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freizeit Leben, Liebe & Sex
08/21/2020

Alles, nur nicht lernen: Was hilft gegen die Aufschieberitis?

Lernen für Prüfung bis Schularbeit: Wie schafft man es, sich zu überwinden und anzufangen?

von Ute Brühl

Die Situation kennt wohl jeder aus seiner eigenen Schulzeit: Man weiß genau, dass man jetzt lernen müsste, weil die nächste Prüfung immer näher rückt, und dennoch kann man sich nicht aufraffen. Anstatt sich an die Bücher zu setzen, fängt man an, das Zimmer aufzuräumen oder die Blumen zu gießen.

Wie schafft man es da, sich zu überwinden und anzufangen? Die klinische Psychologin Luise Hollerer ist davon überzeugt, dass diese Form der „Aufschieberitis“ angelernt ist: „Wer schon als kleines Kind daran gewöhnt wurde, dass er immer wieder unterstützt wird, wenn es eng wird, und nie die Konsequenzen seines Handelns tragen musste, der neigt dazu, seine Aufgaben nicht zu Ende zu erledigen.“ Eltern wissen, wie schwierig es ist, das Kind im Fall des Falles dann auch einmal scheitern zu lassen.

Heißt das jetzt, dass ein Schüler oder eine Studentin ihrer Erziehung ausgeliefert sind? „Nein. Es gibt einen Weg, sich zu motivieren“, beruhigt Hollerer. „Die Motivation führt über das Ziel: Ich muss wissen, was ich erreichen will .“

Ein Ziel könne zum Beispiel die Matura oder der Führerschein sein. Doch hier liegt oft das Problem: Vielleicht ist es ja gar nicht der Schüler, der die Matura machen will, sondern nur seine Mutter . Vielleicht will die Studentin ja gar nicht Jus studieren, glaubt aber, dass der Vater dies von ihr erwartet.

„Von einem Jugendlichen oder einem jungen Erwachsenen kann ich hier schon Reflexionsfähigkeiten verlangen“, stellt Hollerer fest. „Der junge Mensch muss sich fragen: Will er das angepeilte Ziel wirklich? Oder will er nur jemandem einen Gefallen damit tun?“

Wer in sich geht, merkt wahrscheinlich bald, dass er auf dem Weg zum falschen Ziel ist. Da müssen auch Eltern manche Träume aufgeben.

Sich im Ziel sehen

Falls das Ziel aber passt, man sich aber dennoch nicht motivieren kann, hilft ein psychologischer Trick: „Wer zum Beispiel den Führerschein wirklich machen will, dem hilft es, sich vorzustellen, wie er das Ziel schon erreicht hat, wie er zum Beispiel alleine ein Auto steuert und mit Freunden in den Urlaub fährt.“

Hat er das visualisiert, gilt es, Teilziele zu definieren, etwa die theoretische Prüfung für den Führerschein. „Um das Zwischenziel zu erreichen, muss ich mir einen Plan machen, wann ich welchen Stoff lerne.“ Das Schöne: Jeder Etappensieg ist ein Erfolgserlebnis und ein Nährboden für weitere Motivation. Das stärkt das Selbstvertrauen.

Pubertierende brauchen natürlich noch Begleitung: „Der Jugendliche soll sich selber einen Plan machen, wie er für den Nachzipf lernt – diesen bespricht er dann mit den Eltern, damit alle gemeinsam überlegen können, ob das so umsetzbar ist.“ Lernen muss der Jugendliche alleine – wird aber begleitet: „Nach drei, vier Tagen überprüfen Sie gemeinsam, ob das Lernziel, wie etwa 100 Vokabeln beherrschen, erreicht wurde. Falls nicht, müssen die Eltern eingreifen.“

Ein Sonderfall ist das Lernen in Zeiten von Corona – weil so manche gewohnten Rituale entfallen. Hollerers Tipp: „Hier gilt es, sich selbst zu überlisten: Fragen Sie sich, was zum Beispiel das Lernen in der Bibliothek oder das Üben mit Freunden für das Kind so angenehm macht und versuchen Sie dann, ein ähnliches Ambiente zu schaffen. Das kann der ruhige Schreibtisch im Arbeitszimmer sein oder der Austausch mit Mitschülern via Video.“

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