Bereits in der Vergangenheit konnte ein Zusammenhang zwischen dem Rückzug in die eigenen vier Wände und mehr Geburten neun Monate später festgestellt werden

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freizeit Leben, Liebe & Sex
04/17/2020

Coronials: Gibt es nach der Quarantäne einen Babyboom?

Es gibt Indizien, dass sich die häusliche Isolation positiv auf die Geburtenrate auswirken wird.

von Elisabeth Mittendorfer

Wie steigende Bestellungen von Sextoys (der KURIER berichtete) vermuten lassen, kommen sich Paare während der Ausgangsbeschränkungen nicht nur räumlich, sondern auch körperlich näher. Im Netz kursiert bereits ein Name für den Nachwuchs, der in der sozialen Isolation gezeugt wird: Coronials oder Quaranteens.

Dass uns zu Weihnachten eine brüllende Bescherung erwartet, hält auch Michael Feichtinger, Leiter des Wunschbaby Instituts Feichtinger, für realistisch, gibt aber zu bedenken: „Auch wenn die sozialen Isolationsmaßnahmen einen Effekt auf die Geburtenrate nahelegen, ist ein wissenschaftlicher Nachweis schwierig.“ Allerdings konnte in der Vergangenheit in Studien zu Stromausfällen oder Hurrikan-Warnungen in den USA ein Zusammenhang zwischen dem Rückzug in die eigenen vier Wände und einer steigenden Geburtenrate neun Monate später festgestellt werden.

Beziehung in Krise

Berichte über Kondom-Hamsterkäufe sprechen gegen einen Babyboom. Generell wirkt sich die Quarantäne nicht bei allen Paaren positiv auf die Beziehung aus. In China, wo die Zeichen derzeit auf Entspannung stehen, steigen nach den Ausgangssperren die Scheidungszahlen.

„In welche Richtung sich die Ausgangsbeschränkungen auf die Geburtenrate auswirken, ist letztlich auch von der Ausprägung der Erkrankungswelle abhängig“, sagt Feichtinger. Bei gehäuften schwerwiegenden Verläufen werde aus Angst eher darauf geachtet werden, Schwangerschaften zu verhindern. Nicht nur die Angst vor einer Erkrankung könnte zu weniger Geburten führen, sondern auch generelle Existenzängste oder die Angst vor einem Jobverlust. „Das ist für Familiengründungen nicht förderlich“, erklärt Feichtinger.

Dass Menschen die Erweiterung ihrer Familien während Rezessionen verschieben, sei in der Forschung gut dokumentiert. Die Zahl der Befruchtungen würde sogar schon Monate vor einer Rezession abnehmen – als würden die Menschen die kommende Krise vorausahnen. Feichtinger bestätigt das: „Es wird davon ausgegangen, dass dieser Rückgang als gültiger Frühindikator für eine Krise herangezogen werden kann.“ Dass das auch bei der Corona-Krise der Fall sein könnte, glaubt der Arzt nicht. „Es kann durchaus sein, dass die Geburtenrate kurzfristig sinkt“, so Feichtinger.

Auch in den Kinderwunschkliniken würden sich derzeit weniger Paare melden. „Wenn die Leute ihre Angst vor der Situation überwunden haben und Normalität einkehrt, erwarte ich einen signifikanten Zuwachs der Geburtenrate in Österreich.“ Wichtig sei, Zuversicht zu bewahren. „Kinder sind und bleiben unsere Zukunft“, sagt Feichtinger.

„Bis jetzt  ist wenig bekannt darüber, wie Menschen ihre Liebesbeziehungen  in der Corona-Krise leben“, sagt Barbara Rothmüller von der  Sigmund Freud Universität in Wien. „Die Prognosen  reichen von neuen Solidaritätsgefühlen, einem Babyboom bis zu Cybersex und einem Anstieg des Pornografiekonsums.“

Um der Sache auf den Grund zu gehen, hat Rothmüller in Kooperation mit dem  Kinsey Institute der Indiana University (USA) eine groß angelegte Studie unter dem Namen „Liebe, Intimität und Sexualität in Zeiten von Corona“ gestartet. Befragt werden Erwachsene in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Rothmüller rechnet damit, im Mai erste Ergebnisse präsentieren zu können. An der Online-Befragung kann sich jeder, unabhängig vom Beziehungsstatus, beteiligen:  onlinebefragungen.sfu.ac.at/coronabeziehungen (jup)

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