Howard Carpendale: „Bin kein alter, weiser Mann"

Howard Carpendale: „Bin kein alter, weiser Mann"
Als Musiker musste er erfolglose Phasen durchmachen. Privat stand er seiner Frau im Kampf gegen den Alkohol bei. Im Interview spricht er über seinen nahenden 75. Geburtstag, Authentizität und sein neues Album.

Ein Klassiker hat Lust auf Klassisches. Als Schlagerstar hat Howard Carpendale alles erreicht. Doch seine Lieder neu zu interpretieren und vom berühmten Royal Philharmonic Orchestra begleiten zu lassen – das war ein Herzenswunsch für den ewig blonden Sänger mit dem charmanten Akzent. Weil das beim ersten Mal ein Riesenerfolg war, folgt jetzt „Symphonie meines Lebens 2“. Ein facettenreiches Leben führte der Südafrikaner auf jeden Fall. Begonnen hatte Carpendale einst als Elvis-Imitator. Privat machte er mit seiner Partnerin und ihrem Kampf gegen den Alkohol schwere Zeiten durch. 2003 beendete er schließlich seine Karriere – und startete vier Jahre später doch ein Comeback. Im Jänner kommenden Jahres feiert „Howie“ seinen 75. Geburtstag. Gute Gelegenheit für ein Interview.

freizeit: Herr Carpendale, zum zweiten Mal interpretieren Sie Ihre Lieder neu und mit klassischer Begleitung. Eine Art Zugabe, bevor Sie das Mikro für immer zur Seite legen?

Howard Carpendale: Im Gegenteil. Ich habe überhaupt nicht vor, aufzuhören. Sicher: Ich fühle mich schon ein bisschen so, als befinde ich mich in der Zugabe meines Lebens. Aber die Musik macht mir sehr viel Freude. Ich spüre keinen Druck, ich mache die Dinge, die ich machen will. Was mir in meiner ganzen Karriere bis heute immer sehr wichtig war, ist Authentizität. Und ich freue mich, dass die Leute das so gerne sehen.

Kein Druck, ganz bei sich: Sie wirken meistens so, als würden Sie beständig in sich ruhen.

Ich freue mich, dass Sie das sagen. Authentizität ist mein Ziel. Moden kommen und gehen. Für mich ist Singen eine Leidenschaft. Natürlich verdient man damit auch Geld. Aber ob man’s glaubt oder nicht, das war nie meine Motivation. Meine Motivation ist, mit der Musik, die ich mache, eine authentische Figur darzustellen. Und wenn das auch noch gut ankommt – umso schöner.

Es muss auch diese Authentizität gewesen sein, die Ihnen 2007 zum Comeback verholfen hat. Und bis heute zu anhaltendem Erfolg.

Ich musste lange genug Titel singen, die mir von den Plattenfirmen vorgelegt wurden. Das war Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre. Aber irgendwann habe ich gesagt, nein, es ist genug. Ich übernehme das jetzt selber. Und habe begonnen, meine Lieder selbst zu komponieren. Seitdem habe ich das Gefühl, recht wenig Dinge gemacht zu haben, die vielleicht nicht so echt und glaubwürdig sind, wie ich wollte.

Fühlen Sie sich jetzt freier als früher?

Ja, aber nicht erst seit Kurzem. Das Gefühl begleitet mich schon seit meinem Comeback. Ich habe mir damals geschworen, mich nicht länger an Themen und Liedern abzuarbeiten, die in erster Linie produziert werden, um mit ihnen ein Geschäft zu machen. Ich wollte Lieder singen, deren Ansichten ich voll vertreten kann. Und nicht dauernd über Geld reden.

Sie fühlten sich ausgebeutet?

Ich sag’ noch einmal: Singen ist ein Geschäft. Und es gibt Menschen, die damit Geld verdienen. Aber ich glaube, in dem Moment, in dem einem ausschließlich Geld als Motivation dient, wird man nicht unbedingt viel Erfolg haben.

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