher sehen die Ergebnisse skeptisch, da Zwillingsschwangerschaften immer mit einem Risiko für Mutter und Kinder verbunden sind. In Österreich sei der Trend jedoch nicht bemerkbar, sagt der Wiener Kinderwunschexperte Michael Feichtinger: Die Mehrlingsrate liege derzeit bei lediglich 8 Prozent und sei zudem stark absinkend. 

„Mehrlingsgeburten sind beim Menschen von Natur aus selten, belasten den weiblichen Körper und führen häufig zu Frühgeburten und kindlichen Komplikationen nach der Geburt“, betont Feichtinger. In Österreich wird deshalb seit Jahren darauf geachtet, im Rahmen der künstlichen Befruchtung nur einen Embryo in die Gebärmutterhöhle einzusetzen - ein sogenannter "Single Embryo Transfer".

Für eine künstliche Befruchtung werden zuerst mehrere Eizellen entnommen und dann mit dem Samen des Partners befruchtet. Nach drei bis fünf Tagen wird ein Embryo zurück in die Gebärmutter gesetzt. Weitere Embryos können für spätere Versuche kryokonserviert, also eingefroren werden.

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