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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/03/2020

"Liebe macht blind": Wie realistisch ist die Netflix-Dating-Show?

Eine neue Kuppel-Show wirft Liebes-Fragen auf: Braucht es ein Bild, um jemandem zu verfallen?

von Julia Pfligl

Vierzehn Jahre ist es her, dass Daniel Glattauer seinen Roman "Gut gegen Nordwind" veröffentlichte. Millionen Leser fieberten mit, wie sich zwei Fremde, die über einen Zufall in E-Mail-Kontakt gekommen waren, ineinander verliebten – ohne sich je gesehen zu haben. Romantische Fiktion, die in der Realität niemals möglich wäre.

Oder doch?

Dieser Frage geht eine neue US-Dating-Show nach, die seit einigen Wochen auf Netflix für Furore sorgt. Bei "Love Is Blind" (das fälschlicherweise mit "Liebe macht blind" statt "Liebe ist blind" übersetzt wurde) verloben sich Singles "blind", also ohne einander vorher zu Gesicht zu bekommen. Stattdessen führen sie, getrennt durch eine Wand, tagelang tiefsinnige Gespräche, die nicht durch Äußerlichkeiten verzerrt werden (dass alle Kandidaten ausnehmend attraktiv sind, sei dahingestellt). Und tatsächlich: Nach ein paar Tagen "Blindverkostung" folgen erste Liebesbekundungen, Treueschwüre, Heiratsanträge.

Die Macht der Stimme

"Liebe macht blind" soll der Generation Tinder nun einen Spiegel vorhalten – aber kann Verlieben funktionieren, ohne ein Bild des anderen zu haben? "Die Extremsituation in diesem Format schafft automatisch eine Verbundenheit zwischen den Teilnehmern und hat ein klares Ziel. Alles andere wird ausgeblendet", erklärt Psychologin Caroline Erb, die  auch für die Partnervermittlung Parship tätig ist.

Auch im "blinden" Gespräch spielen Faktoren eine Rolle, die ein Gefühl von Verliebtheit auslösen können. "Wir wissen, dass für die meisten Singles ein ähnliches Wertesystem, ähnliche Einstellungen, Humor, Intellekt oder gemeinsame Interessen sehr wichtig sind", sagt Erb. "Die Stimme des Gegenübers ist vor allem Frauen wichtig, genauso wie Umgangsformen und Höflichkeit." Laut einer Studie des Hörbuch-Anbieters Audible sind 40 Prozent der Frauen überzeugt, dass man sich in jemanden aufgrund seiner Stimme verlieben kann – so wie im Film "Her", in dem ein schüchterner Nerd der Stimme seines Smartphone-Betriebssystems verfällt. Auch die Dating-App Whispar basiert auf dem Stimme-statt-Foto-Prinzip.

Gefährliches Wunschdenken

"Ich würde am Anfang vielleicht noch nicht von ‚Verlieben‘ sprechen", so die Psychologin. "Ich kann mich von der Stimme, der Art zu lachen und mir Fragen zu stellen, Interesse zu bekunden oder von der Klugheit angezogen fühlen. Dem Puzzle fehlen allerdings noch ein paar Teile."

Auch, wenn die Schmetterlinge beim Telefonieren oder Chatten hoch fliegen – beim ersten Treffen könnten sie schnell abstürzen, weiß Erb. "Um die Chemie der Liebe kommt man nicht herum. Daher rate ich auch bei der Online-Partnersuche, schnell ein Treffen zu vereinbaren."

Die Kandidaten von "Liebe macht blind" sahen einander erstmals als Verlobte. Vier Wochen später war die Hochzeit angesetzt. Achtung, Spoiler: In zwei Fällen endete das  Experiment extrem erfolgreich. Das könnte man beim nächsten Mal Tindern zumindest im Hinterkopf behalten.

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