Zu Silvester wünscht man sich einen "guten Rutsch".

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freizeit Fragen der Freizeit
12/31/2019

Warum wünschen wir uns einen "guten Rutsch" ins neue Jahr?

Fragen der "Freizeit" ... Und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Elisabeth Mittendorfer

Falls wir uns nicht mehr sehen, wünsche ich dir schon mal einen guten Rutsch!“ – Es gibt wohl kaum einen Satz, der uns in der Vorweihnachtszeit und zwischen den Jahren häufiger über die Lippen kommt. Eine aufregende Rutschpartie haben dabei die wenigsten im Sinn, vielmehr wollen wir unserem Gegenüber eine tolle Silvesternacht und einen guten Start ins neue Jahr wünschen. Warum also sollen wir rutschen? Wir könnten ja auch ins neue Jahr laufen, schweben oder gehen. Oder tanzen – immerhin ist es hierzulande Tradition, sich um Punkt Mitternacht im Dreivierteltakt des Donauwalzers zu wiegen und so den Jahreswechsel willkommen zu heißen.

Doch woher kommt die Neujahrsfloskel?

Über die Entstehung der Redewendung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Zum einen jene, dass es sich dabei um eine Verballhornung des jiddischen Grußes „Gut Rosch“ handelt, den man sich vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha Schanah (übersetzt: „Kopf des Jahres“, wobei Kopf für den Anfang steht) wünscht. Mit „Gut Rosch“ wünscht man also einen „Guten Anfang“ des neuen Jahres. Geklärt ist das aber nicht, wie Sprachwissenschafter Martin Reisigl von der Universität Wien betont. „Etliches, was über die Redewendung behauptet wird, ist Mutmaßung.“

Einen weiteren Erklärungsansatz liefert ein Blick auf die Herkunft des Wortes „Rutsch“, das vom Verb „rutschen“ abgeleitet ist. „Rutsch“ hatte im 19. Jahrhundert unter anderem die Bedeutung „kleine Reise“. Im Grimmschen Wörterbuch von 1896 ist der Wunsch „glückliche rutsch!“ in der Bedeutung von „glückliche Fahrt, Reise“ verzeichnet. Wir wünschen uns im übertragenen Sinne also eine gute Reise ins neue Jahr. Reisigl hält auch einen Zusammenhang mit dem für die Jahreszeit typischen Schnee und Glatteis für denkbar. Einerseits, weil vermutet wird, dass „rutschen“ lautmalerischen Ursprungs ist, was sich auf das Reibegeräusch eines Schlittens beziehen könnte. Und weil man sich alles Gute für die als Herausforderung empfundene, beschleunigte Fortbewegung auf glattem Untergrund wünscht – ohne auszurutschen.

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