© Doc RaBe - Fotolia/Doc Rabe/Fotolia

freizeit Leben, Liebe & Sex
03/27/2021

Wie man am besten per Telefon mit Oma und Opa kommuniziert

Kontaktpflege in Zeiten der Pandemie: Sprechtrainerin Ingrid Amon gibt Tipps, wie das Gehirn auch ohne persönliche Besuche angeregt wird.

von Ingrid Teufl

Wie kümmert man sich am besten um ältere, allein lebende Angehörige, wenn man sie nicht besuchen darf? Man ruft halt regelmäßig an, werden Sie nun antworten. Stimmt. Dabei aus seinem eigenen, belebten Alltag zu erzählen, um Oma, Tante oder Großonkel aufzuheitern ist zwar gut gemeint.

Das sollte aber nicht der ausschließliche Kommunikationsweg mit den Senioren sein, sagt Sprechtrainerin Ingrid Amon. „Sprechen Sie mit ihnen – aber lassen Sie sie auch selbst sprechen. Die Senioren sollen vor allem selbst aktiv sein. Dadurch spüren sie sich auch selber. Und genau dann passieren die abwechslungsreichen Reize, mit denen das Gehirn angeregt wird.“

Neuronale Bahnen anregen

Werden diese hingegen nicht gepflegt, bilden sich die neuronalen Bahnen, die mit Sprach- und Hörzentrum zusammenhängen, zurück – das Sprachzentrum und damit auch der Wortschatz reduzieren sich. Die gute Nachricht: „Neuronale Pfade im Gehirn können sich bis ins hohe Alter immer wieder neu bilden. Aber sie müssen eben durch neue Reize und viel Abwechslung gepflegt werden.“

Die Senioren sollten am besten detailreich erzählen, damit das Gehirn beweglich und auch der Wortschatz erhalten bleibt. Amon empfiehlt eine Art von kreativer Interviewtechnik, um die betagten Gesprächspartner aus der Reserve zu locken.

Abwechslung

„Ziehen Sie alle Register, um Abwechslung ins Gespräch zu bringen. Man kann zum Beispiel nach den Eindrücken des Tages fragen: ,Erzähl’ mir, was hast du heute gekocht? Wie machst du das genau? Was hast du gesehen, wem bist du begegnet?’“ Selbst braucht man gar keine Antworten parat zu haben. „Ein ,Aha’ oder ,Mmh’ reicht.“

WhatsApp-Nachrichten

Sind die Großeltern selbst via Nachrichtendiensten wie WhatsApp aktiv, lässt sich auch diese Technologie nutzen. „Man kann die Oma bitten, eine WhatsApp-Nachricht zu schicken, was sie heute gemacht hat. Auch Sprachnachrichten sind eine tolle Möglichkeit, um das Erzählen anzuregen. Man kann etwa um eine Nachricht über den Tagesablauf auf der Mailbox bitten.“

Auf welche Art auch immer die Anregungen passieren: Wichtig ist, dass sie passieren. „Den Alltag im Detail zu hinterfragen, ist eine gute Methode dafür. Damit sind unsere Gesprächspartner gefordert und müssen Wörter in den Mund nehmen.“

Etwas anders machen

Wer alleine lebt, kann auch selbst aktiv werden, um nicht in eine pandemiebedingte, innere Starre zu fallen, sagt die Expertin. „Ein ganz wichtiger Satz für Senioren ist: Mach etwas anders.“ Das könne von einem anderen Spazierweg bis zu einer neuen Grußformel alles sein. Ingrid Amon setzt ihre Tipps übrigens auch selbst um. Wenn ich alleine unterwegs bin, versuche ich meine Sinne mit drei Sätzen anzuregen: Was höre ich? Was rieche ich? Was sehe ich? Ich beantworte das in ganz kurzen Sätzen, die ich laut ausspreche. Dann wird ein Spaziergang richtig sinn-voll.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.