IHA-Branchenreport "Hotelmarkt Deutschland 2014"

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freizeit Leben, Liebe & Sex
04/23/2020

Auszeit für Affären: Wenn das Gspusi auf Eis liegt

Geheime Gefühle: Corona hat Nebenbeziehungen vorübergehend den Riegel vorgeschoben. Schlägt nun die Stunde der Wahrheit?

von Julia Pfligl

Es sind herausfordernde Zeiten, wie unser Bundeskanzler stets zu sagen pflegt, insbesondere für die Liebe. Viel wurde geschrieben über zerrissene Familien und einsame Herzen, und als wäre die emotionale Lage der Nation nicht schon schlimm genug, tut sich jetzt noch ein weiteres zwischenmenschliches Problem auf: Wer nicht raus darf, kann plötzlich die außereheliche Affäre nicht mehr treffen. Auch das noch.

Das Netz reagiert auf das Dilemma in bewährter Manier mit humorigen Memes – ein Indikator, dass nicht wenige betroffen sind.

Heimliche Telefonate beim Joggen

In der Online-Ausgabe des Guardian teilte jüngst eine 51-jährige Schriftstellerin ihre Geschichte: Die geschiedene Mutter einer Tochter berichtet von der Affäre mit einem verheirateten Familienvater, den sie aufgrund der virusbedingten Ausgangssperren nicht mehr sehen und nur selten hören kann (nämlich dann, wenn er sich beim Joggen in einsame Straßen verirrt und ihre Nummer wählt). Am schlimmsten sei das Gefühl von Machtlosigkeit, da sie nun gezwungen sei, auf seine Nachrichten zu warten. Kein Virologe dieser Welt weiß, wann sie ihre heimliche Liebe wiedersehen kann. Würde er sterben – sie würde es nicht mal erfahren.

Kein Einzelfall

Nun wird sich das allgemeine Mitgefühl mit einer sehnsuchtsgeplagten Mätresse (so bezeichnet sich die Frau selbst) und einem untreuen Familienvater während einer Pandemie in Grenzen halten.

Dass ihre Geschichte kein Einzelfall ist, kann selbst der größte Romantiker nicht von der Hand weisen: Bis zu 50 Prozent der Männer und bis zu 25 Prozent der Frauen haben sich laut der jährlich durchgeführten General Social Survey aus den USA schon einmal auf ein geheimes Tête-à-Tête eingelassen. (Und weil dieser Tage viel von hohen Dunkelziffern die Rede ist: So verhält es sich auch mit außerehelichen Liebschaften.)

Nicht unfair sein

Seitensprünge passieren aus den verschiedensten Gründen, mit den verschiedensten Erwartungen. Manchmal ist es rein körperlich, manchmal mischt das Herz mit. Manche Affären werden gebeichtet und beendet, andere ziehen sich jahrelang und führen zu einem Ehe-Aus. „Die meisten Ehen scheitern an den Verhältnissen.

Man sollte aber nicht unfair sein: Es sind auch schon sehr schöne Verhältnisse an den Ehen gescheitert“, sagte der verstorbene Kabarettist Werner Schneyder und meinte damit wohl, dass die Ehe nicht automatisch die „bessere“ Verbindung ist.

 

Eine Zwickmühle

Momentan haben alle amourösen Nebenschauplätze einen gemeinsamen Nenner: Als das Virus Einzug hielt, wurden sie jäh unterbrochen. Jemand hat auf „Pause“ gedrückt und niemand weiß, wann – und ob – es weitergeht. Fremdgeher können keine Geschäftsreise mehr vorschieben, um das Gspusi zu treffen, und auch die geheime Korrespondenz erweist sich als schwierig bis unmöglich, wenn der Partner nonstop zugegen ist. Eine Zwickmühle: Beteiligte leiden still vor sich hin, wissend, dass sie im Grunde kein Anrecht auf Mitleid haben.

Stunde der Wahrheit

In der Zwangspause könnte für Verhältnisse die Stunde der Wahrheit schlagen, sagt Ulrich Clement, einer der führenden Paar- und Sexualtherapeuten im deutschsprachigen Raum. „Corona ist ein Anlass für Offenheit. Ich glaube, dass dieser Druck, die Schwierigkeit, auszuweichen, Entscheidungen eher forciert. Die Frage ist: Hält man das durch?“

Reine Sex-Affären werden jetzt wahrscheinlich eher auslaufen, glaubt der Autor mehrerer Beziehungsratgeber (etwa: „Wenn Liebe fremdgeht: Vom richtigen Umgang mit Affären“). Anders sieht es bei „stabilen Nebenbeziehungen“ aus: „Da könnte das Kontaktverbot die Sehnsucht sogar verstärken.“

Folgen bedenken

Wem in der Quarantäne das Licht aufgeht, der sollte seine frisch gewonnene Erkenntnis vorerst für sich behalten, rät Clement. „Es kann passieren, dass man merkt, dass man den anderen mehr braucht, als einem lieb ist. Ich halte die jetzige Situation aber für einen ungünstigen Zeitpunkt für Geständnisse.“

Vor einer Beichte sollte man die praktischen Folgen bedenken, etwa, dass man bei einem Streit nur kurz das Haus verlassen kann. Im besten Fall schafft die gezwungene Auseinandersetzung mit dem Liebeswirrwarr nachhaltig Klarheit – auf allen Seiten.

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