© APA/dpa/Felix Hörhager

freizeit Fragen der Freizeit
08/10/2021

Warum müssen wir vor dem Trinken immer anstoßen?

Fragen der "Freizeit" ... Und Antworten, die Sie überraschen werden.

Schon mal mit dem Gegenüber die Messer gekreuzt, bei einem Essen in geselliger Runde? Das wäre doch was, so richtig schneidig rechts-links, wie bei D’Artagnan und den Musketieren. Blöde Idee? Aber warum macht man so etwas Ähnliches, jedes Mal, wenn man trinken will? Prost, und angestoßen, und dabei auch ja in die Augen schauen, und um Gottes willen nicht über kreuz, und wenn man aus Salzburg, Oberösterreich, Bayern oder Italien ist, MUSS man das Glas, bevor man es endlich an die Lippen führen darf, auch noch einmal hörbar auf dem Tisch abstellen, weil sonst was ganz Schreckliches passiert, sieben Jahre schlechter Sex oder Besuch von der Schwiegermutter oder was auch immer.

Woher kommt also der bei genauerer Betrachtung doch eher eigenartige Brauch, vor dem ersten Schluck die Gläser aneinanderzustoßen? „Die Angst der mittelalterlichen Edlen und Herrschenden vorm Vergiften“, erklärt Herrmann Nothhaft, Braumeister der bayerischen Mönchshof Brauerei, und der muss es wissen, immerhin wird dort seit 1349 Bier gebraut. Neidische Rivalen und Nachbarn oder Brüder, denen ältere Brüder beim Erben im Weg standen, bedienten sich damals gern einer Portion Gift, um das „Pro-blem“ zu beseitigen. Weil sich nicht jeder einen Mundschenk leisten konnte, und es stimmungsmäßig ein Downer ist, wenn so ein steifer Kerl von jedem neuen Glas vor einem trinkt, stieß man einfach so schwungvoll an, dass möglichst etwas Bier oder Wein vom eigenen Becher in den des anderen schwappte. Wenn der ohne zu zögern dennoch trank, war man auf der sicheren Seite.

Auch die Sache mit dem In-die-Augen-Schauen hat laut Historikern damit zu tun. Wer Böses im Schilde führt, weicht dem Blick seines Opfers aus, so dachte man zumindest. Und natürlich hängt der verbindliche Augenkontakt auch mit dem „Zutrinken“ zusammen: Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wurde Trinken zum Sport, zuerst in der Nobilität, dann durch alle Schichten. Beim Zutrinken forderte man sein Gegenüber heraus, es ging darum, zu zeigen, wer mehr verträgt. Ein Duell quasi, nur nicht wie bei D’Artagnan.

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

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