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freizeit Leben, Liebe & Sex
01/28/2021

Himmlische Lust: Der Sex und die Sternzeichen

Wenn man auf galaktischen Sex mit Schützen hofft oder auf abgründige Fesselspiele mit Skorpionen. Aber was, wenn alles anders kommt?

von Gabriele Kuhn

Es scheint ewig her, dass fünf Frauen und eine Katze in der Wohnung von S saßen und Smoothies tranken. Man hatte sich zusammengetan, um die akute Lage von Freundin L, 47, zu besprechen, bei der sich nach ihrer Scheidung vor zwei Jahren erstmals wieder eine Affäre mit einem „Neuen“ anbahnte. Sehr heikel. Umso dramatischer wirkte dann auch das Pfuh! von M, der Hobbyastrologin in unserer Runde. Es zerstörte die Vorfreude aller, die gerade begannen, ihre Smoothies mit Gin geschmacklich aufzubessern (es war schon nach 18 Uhr). Alle wurden still – und L nervös.

„Präziser, bitte!“, forderte sie und ich erinnere mich, dass wir auf den Tisch starrten. Auf dem lag das „Radix“ des Lustsubjekts, die Hobbyastrologin hatte es soeben indigniert weggelegt. „Mars-Mond-Konjunktion im Skorpion, ich sag’s nur!“, raunte sie, sowie: „Galaktischer Sex, leidenschaftliche Orgasmen, aber kein Mann, der lange treu sein kann. Besser, du lässt es gleich.“

Ich weiß jetzt nicht mehr, wie die Liaison mit dem Mond-Mars-Männchen ausgegangen ist (außer, dass L eine Zeit lang viel Spaß mit dem Typen hatte, weil sie es nicht lassen konnte), doch ich entsinne mich der Diskussion, die folgte. Von nun an ging es nur mehr darum, wann wer was mit welchem Sternzeichen hatte und wie gut das Vögeln mit „Stier, Aszendent Dauerständer“ war. Da fielen Sätze wie „Löwen – faul, aber fast schon mühsam geil!“ oder „Fische – abgründig, und doch irgendwie fad!“ sowie: „Schützen – wollen immer, kommen zu schnell!“

Wobei es irgendwann auch hieß, wie elementar die Häuserpositionen von Mars, im Sinne der sexuellen Energie und des Mondes (die Gefüüühle!) seien, um ungefähr abschätzen zu können, mit welchen Kräften man sich da jetzt auseinandersetzen müsse. Drei Smoothies später waren sich einige einig, dass es unabdingbar sei, vor einem ersten Date, oder aber zumindest vor dem zweiten, die genauen Geburtsdaten abzufragen, inkl. Geburtsort, weil: Horoskop-Check im Sinne der Prävention.

Von nun an ging es nur mehr darum, wann wer was mit welchem Sternzeichen hatte und wie gut das Vögeln mit „Stier, Aszendent Dauerständer“ war.

Da war ich ein bisserl fassungslos, weil ich Astrologie zwar spannend finde, aber es nicht leiden kann, wenn Menschen in Schubladen gesteckt werden, obwohl man sie noch gar nicht kennt. Zumal mir schon der eine oder andere nicht fade Fisch untergekommen ist. Jemanden als „Sex-Gott“ oder „Sensibel, braucht Streicheleinheiten-Typ“ zu kategorisieren, nur weil da was im Quadrat zum Penis oder in Konjunktion mit den Brusthaaren im Zwilling steht: nein. Trotzdem werden wir mittels „Sex- und Liebeshoroskopen“ dazu verleitet, so zu denken, und wenn es nur ein bisserl ist. Dann heißt’s, Steinbock-Frauen kennen keine Tabus, lassen sich aber gerne ein bisserl fesseln, Löwe-Männer kommen brüllend, Widder rammeln oder Skorpion-Damen treiben es bevorzugt in der Reiter-Stellung.

Absurd? Leider nein: Alles schon irgendwo gelesen und sehr gewundert. Denn in Wirklichkeit definieren sich die Sexualität und die Lust aller Menschen durch so viel mehr – durch das individuelle Skript, die Biografie und Lebenserfahrung also, oder das aktuelle Befinden. Denn wenn der Stress-Knödel in Opposition zur Libido steht, hilft auch die allerärgste Mond-Mars-Venus-Ballung im leidenschaftlichen Skorpion genau nix.

Was bleibt? Zum Beispiel die Idee eines Sich-Einlassens. Auf den Menschen, der da ist, auf das, was kommt oder eben nicht. Danach kann man sich immer noch dezent nach den Geburtsdaten erkundigen (oder eben nicht) und auf den nächsten Vollmond-Sex warten. Der soll angeblich galaktisch-ultimativ sein. Apropos: Am 28. Jänner ist es wieder so weit, es auszuprobieren schadet ja nicht.

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