Rodin's Thinker

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freizeit Fragen der Freizeit
10/26/2021

Warum greifen wir uns beim Nachdenken so gerne ins Gesicht?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die Sie überraschen werden

Vielleicht ist Wickie dran schuld. Jedenfalls weiß ich, seit ich ein kleines Kind war, dass man die besten Ideen hat, wenn man sich nur ordentlich – mit der rechten Hand – an der Nase reibt. Dann gehen die Sterne auf, so phänomenal ist das Ergebnis der geistigen Anstrengung. Wobei man nach und nach lernt, dass das natürlich nicht die einzige Möglichkeit zur Erleuchtung ist. Manche bevorzugen die Stirn, so à la Rodins „Denker“, andere wiederum halten's mit Walter von der Vogelweide und schmiegen ihr Kinn in die Hand. Das Dumme ist, dass wir im Gegensatz zu Wickie, Rodin und Walter strengstens dazu angehalten sind, genau das nicht zu tun, also uns ins Gesicht zu tatschen, ganz wurscht wo.

Aber warum greifen wir uns überhaupt ins Gesicht, das ist doch nur ein Tick, wenn auch ein Jahrtausende alter – denn wahre Erkenntnis bringt es doch nur im Zeichentrickfilm, oder? Nicht ganz, sagt da überraschenderweise die Wissenschaft. „Selbstberührungen beeinflussen die elektrischen Strömungen im Gehirn“, wie Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Labors am Institut für Brainresearch der Universität Leipzig, in einer Studie schreibt. Es funktioniert in etwa so, führt der Wissenschaftler weiter aus, dass, wenn unser „Arbeitsspeicher“ überlastet ist, weil wir gestresst sind, eine Situation uns überfordert oder wir eben an einem aktuellen Pro-blem kiefeln, genau diese Berührungen unser Hirn gewissermaßen rebooten und wieder funktionsfähig machen. 400-800 Mal pro Tag greifen wir uns so an Stirn, Mund, Kinn oder Nase, und da sind Berührungen, die durch eine Hautreizung hervorgerufen werden, gar nicht eingerechnet. Es sei für die Psyche, so der Forscher, gar nicht gut, diese Berührungen gänzlich zu unterdrücken.

Wer sich aus noch immer aktuellem Anlass dennoch ein wenig zurückhalten will, kann sich ein Beispiel an der deutschen Kanzlerin nehmen: Sie fasst sich auffällig selten ins Gesicht, berührt sich aber dennoch selbst und hält so ihr Hirn fit. Indem sie mit ihren Fingern die berühmte Merkel-Raute bildet. Die unauffällige „Denkerin“ – ein Motiv für den Rodin des 21. Jahrhunderts!

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

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