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freizeit Leben, Liebe & Sex
06/18/2020

Frauen: Mit (richtigen) Pornos schneller zum Orgasmus?

Immer mehr Plattformen bieten Filme an, die fair produziert wurden und nicht auf bewährte Geschlechterstereotypen setzen.

von Gabriele Kuhn

Draußen schüttet’s, drinnen schnurrt’s. Sehr schön – läuft! Aber was? Der Porno auf dem Laptop, ein Vibrator zwischen den Beinen.

Ja, auch Frauen mögen schmutzige Filme – aus Gründen. Laut einer neuen Studie an der „Valparaiso University“ (erschienen im „International Journal of Environmental Research and Public Health“) kommen Damen, die sich hin und wieder einen Porno reinziehen, um einiges schneller. Das gilt für Solo-Sex genauso wie fürs Vögeln mit Partner. Dafür wurden mehr als 2.400 Frauen aus den USA und Ungarn befragt. Der gute „Outcome“ betrifft aber auch die Zweisamkeit – häufiger Pornokonsum beeinflusst die Beziehung keineswegs negativ, heißt es in der Studie.

„Es geht um Vielfalt und Authentizität, und darum, dass Befriedigung nicht nur als Ergebnis maximaler Genital-Performance dargestellt wird.“

Was von manchen Experten aber bezweifelt wird. Derlei „Super-Stimuli“ würden auf Dauer zu Gewöhnung führen, ist die Psychotherapeutin Heike Melzer überzeugt. In ihrem Buch „Scharfstellung“ schreibt sie: „Der Konsum von Pornografie stellt für Männer und Frauen Skripte bereit, weckt Wünsche, verändert Vorlieben und kann auf bestimmte Reize fixieren, die im partnerschaftlichen Kontext nicht zu erreichen sind.“ Zweifellos: Pornos vermitteln meist eingeschränkte Vorstellungen von Sex und zeigen stumpfe Geschlechterstereotypen. Und es war am Ende die Pornoindustrie, die das Sehnsuchtsbild des „perfekten“ weiblichen Genitals geprägt hat: haarlos, eng, rosafarben. Das ist die eine Seite.

Positives Empowerment

Die andere: Bewusster Pornokonsum kann dazu beitragen, dass Menschen etwas über ihre sexuelle Identität und Bedürfnisse lernen. Junge Frauen erleben Pornos zunehmend als positives „Empowerment“, ein Drittel der User ist weiblich. Doch was bedeutet das in diesem Kontext – und was genau heißt „bewusst“? Zum einen die Dosis, die bekanntlich das „Gift“ macht – wenn gar nix mehr ohne die visuellen Kicks geht und das eigene Kopfkino verstummt, wird’s heikel. Es braucht immer noch den Mix zwischen externer Anregung und innerem Erleben. Vor allem aber geht es um die Art und Weise der Bilder und die Machart der Filme. Das betrifft prekäre Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung ebenso wie den Schutz der Darstellerinnen auf verschiedenen Ebenen.

Fein also, dass es immer mehr Produzenten gibt, die sich darauf einstellen – und auf weibliche Bedürfnisse abseits des Mainstream-Rums-Bums-Nonstop-Ejakulierens. Es geht um Vielfalt und Authentizität – und darum, dass Befriedigung nicht als Ergebnis maximaler Genital-Performance dargestellt wird. Stattdessen soll Sex zum Fest werden, wie es etwa auf der Plattform brightdesire.com heißt, wo es nicht den üblichen Stoff zum Runterholen gibt, sondern smarte, intelligente Filme, als „Versuch, all das Gute zu zeigen, was wir an Sex so lieben – Intimität, Lachen, Verbindung und echten Spaß“. Oder bei bellesa.co, wo es im Leitbild heißt, dass „Sexualität im Internet Frauen so darstellen sollte, wie sie wirklich sind – als Subjekte des Vergnügens, nicht als Objekte der Eroberung“. Oder beim deutschen #pornstartup „Feuerzeug“, das von Studenten in Freiburg gegründet wurde. Wo man Pornos „fair, sicher und feministisch“ produzieren möchte, also Frauen an der Produktion beteiligt sind und nicht nur „als Darstellerinnen, die ausschließlich durch den männlichen Blick definiert werden“. Sehenswert, das neueste 17-Minuten-Werk „Seeseiten“, das sich dem Thema „Masturbation“ widmet und „drei Protagonist*innen am See, im Licht eines endenden Sommers“ zeigt. Gibt’s derzeit nur via Freischaltung von „Art House Vienna“ und per Online-Überweisung. Aber weil’s sinnvoll und sinnlich zugleich ist, gilt die Devise: reinschauen! Unbedingt.

Und weil Frauen  auch durch Hörbilder erregt werden, boomen Podcasts und Audio-Pornos. Also gibt es auch dafür  bereits eigene Plattformen, wie z. B. „Quinn“. Mit Tonspuren, die zum Beispiel „Simple Moans“,  „Orgasm Remix“ oder „Meet the Neighbor“ heißen. Interessant. Initiiert wurde das Projekt übrigens von Caroline Spiegel, der Schwester des Snapchat-Gründers Evan Spiegel. Info: tryquinn.com

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