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freizeit
09/27/2021

Großmeisterin Laura Unuk: „Ich kann ohne Schach nicht leben“

Wenn sie nicht beim Schachklub Baden mitwirkt, spielt Laura Unuk Turniere zwischen Island und Südafrika.

von Bernhard Praschl

Eben erst ist sie bei einem Turnier in der Schachhochburg Reykjavik angetreten und schon sitzt Laura Unuk in Serbien am Brett. Die Großmeisterin aus Slowenien ist eine gefragte Schachgegnerin und eine ideale Botschafterin des königlichen Spiels: jung, klug, erfolgreich, attraktiv und sehr ambitioniert.

Mit 14 hat sie in Südafrika den Titel „Internationale Meisterin der Frauen“ errungen, vor zwei Jahren wurde sie „Großmeisterin der Frauen“. Von ihrer Spielstärke profitiert auch der zweimalige österreichische Schach-Staatsmeister SK Baden, der in zwei Jahren 100-jähriges Jubiläum feiert. Als Legionärin gewann Laura Unuk mit den Niederösterreichern 2020 und 2021 die heimische Frauenbundesliga.

Freizeit: Sie sind 21 Jahre alt und seit zwei Jahren eine Großmeisterin, seit wann spielen Sie Schach?

LAURA UNUK: Seit ich acht Jahre alt bin.

Wann merkten Sie erstmals, dass Sie das Zeug haben, wie ein Profi zu spielen?

Das war heuer im März. Ich erhielt den Titel Weiblicher Internationaler Meister (WIM), als ich in Kroatien das Frauenturnier „Blumen des Mittelmeers“ gewann. Als erste Frau in der Geschichte Sloweniens erreichte ich eine ELO-Zahl von 2.400 und den WIM-Titel (Anm.: Die beste Wertungszahl einer Österreicherin liegt im Moment bei 2.311). Das war der Moment, in dem ich merkte, dass ich Schach als Beruf ausüben kann.

Sie studieren an der Uni von Ljubljana. Geht sich das neben Schach aus?

Ich studiere Biochemie. Dieses Fach setzt sich mit chemischen Prozessen in lebenden Organismen auseinander, etwa auch mit den Coronaviren. Zu Beginn des Studiums war ich sehr ehrgeizig und habe mir eingebildet, dass sich beides zugleich ausgeht. Leider nicht. Ich hatte viele schlaflose Nächte, in denen ich während der Turniere oder der An- und Abreise Skripten studierte. Das war sehr stressig, auch weil meine Leistungen sowohl beim Studium als auch beim Schach nachließen. Zuerst verzichtete ich auf die Teilnahme bei Turnieren, um das Studium nicht zu gefährden. Dann aber merkte ich, dass mich Schach echt glücklich macht und ich ohne nicht leben kann.

Muss man gut in Mathematik sein, um ein gute Schachspielerin zu werden?

Überhaupt nicht! Ich kenne sogar einige Großmeister, die sehr schlecht beim Rechnen sind. Aber ich liebe Mathematik, weil es sehr logisch ist. Sowohl bei Schach als auch bei der Mathematik geht es um das Lösen von Problemen. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied. In der Mathematik gibt es Theorien, die helfen, ein Problem eindeutig zu lösen. In einem Schachspiel gibt es zu viele mögliche Züge, zu viele mögliche Positionen, um eindeutige Antworten zu geben.

Haben Sie ein Vorbild, etwa den seit 2013 amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen? Oder Judit Polgár, die mit einer ELO-Zahl von 2.735 als spielstärkste Frau gilt?

Nicht wirklich. Am ehesten noch Magnus Carlsen, weil mich sein dynamisches und dennoch ruhiges Spiel sehr fasziniert. Das macht auch den Unterschied zur Kasparow-Ära aus. Heute gestaltet man das Spiel vielfältiger als damals.

Haben Sie Magnus Carlsen einmal bei einem Turnier getroffen?

Ja, beim Schach-Weltpokal konnte ich dort ein Interview mit ihm führen.

Haben Sie einen Tipp für uns Amateure? Welchen Rat können Sie angehenden Schachspielern geben?

Als ich zu spielen begann, war ich nach einer Niederlage oft so verärgert, dass mir die Tränen kamen. Aber gerade aus Niederlagen lernt man. Ich habe mir die Tricks und Spielzüge meiner Gegner gemerkt, um sie später mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Im Schach geht es darum, zu lernen und seine Fehler zu korrigieren. Und das gelingt eben nicht nur durch Siege.

Man verliert Millionen Spiele, aber bei jedem neuen Turnier wird man weniger verlieren. Mein Rat also ist: Analysiere deine Spiele und lerne daraus. Man gewinnt daraus mehr Erkenntnisse über Positionen, Spielzüge und das Spiel in der Entscheidungsphase.

Was halten Sie als Profi eigentlich von der Netflix-Serie „Das Damengambit“, die im Vorjahr zum Überraschungshit geworden ist? Kann man sich davon als Hobbyspieler etwas abschauen?

Die ist großartig! Es ist eine Serie, die wirklich zeigt, wie die Schachwelt funktioniert und wie Top-Spieler arbeiten und spielen. Natürlich gibt es darin übertrieben inszenierte Effekte. Wir sehen etwa nachts keine Schachspiele auf dem Plafond leuchten. Wir haben sie im Kopf, wenn wir die Augen schließen. So funktioniert ja auch Blindschach. Und ich sagen Ihnen: Ein jeder Großmeister kann Schach auch ohne ein Brett spielen.

Das Damengambit

Wie viele Turniere bestreiten Sie in einem Jahr?

Ungefähr zwölf klassische Turniere. Ein jedes dauert etwa zehn Tage. Aber ich spiele daneben auch Online- und Blitzschach-Turniere. Letztere werden an einem einzigen Tag ausgetragen.

Wo liegen die Vorzüge im Online-Spiel?

Kommt darauf an, wie man sich das ausmacht. Man kann einfach drauflos spielen und dabei relaxen. Du kannst dabei sogar Musik hören, wenn du magst. Natürlich nicht bei der Online-Schacholympiade, wie sie im Vorjahr via Zoom ausgetragen wurde. Zwei Kameras und eine WLAN-Verbindung, von der du hoffst, dass sie nicht unterbrochen wird. Auf ein Holzbrett mit echten Figuren zu blicken, macht aber mehr Freude, als auf einen Monitor zu schauen und mit einer Computermaus zu hantieren.

Wie viele Stunden am Tag spielen Sie?

Wenn Sie Profis fragen, werden die antworten, mindestens fünf Stunden. Spielen aber reicht nicht. Zum Training zählt auch die gezielte Arbeit an der Eröffnung, an der Taktik, am Finish. Das ist echte Arbeit. Wenn wir nach so einem anstrengenden Tag zu Hause sind, spielen wir nur zum Spaß und da gibt es kein Zeitlimit.

Wie bleibt man über so einen langen Zeitraum voll konzentriert?

Ein Spiel dauert im Schnitt vier Stunden und ein Turnier besteht aus etwa neun Spielen. Als ich noch nicht auf der Uni war, betrieb ich daneben täglich Sport oder besuchte das Fitnessstudio. Alleine das Schachspiel aber kostet schon viel Energie. Seit ich es ernsthaft betreibe, habe ich das mit dem Gym aufgegeben. Ich relaxe an der frischen Luft, nebenbei einen anderen Sport zu betreiben, würde mir zu viel Kraft rauben.

Mit Ihren Freundinnen haben Sie den inoffiziellen Schachverein „Checkitas“ gegründet. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Als im Vorjahr der erste Lockdown verhängt worden war und Schach auch auf der Online-Live-Streaming-Plattform Twitch einen Boom erlebte, haben wir uns eben auch dort die Zeit vertrieben. Zuerst dachten wir an so etwas wie Schach-Unterricht, aber dann merkten wir, dass es auf Twitch hauptsächlich um die Show geht. So kombinierten wir eben beide Elemente: Schach-Schule und Show.

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Klingt witzig, sind Sie als „Checkita“ noch aktiv?

Wir hatten damit einigen Erfolg. Aber dann kam an der Uni die Prüfungszeit und wir mussten unsere Streaming-Ambitionen herunterschrauben. Hoffentlich können wir bald wieder weitermachen. Wie auch immer, nach dem Ende des Lockdowns hat leider auch das Interesse an Online-Schach etwas abgenommen.

Sie sind Sloweniens beste Schachspielerin. Viele Erwartungen Ihrer Landsleute lasten auf Ihren Schultern. Macht Sie das stolz oder ist das auch eine Belastung?

Ich bin sehr stolz darauf, dass ich es in meiner kurzen Schachkarriere schon so weit gebracht habe. Und ich will noch mehr schaffen. Ich hoffe auch, dass ich andere Mädchen in Slowenien und auch in anderen Ländern dazu motivieren kann, diesen Sport auszuüben. Damit Schach nicht wie früher als Sport oder Spiel einzig den Männern vorbehalten bleibt.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Glück beim Spiel!

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Die spielstarke Slowenierin, ist auch international sehr gefragt. Als Legionärin wirkt der „Weibliche Internationale Meister“ (WIM) neben dem Schachklub Baden auch bei Turnieren des ŠK Draga aus Rijeka, der Schachabteilung des deutschen Sportvereins TuRa Harksheide und eines Teams aus Istanbul mit.  https://www.schachklub-baden.at

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