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09/12/2021

Falträder im Alltagstest: Welches Bike passt?

Wir testen regelmäßig Fahrräder, die besonders gefragt sind. Dieses Mal haben wir drei außergewöhnliche Falträder durch Stadt und Land bewegt.

von Uwe Mauch, Katharina Salzer, Daniel Voglhuber

In Wien und allen anderen österreichischen Städten hat es – wie üblich – etwas länger gedauert als etwa in London oder Berlin. Doch in der Pandemie ist es nun auch hier angekommen: das Hightech-Faltrad.

Seine Vorteile konnten viele überzeugen: Wird es zusammengeklappt, kann es unter jedem Schreibtisch, in jedem Kofferraum eines Kleinwagens und vor allem als Gepäckstück in der Bahn kostenlos und unkompliziert verräumt werden. Wird es auseinandergeklappt, fährt es sich im Bestfall besser als sein meist kinderradähnliches Aussehen vermuten lässt.

Drei Jahrzehnte lang war das Brompton von Andrew Ritchie weltweit die Nr. 1, das Göttliche unter allen Falträdern. Seinen Namen verdankt Ritchies Baby der Brompton Church mitten in London. In einem Haus gegenüber hat es der Visionär mit Bleistift und Radierer zur Welt gebracht.

Noch immer sind das Klappsystem und auch das Packmaß „vom Brompton“ so gut wie unerreicht. Doch im Windschatten einer genialen Erfindung (für die letzte Meile der Pendler ebenso wie für die große Gruppe der cruisenden Freizeitradler) haben sich eine Reihe von Mitbewerbern angeschlichen.

Gerne hätten wir auch das neue E-Faltbike von KTM einer praktischen Prüfung unterzogen. Doch leider wurde das für Herbst angekündigte Modell in Mattighofen nicht fertig.

Egal. Die drei Falträder dieses Tests zählen zum Besten, was aktuell geboten wird: Lang haben die Fans auf das erste E-Brompton gewartet. Im KURIER-Test ging es an den Start. Ebenso wie die ewige Nr. 2, das Birdy der deutschen Manufaktur Riese & Müller (manche sagen: zu Unrecht Nr. 2) und ein Lokalmatador aus Wien, das Vello.

Dieser Test kennt keinen Sieger, weil die Räder nicht direkt vergleichbar sind.

Das Brompton Electric: Klassiker soll elektrisieren

Getestet von Daniel Voglhuber

Ehrfürchtig steht der Kollege und Faltrad-Connaisseur da und sagt: „Das ist  sehr schön. Einfach Brompton. Und mit E-Antrieb.“ (Da hatte er noch nicht sein VELLO, siehe Test unten.)

Aha. Das türkise Ding soll also der Ferrari unter den Falträdern sein? Dass sich bei einem E- und Faltradskeptiker nicht sofort Euphorie einstellt, ist  keine Überraschung, aber schadet fürs Testen  nicht. Der Klassiker  bekommt keine Vorschusslorbeeren.

Das Rad ist mit Anweisung eines Experten  schnell zusammengebaut. Und auch wieder eingeklappt. Selbst ein nicht mit handwerklichen Fähigkeiten gesegneter Mensch kommt gut zurecht.  Dass es andere mit anderen Rädern nicht so einfach haben, sorgt für Ärger – bei den anderen (siehe Test Birdy).  Schwieriger wird es mit dem E-Motor. Ein riesiger abnehmbarer  Akku-Block muss vor dem Lenker montiert werden. Die Lichter blinken. Und der Motor macht beim Reintreten ... nix. Auch der Faltrad-Aficionado kann nicht helfen.

Egal, das schwere Rad muss bewegt werden. Das kann was werden. Aber an der Schaltung herumprobiert und das Ding fährt. Und wie. Die Anfahrtsgeschwindigkeit ist  toll. Das Bergauf- und Gegen-den-Wind-Fahren  auch. Das muss  ein E-Bike-Gegner eingestehen.

Nur – ab wann sich der Motor beim Treten  zuschaltet, bleibt  ein Rätsel. Manchmal kommt die Unterstützung gleich, manchmal später. Rund 30 Kilometer hält der Akku bei Maximalbeanspruchung. Für Vielfahrer kann das oftmalige Aufladen nervig sein.  Kopfsteinpflaster mag der Akku auch nicht, er fällt  aus. Da will das Unternehmen  nachschärfen. 

Brompton Electric M2L: 3.320 €. brompton.com

Birdy touring: Höhenflüge überland

Getestet von Katharina Salzer

Eines vorweg: Die Autorin ist im Alltag eine Rad-, aber keine Faltradfahrerin.  Und daher stellt sich zunächst eine zentrale Frage: Kann man mit dem  Birdy touring – trotz der kleinen Räder –  den 11 Kilometer langen Arbeitsweg und die Freizeitfahrten genießen?

Die Antwort ist eindeutig: Ja.

Zehn Gänge machen einem das Leben leichter. Die Scheibenbremsen sind super und die gefederten Flügelgriffe am Lenker sehr angenehm.  Die Handgelenke knicken nicht ab. Auf den ersten Metern gewöhnungsbedürftig: Das Vehikel der deutschen Firma Riese & Müller ist sehr kippelig, aber das hat man schnell heraußen. Toll ist die Rahmenfarbe des Testrads, wenn es sich  in den Auslagen spiegelt, aber das nur am Rande.

Kommen wir zur zweiten zentralen Frage bei einem Faltrad: Lässt es sich unkompliziert zusammenfalten?

Die Antwort ist: Nein, vor allem nicht am Beginn der Faltradfahrerin-Karriere.

Im Geschäftsraum der Cooperative Fahrrad sieht das alles noch einfach aus.  Geworben wird damit, dass sich kein anderes Faltrad der Welt so rasch zusammenlegen lässt wie das Birdy. Der Weltrekord liegt bei 4,9 Sekunden. Ha.  Beim ersten Mal sind es gefühlt 20 Minuten, mit einigen Anläufen (und Wutanfällen).  Sehr zur Belustigung des Brompton-Fahrers (siehe oben).

Wenn man das System einmal verstanden hat, wird es leichter. Ein Rat: Falten Sie das Rad mit einer wissenden Person gemeinsam zusammen. Zur Not gibt’s Onlinevideos.

Ins Auto passt das Radl aber dann wunderbar. Und spätestens bei der gut gefederten Fahrt auf einem Schotterweg im Burgenland  ist man versöhnt und genießt die Tour. 

Birdy touring: ab 2.550 Euro. www.r-m.de

VELLO: Die Cross-Maschine aus Wien

Getestet von Uwe Mauch

Ich habe ihm (und mir) drei Tage lang nix geschenkt. Nicht auf den Schotterwegen der Stopfenreuther Au und der Parndorfer Platte, nicht beim Passieren des Geschriebensteins, nicht beim Zeitfahren zwischen Spielfeld und Maribor (um den letzten Zug des Tages zu erreichen).

Absolut positiv: Drei Tage lang verhält sich das brandneue VELLO Gravel nicht wie ein zitterndes Falt-, sondern fast wie ein großes Fahrrad. Die zehn Gänge, der sportliche Lenker, der nicht nur optisch äußerst ansprechende Rahmen und nicht zuletzt die auf Asphalt laut schmatzenden Gravel-Reifen von Schwalbe sind wahre Wohltaten on tour. Bergauf wie bergab, im Gelände, auch bei Gegenwind.

Damit nicht genug: Im Zug wird dieses Rad – Überraschung! – fast so klein wie das von seinem Packmaß unschlagbare Brompton (siehe Bericht ganz oben) und damit auch zum Gepäckstück, das gratis befördert wird.

Klar schwingt beim Tester ein bisserl Wien-Stolz mit: Das VELLO wird von Valentin Vodev und seinem Team in Reinprechtsdorf weiterentwickelt und in Mariahilf zusammengebaut.

Apropos, mit einem Blick auf den wohlfeilen Preis  kann man Vodev und Co. ein Jammern auf hohem Niveau hier nicht ersparen: Hydraulische statt der mechanischen Scheibenbremsen wären fein. Als Unruhefaktor und als zu klein (durch den Rennlenker) erweist sich die Lenkertasche, die wie beim Brompton am Rahmen befestigt werden kann. Bei grober Belastung beginnen auch die  Rohre aus Stahl ein bisserl ein Eigenleben.

Und doch: Diese Maschine ist mehr als ein Rad für die letzte Meile.

VELLO Gravel: 2.290 Euro. www.vello.at

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