© EPA/FRIEDEMANN VOGEL

freizeit Leben, Liebe & Sex
02/10/2021

Die Corona-Krise wird zum Turbo für die Schulreform

Eine Umfrage zeigt, welche Lehren Schüler, Eltern und Pädagogen aus dem Homeschooling ziehen.

von Ute Brühl

Vom einen auf den anderen Tag waren die Schulen geschlossen. Zeit, sich auf das digitale Unterrichten vorzubereiten, blieb da wenig. Die gute Botschaft: Die Umstellung funktionierte an vielen Schulen ganz passabel, wie eine aktuelle Umfrage unter Lehrkräften, Schülern und Eltern zeigt (siehe Grafiken). Gleichzeitig sehen die meisten Befragten noch vieles, das besser laufen könnte.

In Auftrag gegeben hatte die Studie die Innovationsstiftung für Bildung, deren Ziel es ist, die Qualität des Schulsystems zu verbessern. Für das Bildungssystem ist diese Krise eine riesige Chance: 60 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass durch den Lockdown überfällige Reformen angestoßen wurden – vor allem im Bereich der Digitalisierung. So wird zum Beispiel die Software heute wesentlich besser und effizienter eingesetzt als noch 2018 – das finden vor allem die Schülerinnen und Schüler so.

Vielen, die jeden Tag im Klassenzimmer sitzen, wurde wohl jetzt erst so richtig bewusst, wie sehr man moderne Lehrmittel nutzen könnte, um auf jedes einzelne Kind besser einzugehen. Das haben zwar viele erkannt, doch an der Umsetzung hapert es – auch das zeigt die Umfrage. Vielleicht überraschend: Zwei Drittel der Pädagoginnen und Pädagogen sehen hier großes Potenzial, während es bei den Jugendlichen nur knapp 40 Prozent sind. Wesentlich verbessert hat sich auch die Kommunikation zwischen den Schulpartnern - digitalen Plattformen sei Dank.

Lehrer auf die Schulbank

Fragt man, was denn zu tun wäre, dass aus der Theorie Praxis wird, dann bekommt man unterschiedliche Antworten. Während für die Lehrer Hemmnis Nummer eins die nicht vorhandene Ausstattung mit Hardware ist, sehen Eltern und Schüler vor allem die Lehrkräfte in der Pflicht: Sie müssten besser darin ausgebildet werden, wie sie digitale Tools im Unterricht einsetzen.

Viel fürs Leben gelernt haben im vergangenen Jahr vor allem die Schüler: Die meisten können sich jetzt besser selbst organisieren und selbstständiger arbeiten – das hat nicht jeden gefreut, denn es kann sie nicht darüber hinwegtrösten, dass sie ihre Freunde in den Klassen nicht mehr sehen: 80 Prozent fürchten, dass durch das Alleinsein soziale Kompetenzen verloren gehen. Gleichzeitig machen sie sich Sorgen um diejenigen Mitschüler, deren Eltern nicht beim Lernen helfen können.

Jakob Calice, Vorstand der Bildungsinnovationsstiftung, hofft, dass diese Krise langfristig ein Turbo für Reformen im Schulsystem ist, immerhin wollen zwei Drittel der Befragten digitale Lernmittel auch dann im Unterricht verwenden, wenn eines Tages wieder jeder in die Klasse kann, ohne auf Abstands- und Hygieneregeln achten zu müssen. Und jeder Zweite kann sich sogar vorstellen, dass Elemente des Homeschoolings Teil des Schulalltags werden.

Digitale Skepsis

Besorgniserregend sei, so Calice, dass ein Viertel der Befragten digitales Lernen skeptisch sieht. Oft heiße da die Devise: „Sollen die Kinder doch vor allem Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.“ Dieser Skepsis zu begegnen sie eine gesellschaftspolitische Aufgabe, meint Calice. Aber ohne gute Ideen, gut ausgebildete Lehrkräfte und digitales Lernmaterial, mit dem die Kinder auch gut und gerne arbeiten, geht es natürlich nicht. Die Stiftung bietet den Schulen bei der Digitalisierung Hilfestellung: Zum einen durch den Staatspreis für innovative Schulen, der mit insgesamt 100.000 Euro dotiert ist, zum anderen durch eine Qualitätssicherung von Lern-Apps. Zudem soll das Programm „Schule lernt aus Krisenzeiten“ im Frühjahr neu aufgelegt werden. Standorte, die die Corona- Herausforderungen aktiv angehen, erhalten hier einige Zuschüsse.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.