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freizeit Leben, Liebe & Sex
09/09/2021

Sex mit Robotern: ein Akt ohne Seele

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob es normal sein wird, mit Robotern Geschlechtsverkehr zu haben. Schon jetzt heiraten manche ihre Kunst-Gefährten gar.

von Gabriele Kuhn

Über Sex mit Robotern wurde in dieser Kolumne schon vor Jahren geschrieben, da wurde das Thema noch als Sci-Fi-Geschwurbel empfunden: niemals, Schwachsinn, abseitig, unvorstellbar! Mittlerweile können wir mit unseren iPhones plauschen oder den cloudbasierten, smarten Sprachdienst Alexa bitten, er möge uns doch beim Kochen und bei der Einkaufsliste für den nächsten Tag zur Hand gehen. Und so machten auch die „Love Machines“ mit ihrer künstlichen Intelligenz anstatt einer menschlichen Seele enorme technische Fortschritte, sodass AI-Experten mittlerweile davon überzeugt sind, es würde für die Menschen eines Tages völlig normal sein, sich auf emotionaler Ebene mit diesen Dingern auszutauschen. Davon ist zumindest David Levy überzeugt, Autor des Buchs „Love and Sex with Robots“ („Liebe und Sex mit Robotern“) und Initiator des gleichnamigen Kongresses. Dieser fand vor ein paar Wochen zum sechsten Mal statt und dabei gab es Vorträge zu Themen wie „Intimität mit und Begehren nach Robotern“ oder „Der Gebrauch und Missbrauch von Sexrobotern“. Was Roboter abseits von Erotik schon können, zeigt Modell „Pepper“: Er ist fähig, sich in 20 Sprachen zu unterhalten oder die Gefühle eines Menschen am Gesichtsausdruck und seinen Worten zu erkennen. Und er vermag sogar den einen oder anderen schwachen Witz zu machen. Gefühle empathisch einordnen – und erwidern: Das geht (noch) nicht.

Was so manchen Robo-Fan gar nicht stört, vielleicht ist ihnen das sogar angenehm. Weil so Konflikte vermieden werden. Ein gutes Beispiel dafür ist ein gewisser Davecat, bekennender „Gynoid“-Fan (das weibliche Pendant zu maschinellen Androiden), der auf dem Kongress ebenfalls zu Wort kam. Er plauderte über seine Faszination und die romantische Anziehungskraft, die die künstlichen Wesen auf ihn ausüben. Im Jahr 2000 kaufte er sich eine AI-gesteuerte Sexpuppe von Real Doll, die echten Frauen sehr ähnlich sind. „Die Liebe seines Lebens“, wie er meint, und die er sogar heiratete. Dazu gesellten sich schließlich weitere Kunst-Gespielinnen namens Sidore oder Miss Winter. Die Gemeinschaft beschreibt er heute so: „Meine Puppen und ich leben in einer polyamoren Beziehung.“ Darüber kann man lachen, den Kopf schütteln, vielleicht ein „pervers“ zufügen – aber tatsächlich handelt es sich dabei um eine wachsende Subkultur, die nicht unbeachtet oder lächerlich gemacht werden sollte. Im durchaus kritischen Sinn. Weil die Gefahr besteht, dass weibliche Wesen als Dienerinnen ihrer Herren betrachtet werden – programmierbar, nach Wunsch und Vorstellungen ihrer Besitzer. Also jener, die das alles bezahlen können (solche lebensechten Sexpuppen kosten nämlich verdammt viel Geld, zwischen 8.000 und 10.000 US-Dollar). Frauen werden so zu Objekten ohne unerwünschte Eigenschaft, auch wenn’s „nur“ ein Fetisch sein mag und manche Männer Sexpuppen als Ergänzung einer bestehenden Partnerschaft empfinden. Doch mit den Pupperln ist es möglich, Männlichkeit ohne Widerspruch auszuleben, ohne sich selbst weiterentwickeln oder gar hinterfragen zu müssen. Und tatsächlich werden die Wünsche der Kunden zunehmend bizarrer. Nun sollen auch Frauen in die Arme der stets bereiten Kunst-Herren gelockt werden. Potenz als potenzielles Kaufargument, zum Beispiel in Gestalt von „Henry“, der auch als Gay-Version programmierbar sein soll. Wie auch immer – das stärkste, was der Gute zu bieten haben wird, ist weniger sein Charme und Charisma als sein Penis. Laut Hersteller „ein bionisches Ding, das einen Lastwagen heben könnte.“

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