© Brigitte Winkler

freizeit Leben, Liebe & Sex
11/21/2020

Joop, das Wunderkind

Sein ganzes Leben nur einer Modelinie zu widmen, ist ihm zu langweilig. Wolfgang Joop sorgt immer wieder für Überraschungen. Finanziell hat er schon lange ausgesorgt.

von Brigitte R. Winkler

Normalerweise machen sich Modeschöpferinnen und Modeschöpfer zunächst einen Namen mit ihren Kreationen. Das dauert einige Jahre. Dann bringen sie ein Parfüm unter diesem Namen auf den Markt und beginnen damit meist erstmals ordentlich Geld zu verdienen. Bei Wolfgang Joop war das anders. Zunächst verdiente er sich sein Geld als Restaurator, Maler und Moderedakteur, ehe er 1979 in New York eine Pelzkollektion präsentierte. Drei Jahre später probierte er es mit Damenmode, dann mit einer ersten Herrenkollektion. 1986 beschloss er schließlich ein eigenes Modelabel aufzubauen und nannte es Joop mit Rufzeichen: Joop!

Dabei half ihm als Geschäftsführer ein gewisser Herbert Frommen, der als Manager für die Kosmetikfirma Lancaster bereits tolle Umsatzerfolge erreicht hatte. Zum Beispiel mit einem Parfüm für Jil Sander. Also brachten Joop und Frommen bereits nach einem Jahr den Duft „Joop! Femme“ auf den Markt. Das Eau de Toilette erobert den Markt vor der Mode und zwei weitere Parfüms – Joop! Le Bain und Joop! Homme kommen 1988 dazu – machen es Joop möglich, sich als Lifestyle-Marke zu etablieren.

Ausstieg als neuer Anfang

Unter seinem Namen gab es bald auch Schuhe, Schmuck, Brillen, Jeans, Heimtextilien, Haushaltswaren und viele weitere Produkte, hergestellt von Lizenznehmern. Joop ging es darum, das Publikum mit einem Gesamtbild ansprechen zu können. Es sollte möglich sein, sich von Kopf bis Fuß, von Brille bis Socken, in Joop! zu kleiden und sich zu Hause in Joop! wohl zu fühlen. Doch dann kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen den Partnern und 1998 verkauft Joop 95 Prozent seiner Firmenanteile um umgerechnet rund 80 Millionen Euro. Bis 2001 bleibt er noch als Chefdesigner bei Joop! dabei. Dann verlässt er das Unternehmen endgültig.

Doch ohne Mode geht es offenbar nicht. Bereits 2003 gründet Joop gemeinsam mit seinem Partner Edwin Lemberg eine neue Marke und nennt sie Wunderkind. Mit der ersten Kollektion geht er selbstbewusst erst einmal nach New York. Wagt sich ein paar Saisonen später nach Paris, um sich mit den besten Modeschöpfern der Welt zu messen. Er besteht die Mutprobe. Wird von den Medien zum Beispiel für seine kunstvolle Mischung aus Tierfoto-Drucken und Ausschnitten aus den farbenfrohen abstrakten Gemälden von Sonja Delaunay gelobt und gefeiert. Zu den Höhepunkten gesellen sich immer wieder (finanzielle) Tiefpunkte. Es kommt zu Problemen mit Beteiligten. Daraufhin verkauft Joop 2017 auch sein Wunderkind.

Preisgekrönt

Wieder zwei Jahre später gibt’s gleich zwei neue Initiativen. Joop geht eine Kooperation mit dem deutschen Hemden-Spezialisten Van Laack ein. Im Jänner 2020 zeigte er seine eigene neue Mode erstmals bei der Berliner Fashion Week: „Looks by Wolfgang Joop“. Vor seiner Präsentation, mit der die Berlin Fashion Week endete, fand im KaDeWe die Show „Van Laack Meisterwerk-Kollektion by Wolfgang Joop“ statt. Während man bei den Van- Laack-Outfits immer wieder auch an Wunderkind erinnert wird, setzt er bei „Looks“ auf Coolness, Eco, Reduse und Recycle, topaktuelle Schlagworte, um damit vor allem die Jugend zu erobern. Joop will seine Mode nicht mehr nur auf dem Laufsteg, sondern auch auf den Straßen sehen.

Seine letzte Co-Produktivität, die sicher wieder nicht die letzte sein wird: Im Februar brachte Diskonter Hofer die kuschelige Hometextil-Serie „Casa Deco designed by Wolfgang Joop“ auf den Markt.

Auch zahlreiche Preise hat das Multitalent bereits eingeheimst. Den ersten davon in Wien. Diva-Gründer Alexander Geringer und Desirée Treichl-Stürgkh verliehen ihm 1990 bei ihrer Gala in der Börse die erste Diva-Trophäe. Vor zwei Jahren holte er sich im Palais Schönburg, den Vienna Award als „Style Icon“ ab. Bereits 2012 bekam er den Ehrenpreis der Bundesrepublik Deutschland in der Kategorie „Lebenswerk“. Am 18. November wurde das vielseitige Wunderkind 76 Jahre alt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.