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Porträt
04/16/2020

Der Sport wirkte auch nach dem Mord an ihrer Schwester

Bewegung. Nach dem Schicksal ihrer jüngeren Schwester fand eine Tirolerin wieder Sinn im Leben.

von Uwe Mauch

Wenn Katrin Biber langsam ihre Knie beugt, spürt sie ein leicht schmerzhaftes Brennen in ihren Oberschenkeln. Doch sieht sie in dieser körperlichen Mini-Krise auch eine Chance: „Wenn ich mich aus eigener Kraft wieder aufrichten kann, kommt bei mir sofort Freude auf.“ Dieses gute Gefühl kann sie im Idealfall auch mit einem Lächeln ausdrücken.

Die zuvor wenig geliebte Kniebeuge als ein Symbol der Auferstehung: „Das ist mir neun Monate nach dem Tod meiner Schwester zum ersten Mal klar geworden“, erzählt die 34-jährige Tirolerin kurz nach Erscheinen ihres Buchs „Larissas Vermächtnis“.

Schmerzlicher Verlust

Der „Fall Larissa“ ging durch die Medien, liegt jetzt sieben Jahre zurück: Larissa Biber wurde in Innsbruck von ihrem Freund ermordet, der die Tat verheimlichen wollte.

Katrin Biber beschreibt in ihrem Buch minutiös die Perspektive der Angehörigen: den anfänglichen Schock, die Suche nach der vermissten Schwester, Panik, Sorge, Wut, die Hoffnung, die angeblich zuletzt stirbt, die allmähliche Gewissheit und dann auch die Tage, Wochen, Monate zwischen Trauer und Taumel nach der Todesmeldung und dem endgültigen Schuldeingeständnis des Mörders.

„Beim Weg zurück ins Leben hat mir der Sport sehr geholfen“, sagt die Älteste von vier Schwestern. „Der Sport hat mich aufgefangen. Er hat mir Mut und ein Freiheitsgefühl geschenkt. Wenn ich mich bewege, darf ich so sein, wie ich bin, ohne mich zusammenreißen zu müssen.“

Vom Wiedererlangen des Vertrauens in ihr Leben und ihren Körper berichten auch die Menschen, die sich mit ihrer Trauer an Katrin Biber wenden, um sich auf die von ihr entwickelte Methode „SeelenSport“ einzulassen.

Dabei handelt es sich auf den ersten Blick um Altbewährtes: Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, die an Kickboxen, Pilates, Yoga, Calisthenics sowie an klassisches Krafttraining erinnern.

Körper und Geist

Das Besondere sei der Ablauf des Trainings, so Biber: „Bevor wir in die Übung gehen, lese ich eine von mir verfasste positive Geschichte vor, damit wir mit unseren Gefühlen verbunden sind und somit eine Veränderung im Alltag erzielen können.“ Einige Bewegungen sind auch mit Schreibübungen verbunden.

Für Menschen, die gerne Sport betreiben, scheint diese Form der Trauerarbeit wie geschaffen zu sein. Die SeelenSportlerin berichtet von viel positivem Feedback: „Die Leute berichten, dass sie sich in ihrer Gefühlswelt richtig und gut fühlen. Sie können ihren Emotionen Ausdruck verleihen, dürfen weinen und lachen, was befreiend wirkt.“

Aus eigener Erfahrung weiß sie: „Man spürt seinen Körper wieder, der sich zuvor taub angefühlt hat, weil man etwas verloren hat. Man fühlt sich fitter und körperlich gestärkt. Und man bekommt das Gefühl, doch noch was im Leben schaffen zu können.“

Mit „mehreren Hundert“ Menschen hat Katrin Biber bis zum Beginn der Coronakrise persönlich trainiert. Ihr Blog verzeichnet zeitgleich mehr als 150.000 Zugriffe. 13 Interessierte, Physio- ebenso wie Psychotherapeuten, hat sie bereits ausgebildet.

Dankbar und stolz

Den Verlust ihrer geliebten Schwester, zu der sie eine sehr enge Beziehung pflegte, hat Kathrin Biber monatelang nur schwer verkraften können. Heute steht sie wieder mit beiden Beinen im Leben. Vermächtnis steht nicht nur auf dem Buchcover: „Larissa spielt weiterhin eine Mega-Rolle in meinem Leben. Ohne sie hätte ich das alles, was ich heute bin und was ich tue, niemals geschafft.“

Nicht nur in ihrem Beruf könne sie besser mit ihren Gefühlen umgehen: „Ich bin heute mutiger, kann meinen eigenen Weg gehen und mich für mich selbst einsetzen.“

Larissa sei mehr die Lebenslustige gewesen, die an das Gute geglaubt und keine Angst vor der Zukunft gehabt hat, sie selbst war mehr die Zweiflerin. Daher ist es für sie so gut wie fix, dass ihre Schwester heute stolz auf sie wäre: „Sie hat mich bis zu ihrem Tod immer ermutigt, mich mit Menschen draußen in der Natur zu bewegen und auch ein Buch zu schreiben.“

"SeelenSport"

Das Angebot: Katrin Biber bietet schon seit  September 2017 Trauernden nach Verlust eines Angehörigen, nach Scheidung, Kündigung oder auch Gewalterfahrungen eine neue Form der Betreuung an. „SeelenSport“ ist ein von ihr entwickelter, gut getimter Mix aus sportlicher Betätigung und geistiger Auseinandersetzung.
In ihrem Blog geht die Autorin und Trainerin derzeit auch auf aktuelle Bedrohungen ausgelöst
durch die Coronakrise ein.
https://www.seelensport.at/
https://www.katrin-biber.com/

Das Buch: Katrin Biber: Larissas Vermächtnis. Der schreckliche Mord an meiner Schwester und mein Weg zurück ins Leben.
Im Münchener Piperverlag jüngst erschienen, 10,30 Euro.

Die Präsentation: Die Autorin las am Montag aus ihrem Buch. Ihre Lesung kann auf der Facebook-Seite des Verlags nachgehört werden: www.facebook.com/piper.verlag

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