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02/09/2021

Schulen offen oder zu? Was sagt der internationale Trend?

Viele Staaten kehren zu Präsenzunterricht zurück. Portugal, Italien und Luxemburg sind Gegenbeispiele.

Stellt sich Österreich mit der diese Woche erfolgten Öffnung der Schulen gegen den europäischen Trend? Überhaupt nicht, denn zahlreiche Staaten haben rund um den Semesterbeginn eine Rückkehr zur Präsenzunterricht eingeleitet oder bereiten einen solchen vor. Gegenbeispiele sind Portugal, Luxemburg oder auch Italien, wo Distance Learning wieder im Vormarsch ist. Ein Überblick zur Lage in den EU-Staaten, Großbritannien und der Schweiz.

SCHULEN (TEILWEISE) GEÖFFNET

BELGIEN: Seit Mitte November gibt es nur für Oberstufenschüler (teilweise) Distance Learning, die jüngeren Schulkinder haben Präsenzunterricht. Ministerpräsident Alexander De Croo sieht darin eine Errungenschaft, an der er weiter festhalten will. Die Corona-Maßnahmen sind aktuell bis Anfang April befristet.

ESTLAND: Nach Angaben der Regierung in Tallinn sind alle Schulen unter Einhaltung der strikten Hygienebestimmungen geöffnet. Für Kindergärten und Vorschulen gebe es keinerlei Einschränkungen.

FINNLAND: Der Präsenzunterricht ist nur im südfinnischen Ballungsraum rund um die Helsinki eingeschränkt. Für diese Region wurde das Distance Learning in den mittleren und höheren Schulen erst kürzlich bis 28. Februar verlängert.

FRANKREICH: Trotz des strengen Lockdowns hält die Pariser Regierung die Schulen geöffnet, allerdings mit zusätzlichen Testungen. Nur in einigen Mittelschulen gibt es eine Kombination aus Präsenz- und Online-Unterricht. Frankreich ist nach Angaben von Bildungsminister Jean-Michel Blanquer das europäische Land, in dem die Schüler während der Pandemie die meisten Tage Präsenzunterricht hatten.

POLEN: Das fünftgrößte Land der Europäischen Union hält seine Schulen für Kinder der ersten bis dritten Schulstufe offen. In den höheren Klassen gibt es Homeschooling. Diese Woche hat die Regierung in Warschau damit begonnen, die Lehrer auf das Coronavirus zu testen. Auf Grundlage der Ergebnisse soll dann über weitere Öffnungsschritte entschieden werden.

SCHWEIZ: In der Eidgenossenschaft sind derzeit nur die Hochschulen auf Distance Learning umgestellt. Die Entscheidung über die Schulen obliegt den Kantonen. Bisher ist nur eine Maskenpflicht für Schüler eingeführt worden, wobei die Regelungen auch hier unterschiedlich sind. In einigen wenigen Kantonen gibt es eine Maskenpflicht nur für ältere Schüler.

SCHWEDEN: Das gelobte Land vieler Corona-Skeptiker versucht auch die Schulen weiterhin offen zu halten. In den höheren Schulen gibt es jedoch Fernunterricht, der jüngst bis Ostern verlängert worden ist.

SPANIEN: In den meisten spanischen Regionen sind die Schulen geöffnet, begleitet von Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und einem De-facto-Freiluftbetrieb mit ständig geöffneten Fenstern, was bereits zu Beschwerden von Kinderärzten geführt hat. Unter den acht Millionen Schülern gab es so bisher weniger als zwei Prozent Infizierte, nur rund ein Prozent der Klassen mussten geschossen werden.

TSCHECHIEN: Seit Mitte November werden die Schüler der beiden ersten Schulstufen unterrichtet, für alle anderen heißt es Distance Learning. Die Opposition drängt das Minderheitskabinett von Premier Andrej Babis zu einer Öffnung. Entsprechende Gespräche sind im Gange, Bildungsminister Robert Plaga hat eine Teilöffnung für Anfang März vorgeschlagen. Mehr als 13.000 Menschen haben bis zum Wochenende eine Petition unterzeichnet, in der die Regierung aufgefordert wird, sich bei der Schulöffnung ein Beispiel an Österreich zu nehmen.

UNGARN: Ministerpräsident Viktor Orban hält an Präsenzunterricht bis zur achten Schulstufe fest und argumentiert mit den Bedürfnissen berufstätiger Eltern. Das Distance Learning an den Oberstufen ist aber jüngst bis März verlängert worden.

ÖFFNUNGSSCHRITTE:

BULGARIEN: Das südöstliche EU-Land hat in der vergangenen Woche auch für die Mittel- und Oberstufen eine Rückkehr zum Präsenzunterricht eingeleitet, nachdem Kindergärten und Volksschulen schon zuvor offen gewesen waren. Distanzunterricht wird es somit nur noch für Hochschüler geben.

DÄNEMARK: Nach einer vorübergehenden Schließung ist diese Woche der Präsenzunterricht in den Vorschulen und den ersten vier Schulstufen wieder aufgenommen worden. Ministerpräsidentin Mette Fredriksen begründete den Schritt mit den gesunkenen Infektionszahlen, wollte sich aber nicht auf ein Ende des Distance Learnings in den höheren Schulstufen festlegen. Diese würden erst geöffnet, wenn man die Pandemie unter Kontrolle habe, sagte sie.

GRIECHENLAND: In den meisten Regionen des Landes haben die mittleren und höheren Schulen seit der vergangenen Woche wieder geöffnet, begleitet von einem Testprogramm für Lehrer und ältere Schüler (ab 16 Jahren). In der Hauptstadtregion Attica müssen die Oberstufenschüler aber zuhause bleiben. Die Elementarschüler konnten bereits Anfang Jänner wieder in die Klassen zurückkehren.

KROATIEN: Das Adrialand verfolgt bei der Schulöffnung einen regional gestaffelten Ansatz, doch geht der Trend eher in Richtung Präsenzunterricht. So können diese Woche die Sekundärschüler in der Hauptstadt Zagreb und der Region Lika-Senj ihre Laptops zuklappen, kommende Woche öffnen die mittleren Schulen in zwei weiteren Regionen. Die meisten Volksschüler haben bereits Präsenzunterricht.

NIEDERLANDE: Mit Montag sind Kindergärten, Primarschulen und Sonderschulen wieder geöffnet. Die Mittelschulen bleiben aber noch bis zum 1. März im Fernunterricht.

RUMÄNIEN: Im sechstgrößten EU-Staat sind die Schulen diese Woche abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen geöffnet worden. Keine Öffnung gibt es in 149 der rund 3.200 Gemeinden, in weiteren 903 Gemeinden kehren nur die Vorschul- und Volksschulkinder sowie Schüler der Abschlussklassen zum Präsenzunterricht zurück.

SLOWENIEN: Nach wochenlangem Distance Learning kehren die slowenischen Volksschüler am heutigen Dienstag wieder in die Klassen zurück. Die Regierung in Ljubljana ist dafür vom ursprünglichen Konzept einer regionalen Lockerung abgekommen. Präsenzunterricht gibt es zunächst in den Vorschulen sowie den ersten drei Grundschulstufen. Bei einer weiteren Verbesserung der Infektionslage könnten bald schon die Kinder bis zur neunten Schulstufe sowie die Abschlussklassen der höheren Schulen folgen.

SLOWAKEI: Die Regierung in Bratislava hat - gegen auch öffentlich geäußerte Kritik aus den eigenen Reihen - mit Montag die Öffnung von Kindergärten, Volksschulen und Abschlussklassen ermöglicht. Allerdings wurde die Rückkehr zum Präsenzunterricht vom jeweiligen regionalen Infektionsgeschehen abhängig gemacht.

SCHLIESSUNGEN:

ITALIEN: Das am stärksten von der Pandemie betroffene europäische Land tut sich trotz drastischer Sicherheitsmaßnahmen wie Einzeltischen, Schichtbetrieb oder Maskenpflicht schwer mit der Rückkehr zum Präsenzunterricht. Schon im Oktober stellten die ersten Regionen ihre höheren Schulen wieder auf Distance Learning um, während des Lockdowns vor Weihnachten folgten dann auch die Unterstufen-Schüler. Ihre Rückkehr in die Schulen Anfang Jänner blieb oft nur von kurzer Dauer. So gilt in der Region Abruzzen seit Montag für die Sekundarschüler wieder Distance Learning, weitere Regionen dürften folgen.

LUXEMBURG: Das kleinste Benelux-Land hat den Schulbetrieb ab Montag für zwei Wochen (bis 21. Februar) auf Distance Learning umgestellt. In dem Land gibt es eine große portugiesische Community mit entsprechend engen Bindungen an den aktuellen Corona-Hotspot in er EU.

PORTUGAL: Die sozialistische Regierung in Lissabon wollte Distance Learning unbedingt vermeiden, doch die dynamische Entwicklung der Pandemie ließ ihr keine Wahl. Mit Montag hat in allen zwölf Schulstufen offiziell der Fernunterricht begonnen, begleitet von Kritik seitens der Lehrergewerkschaft, die der Regierung Versäumnisse bei der Vorbereitung vorwirft. Ministerpräsident Antonio Costa betont, dass die Homeschooling-Phase nur "von kurzer Dauer" sein wird.

SCHULEN GESCHLOSSEN

DEUTSCHLAND: Im bevölkerungsreichsten EU-Staat ist der Schulbetrieb mit den Weihnachtsferien auf Distance Learning umgestellt worden. Die Maßnahme ist zunächst bis 14. Februar befristet. Bund und Länder ringen derzeit aber über mögliche Öffnungsschritte.

GROSSBRITANNIEN: Die Schulen im Vereinigten Königreich bleiben noch mehrere Wochen lang geschlossen. In Wales und Schottland wird für 22. Februar eine Rückkehr zur Präsenzunterricht angepeilt, in England und Nordirland dürfte es frühestens am 8. März so weit sein. Seit Anfang Jänner dürfen nur Kinder von Schlüsselarbeitskräften sowie Angehörige verletzlicher Gruppen oder auch solche ohne Zugang zu einem Computer in die Schule gehen, für alle anderen gibt es Fernunterricht.

IRLAND: Nach dem spektakulären Anstieg der Coronafälle zu Weihnachten sind Anfang Jänner auch die Schulen in Irland geschlossen worden. Lediglich in den Kindergärten gibt es einen Notbetrieb. Ministerpräsident Micheal Martin hat sich aber jüngst zuversichtlich gezeigt, dass eine Rückkehr zum Präsenzunterricht in gestaffelter Form im Februar und März möglich sein wird.

LETTLAND und LITAUEN: In den beiden baltischen Ländern gibt es derzeit in allen zwölf Schulstufen Fernunterricht. Offen sind nur Kindergärten und Sonderschulen. Allerdings hat die litauische Regierung jüngst Entscheidungen über eine Rückkehr zum Präsenzunterricht in Aussicht gestellt.

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