© EPA/MIKE NELSON

freizeit
03/14/2021

Kann Taylor Swift die Grammys retten?

Heute werden die Grammys verliehen, doch der wichtigste Musikpreis der Welt steckt in der Krise. Warum Taylor Swift, die blonde Göttin des Pop, das überstrahlen könnte.

von Alexander Kern

Immer ist irgendetwas. Einmal muss Taylor Swift ihre komplette Tour für 2021 absagen. Dann zieht sie gegen Netflix ins Feld, weil sie einen Seriengag, der ihr Promiskuität nahelegt, entbehrlich findet. Und zuletzt forderte ein Vergnügungspark zwei Millionen Dollar Schadenersatz von ihr, wegen einer Namensgleichheit mit einem Album. Schlagzeilen verfolgen die Popsirene wie das Amen im Gebet. Ist Swift dann für einen Preis nominiert, wie für die Grammys am 14. März, passiert Folgendes: egal, ob Fans oder Hater – alle machen es sich bequem, stellen das Bier kalt und das Popcorn bereit. Und das hat seinen Grund.

Schuld ist Kanye - wer sonst? 

2009 kam es zu einer unverzeihlichen Peinlichkeit, und Schuld daran war – selbstverständlich – Kanye West. Als Swift bei den MTV Video Music Awards 2009 ihren Preis entgegennahm, stürmte der kontroversielle Rapper die Bühne, entwendete ihr das Mikro und tobte, keinesfalls habe sie den Preis verdient – sondern vielmehr Beyoncé. Der Beginn einer hübschen Fehde, die sich bis heute zieht. Und quasi einen Pawlowschen Reflex des Fremdschämens auslöst, sobald sie eine Award-Bühne betritt.

Swift gegen Trump

Beweisen muss sie heute keinem mehr etwas. Von klein auf hat sie sich, die Eltern betrieben eine – Achtung, festhalten: Weihnachtsbaumschule –, hochgearbeitet. Bereits als Zehnjährige sang sie bei Wettbewerben, mit 14 wurde sie entdeckt. Begann als Coun-trysängerin, die mit „Shake It Off“ eine 1A-Wende zum Popstar hinlegte.

Seitdem regnet es Nr. 1-Hits, purzeln Verkaufs- und andere Rekorde. Die Musikbibel Rolling Stone reiht sie als eine der 100 besten Songschreiber aller Zeiten. Manche Stücke handeln von Ex-Liebhabern – auch dafür ist Swift berüchtigt. Mittlerweile ist sie aber auch politisch: Sie tritt für LGBTQ-Rechte ein; Donald Trump warf sie vor, sein Rassismus verantworte den Tod von George Floyd mit.

Während der ersten Corona-Welle nützte sie die Zeit und produzierte „Folklore“, das erste von zwei Überraschungsalben, ein Kammermusik-Stück aus der Isolation für die Generation Z: statt zuckerlbunt im Funkenregen zu stehen, spaziert sie dabei mit verträumtem Blick durch den Wald. Cottagecore verquickt mit Erinnerungen ans Kindsein und Teenager-Liebe, Folk-Pop pur. Ihr bestes Album? Wahrscheinlich.

Sechsmal ist Swift damit für den Grammy nominiert (Beyoncé neunmal), darunter für das begehrte „Beste Album“, und mit „Cardigan“ als „Song des Jahres“. Doch der Preis steckt, wie Preise im Unterhaltungsbereich generell, in der Krise.

Grammys in der Krise 

Und das nicht nur wegen Corona. Wie die Oscars steht die wichtigste Musikauszeichnung der Welt wegen ihrer Nominierungspolitik unter Dauerfeuer: „Die Grammys bleiben korrupt“, forderte der heuer übergangene The Weeknd Transparenz. Und Popsängerin Halsey stellte frustriert fest: „Es geht oft darum, die richtigen Leute zu kennen.“ Bei den Preisträgern mangelt es an Vielfalt, was Geschlecht und ethnische Herkunft betrifft, was wohl an der Akademie-Struktur liegt.

2018 ging der Präsident, nachdem er Frauen riet, sich mehr ins Zeug zu legen, wenn sie reüssieren wollten. Deborah Dugan sollte für Diversität sorgen, wurde jedoch wegen Mobbing gefeuert. Sie wiederum wirft der Akademie vor, diese habe Vergewaltigungsvorwürfe vertuscht, zudem gäbe es Absprachen bei den Nominierungen. Gewinnt Taylor Swift heuer, wäre sie die erste Frau, die dreimal das „Album des Jahres“ gewinnt. Das gelang bisher nur Paul Simon, Stevie Wonder und Frank Sinatra – und könnte alles überstrahlen. Wenn das mal Kanye West hört.

DIE AUFREGER BEI DEN GRAMMYS

1989: Will Smith und DJ Jazzy Jeff verweigern den Best Rap Performance-Preis, weil die neue Kategorie nicht im TV übertragen wird. 

1990: Milli Vanilli („Girl You Know It's True“) wird der Grammy aberkannt, weil sie ihre Hits Playback sangen.  

1998: Ein obenrum freier Performance-Künstler stört wild tanzend Bob Dylans Auftritt, ein Protest gegen den Kommerz in der Kunst.  

2000: J. Lo’s legendärer Auftritt im Versace-Kleid mit Ausschnitt bis zum Nabel. Inspirierte Google zur Bildersuche.  

2001: Wegen homophober Texte gibt es Protest gegen Eminems Auftritt. Der daraufhin mit Elton John singt. Umarmung inklusive.  

2004: Justin Timberlake hält eine peinliche Rede, um sich für den „Nipplegate“-Vorfall mit Janet Jackson zu entschuldigen. 

2009: Rihanna bleibt unerwartet den Grammys fern. Grund: Ihr Partner Chris Brown hatte sie in der Nacht zuvor brutal geschlagen.  

2011: Lady Gaga erscheint in einem Kunststoff-Kokon, getragen von Halbnackten. Erst auf der Bühne entschlüpft sie dem Ei. 

2012: Whitney Houston stirbt am Vorabend  der Gala in der Badewanne. Ursache: eine Herzerkrankung infolge Drogenmissbrauchs. 

2013: Beck gewinnt für das Album des Jahres. Kanye West stürmt die Bühne und besteht auf Beyoncé als würdigere Siegerin. 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.