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Sex-Kolumne
12/19/2019

Über schreckliche Sex-Szenen in ansonsten guten Romanen

"Bad Sex in Fiction Award": Auch diesmal handelt es sich um erotische Szenen, die – sagen wir es so – höchst interessant sind. Die Zutaten: rohe Fische, warme Bambussprossen, Feuer, Hitze und Begierde.

von Gabriele Kuhn

Na gut, habe ich jetzt halt das Buch mit dem Titel „Das Ministerium der Gärten und Teiche“ auf meinem E-Reader. Ganz ehrlich, nur der Titel hätte mich auf spezielle Weise davon abgehalten, mich für den Kauf und die Lektüre des Oeuvres zu entscheiden. Wäre da nicht wieder einmal der „Bad Sex in Fiction Award“ gewesen, der vor Kurzem – nämlich am 2. Dezember – zum 27. Mal vergeben wurde. Mit dem kürt das Londoner Magazin „Literary Review“ „die schrecklichste Schilderung einer Sexszene in einem ansonst guten Roman“.

Jedes Jahr um diese Zeit bin ich also schon sehr gespannt und google herum: Wer wird’s, wer wird’s diesmal? Heuer sind es gleich zwei Autoren, die den Preis kassieren. Der soll außerdem, so „Literary Reviews“ „auf die grobe, geschmacklose, oft oberflächliche Verwendung überflüssiger Passagen sexuellen Inhalts“ hinweisen und „ihr entgegenwirken“.

And the Winners are: der preisgekrönte französische Schriftsteller Didier Decoin sowie der britische Romanschriftsteller John Harvey. Decoins eingangs erwähntes „Gärten und Teiche“-Werk, 2018 auf Deutsch erschienen, wurde von der Kritik ambivalent aufgenommen. So hieß es etwa bei „literaturkritik.de“ unter dem Titel „Olfaktorische Ekstasen“: „Teilweise bis an die Grenzen geht Decoin auch mit seinen detaillierten Einlassungen zum Liebesakt: ,Zu seinen Lebzeiten hatte Katsuros Schwanz, wenn er in Miyukis Mund wuchs, nach rohem Fisch, nach jungen warmen Bambussprossen und frischen Mandeln geschmeckt, wenn er endlich seine Säfte freisetzte.’

An anderer Stelle heißt es ,sie schnappte die Finger des Fischers, knabberte und saugte an ihnen, wobei sie sie mit einer Spucke umhüllte, die so sämig war, dass sie glitschig wurden, als hätte er sie in eine Schale Honig getaucht, wodurch er nicht mehr in der Lage war irgendetwas zu ergreifen. Zum Abschied drückt Miyuki ihrem Geliebten noch einen letzten Kuss auf ,den langen Schaft seines Gliedes’“. Ich finde folgende Stelle bemerkenswert: „Katsuro begann zu stöhnen, während sich unter dem Stoff seines Kimonos eine Beule auf der Höhe seines Glieds bildete, eine Beule, die Miyuki packte, walkte, durchknetete, drückte, quetschte. Unter der Berührung bildeten Katsuros Hoden und Schwanz nur noch eine einzige Masse, die unter der Umklammerung durch die Hand hin und her rollte. Miyuki hatte das Gefühl, einen kleinen Affen zu betasten, der seine Beine zusammenrollte.“

Ihre Augen waren ausgehungert. Wie seine waren sie Feuer und Begierde. Mehr als heiß, mehr als tropisch: Die beiden ritten auf dem Äquator.

Wunderbar. Ich konnte schließlich nicht umhin und suchte via E-Reader sämtliche „Penis-Stellen“ heraus – meine „liebste“: „Dem alten Mann gelang es schließlich, sein Glied zu befreien. Seiner Zwangsjacke entledigt und belebt von einem Blutandrang hatte sein Penis sich sofort aufgerichtet und, als würde er den Hals recken, um den Mond anzuheulen ...“, usw., usf. Es käme noch eine Penis-Wolf-Metapher, aber ich will Sie echt nicht überlasten.

John Harvey wiederum wurde für Szenen aus seinem Roman „Pax“ gekürt, in denen Passagen wie folgende zu lesen sind: „Sie war brennend heiß und die Hitze war in ihm. Er sah auf ihre vollkommen schwarze Schlankheit herab. Ihre Augen waren ausgehungert. Wie seine waren sie Feuer und Begierde. Mehr als heiß, mehr als tropisch: Die beiden ritten auf dem Äquator. Sie umarmten sich, als könnten sie mit heftigem Griff einen von beiden zusammenschweißen.“ – Nun, ich bin mir ganz sicher, es gibt Menschen, die das alles sehr reizvoll und animierend finden, lesen und lesen, ihren kleinen Affen betasten, der seine Beine zusammenrollt – und nach ein paar Minuten dann den Mond anheulen.

Job-Liebe Arbeit verbindet, zeigt die Umfrage eines Partnervermittlungs-Unternehmens unter 1500 Österreichern. Für 26 Prozent der österreichischen Singles ist der Arbeitsplatz  zwar in Sachen Liebesanbahnung eine Tabuzone, doch fünf von zehn Singles waren bereits in eine Kollegin/einen Kollegen verliebt. Und vor allem männliche Singles (13 Prozent) berichteten von  einer erotische Begegnung am Arbeitsplatz.