Ein Krampus stellt ein Teufels(ab)bild dar.

© REUTERS/DAVID W CERNY

freizeit Leben, Liebe & Sex
12/05/2020

Wilde Hunde: Vom speziellen Reiz des Bösen

Als männlich-mächtige Kult-Figur treibt der Krampus etwa bei Perchtenläufen sein Unwesen. Für manche hat das Sex-Appeal.

von Gabriele Kuhn

Good guy, bad guy – so lässt sich das Nikolo-Krampus-Duo gut beschreiben. Der Mann mit dem weißen Bart gilt als milder Lehrmeister, sein teuflischer Assistent fuchtelt mit der Rute herum, um den Bösen das Böse auszutreiben. Und was hat das mit dieser Kolumne zu tun?

Nun, die finstere Figur repräsentiert etwas zutiefst Maskulines und Mächtiges, das im Umfeld von Brauchtumskrampusläufen einmal auf spielerische, das andere Mal auf unangenehm-übergriffige Weise gelebt wird. Letzteres wohl auch deshalb, weil solche Events zuletzt eine Form von „Halloweenisierung“ erfahren haben, inklusive Alkoholexzess und heftigen Ritualen, die eigene Männlichkeit zu demonstrieren. Dabei schwingt viel Sexuelles mit – wie im Band „Wild und schön. Der Krampus im Salzburger Land“ beschrieben wird: Über die Figur des Krampus wird im Rahmen des Rituals eine ganz spezifische Ausprägung von Männlichkeit konstruiert und reproduziert. Krampusse wirken durch ihre Masken und die daran befestigten Hörner groß, durch ihren Fellanzug bullig und wuchtig, und durch ihre Performance im besten Fall wild, stark und sportlich. Dadurch würden männliche Attribute wie Größe, Stärke und breite Schultern hervorgekehrt und unterstrichen. Es heißt weiter: „Krampusse sind“, wie Sabine meint, „die wilden Hunde“ und die „coolen Typen“, „sportliche Draufgänger“, die eine gewisse „Alpenerotik“ ausstrahlen und bei Frauen, im Gegensatz zu Nikoläusen und Körblträgern als sexuell besonders begehrenswert gelten.

Gruß vom Krampus

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde die Krampusfigur kokett-erotisch inszeniert. Schön zu sehen, auf alten Krampuskarten – mit Illustrationen von textilarmen Damen in roten oder schwarzen Strapsen, die vom Krampus besucht und umgarnt werden. Die „frivolen“ Karten wurden unfrankiert verschickt, sodass das weibliche „Zielobjekt“ Strafporto zahlen musste. Der „Gruß vom Krampus“ als schlicht-schlüpfrige Annäherung anonymer Verehrer, begleitet von Sprüchen wie Justament und unverzüglich, tät ich gern, was höchst vergnüglich. Heute würde man eher sagen „Ich will dich vögeln.“ Funktioniert hat’s wohl. Das Böse, Teuflische hat immer schon fasziniert. Als Beispiel gilt da etwa Rasputin, der als „heiliger Teufel“ in die Geschichte einging. Er inszenierte sich als geheimnisvoller, finsterer Wunderheiler im schwarzen Outfit, mit tief liegenden, stechenden, fast erschreckenden Augen, enger Stirn, wirrem Haar und ungepflegtem Bart. Trotzdem wurde er zum Sex-Guru. Der Hinterwäldler entwickelt ein solches Charisma, dass sich ununterbrochen willige Sünderinnen finden, die ihm bei seinen bizarren Orgien und Ritualen in Scheunen, Wäldern, Hütten und Höfen behilflich sind…, heißt es dazu im „Intimen Lexikon“. Er hinterlässt eine Spur befriedigter, häufig geschwängerter Anhängerinnen. Das „Sex, Crime, Dämon“-Prinzip funktioniert auch in der Fiktion super. Man denke an so teuflische Figuren wie „Hannibal Lecter“ in „Das Schweigen der Lämmer“. Doch auch die Realität hat da einiges zu bieten. Als „Mörder, der die Frauen reizt“, ging beispielsweise Jack Unterweger in die Geschichte(n) aus dem Reich des Bösen ein. Ihm waren viele weibliche Fans zugetan, die ihm Briefe ins Gefängnis schickten, weil sie mit ihm gerne eine sexuelle Beziehung eingegangen wären.

Zum Schluss noch ein Schlenker in die Länderkunde: „Bod an Deamhain“ heißt ein Berg in den schottischen Highlands auf Gälisch. Übersetzt bedeutet das „Penis des Teufels“, die meisten Menschen nennen ihn allerdings, ganz sittsam, „Devil’s Point“.

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