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freizeit Leben, Liebe & Sex
04/30/2020

Schnurren und Hauchen: Dirty-Smartphone-Talk statt Dirty Dating

In Zeiten des Social Distancing müssen sich abenteuerlustige Singles Alternativen einfallen lassen.

von Gabriele Kuhn

Was von der Lust geblieben ist, erfahre ich per Mail von einer Leserin – geschieden, Single, bald 47 Jahre alt. Seit Wochen keine frischen Dates mehr, schreibt sie. Dabei hätte sie sich schon so auf diesen Frühling gefreut. Auf die Leichtigkeit, ein paar Drinks irgendwo draußen, im Flirren der Sonne, auf herrliche Flirts und das Spiel mit den Möglichkeiten.

Irgendwie kriegt sie es trotzdem hin, schreibt sie ebenfalls – das mit den Dates und sogar das mit der gewissen sexuellen Spannung, die es braucht, um ein Prickeln zu fühlen. Zumindest ein bisschen.

Was sie tut?

Ganz einfach: Sie telefoniert mit ihren potenziellen Liebhabern – sehr oft, sehr lange und mitunter auch recht exzessiv. Dirty Talk statt Dirty Dating in Echtzeit also: „Sich da vorzutasten war aber gar nicht einfach“, gesteht sie und fragt, was mir dazu einfällt. Sagen wir so: Als Königin des Dirty Talks wird man nicht geboren – der Weg vom schmutzigen Gedanken zur passenden Wortwahl kann ein holpriger sein. Für angehende Tonkünstlerinnen: Pomali, gehen Sie es erst einmal langsam an. Sie müssen Ihr Smartphone nicht in der Sekunde in ein tönendes Sextoy verwandeln und endlos lange Telefonsex-Orgien erzwingen. Nein, das alles geht auch viel subtiler und doppelbödiger – doch gerade das könnte im ersten Schritt sogar um eine Nuance spannender sein.

Die hohe Kunst der Verbalerotik

Womit wir bei der hohen Kunst der feinen Verbalerotik gelandet wären – und dem raffinierten Einsatz von Stimme und Tonalität. Klar, das muss man können, wollen – und vor allem den Mut dazu haben. Da fällt mir die legendäre Schauspielerin Mae West ein – sie beherrschte den lasziven Unterton nahezu perfekt. Wenn sie in ihrer gedehnten Sprechweise sagte „Komm, lass uns nach draußen gehen“, hatte es nicht nur diese eine, im Grunde völlig harmlose, Bedeutung – nein, da war auch dieser gewisse Subton. Die Art und Weise, den Satz auszusprechen, ließ einen erweiterten Interpretationsspielraum zu. Und genau das kann in manchen Situationen um einiges anregender sein als ein glasklar-trockenes „Komm, lass uns raus, vögeln gehen.“

Mae West konnte nicht mal ein Schlaflied singen, ohne dass es sexy klang, schrieb das Magazin ,Variety’ über die platinblonde Schauspielerin.

Umgekehrt konnte sie Anzüglichkeiten so vortragen, dass es engelsgleich und völlig unschuldig klang – indem sie ihre Hände auf ihre Wangen legte und Richtung Himmel blickte. Was für eine Performancekünstlerin! „Mae West konnte nicht mal ein Schlaflied singen, ohne dass es sexy klang“, schrieb das Magazin „Variety“ über die platinblonde Schauspielerin. Von sich selbst sagte sie, dass sie zwei Sprachen beherrsche: „Englisch und Körper“. Und genau das ist es, was man von ihr lernen kann, möchte man sich als Verbalerotikerin und Verführerin in Zeiten wie diesen vergnügen.

Einige Tipps dazu finden sich in dem hübschen Buch „Das gewisse Etwas“ von Ellen T. White: „Sagen Sie ihm, was Sie mit ihm machen werden, Schritt für Schritt. Seine Erwartung ist der Schlüssel. Drehen Sie es um und denken Sie laut darüber nach, was er vielleicht als Gegenleistung für Sie tun könnte. Verwenden Sie dabei einen Hauch sexueller Obszönität.“ Es geht also um die Art und Weise, wie etwas gesagt wird – man kann ein „Zieh mich aus!“ bellen und so formulieren, als würde man gerade einen Brief ans Finanzamt diktieren. Oder aber man kann die Worte ausatmen, hauchen, mit heiser-leiser Stimme schnurren. „Ein paar katzenhafte Laute können nicht schaden“, heißt es dazu im Buch. Zu gewollt wirkt natürlich uncool, die Gefahr, wie die Synchronisationsstimme in einem schlechten Porno zu klingen, ist groß. Vermutlich geht’s einfach nur darum, so zu klingen, als wäre man bereit für alles – und nichts.

LESE–ZEIT Aus der Reihe „Erotik-Klassiker der Weltliteratur“: „Das Delta der Venus“ – von Anaïs Nin,  Henry Millers langjähriger Geliebter. „Poetisch und pornographisch, sinnlich und sensibel, ein schamlos schönes Buch“, kommentierte Miller die 15 Kurzgeschichten. Und die „New York Times“ schrieb: „Dies ist das schönste und direkteste Buch, das je von einer Frau geschrieben wurde.“  Die Sprache sei „delikat und geschmeidig“.

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