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freizeit Family
01/17/2020

SOS-Kinderdorf: Was tun, wenn die Wünsche ans Christkind zu groß sind?

Marianne Römer vom SOS-Kinderdorf Wien gibt Eltern Tipps, wie sie mit den Erwartungen ihrer Kinder umgehen.

von Daniela Davidovits

"Papa, ich will heuer zu Weihnachten das iPhone 11 mit AirPods Pro und über Silvester will ich mit Justins Eltern in den Skiurlaub nach Kärnten. Ach ja und es gibt neue Fußballschuhe, die man mit Namen besticken lassen kann. Alle anderen Kinder kriegen die!"

So schnell sind, ginge es nach den Kids, gleich mehrere Monatsgehälter weg. "Dass sich nicht alle Wünsche leicht erfüllen lassen, müssen Kinder erst lernen", so Marianne Römer, Pädagogische Leiterin im SOS-Kinderdorf Wien. Ihre SOS-Familientipps helfen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

1. Zeigen Sie Verständnis

Kaufempfehlung von Influencern auf Instagram, Produktplatzierung auf YouTube und Werbung zwischen Spotify-Songs: Aufforderungen zum Konsum verfolgen uns und auch Kinder und Jugendliche fast den ganzen Tag. Besonders in der Pubertät vergleichen sich Jugendliche untereinander und nutzen Konsumgüter, um sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Setzen Sie sich deshalb mit den Wünschen Ihres Kindes auseinander und hinterfragen Sie genau, warum es sich etwas so sehr wünscht.

2. Schenken Sie Zeit

Ja klar: Geschenke sind super! Aber wie wäre es mit mehr gemeinsamer Zeit statt dem vierten materiellen Geschenk? Führen Sie die Tradition ein, sich gegenseitig ein Erlebnis zu schenken oder machen Sie sich fixe, wöchentliche oder monatliche Verabredungen aus. Zum Beispiel ein gemeinsamer Filmeabend pro Monat oder eine Radtour im Sommer. Suchen Sie etwas aus, das der ganzen Familie Spaß macht – das muss nicht immer teuer sein und bleibt bestimmt in Erinnerung.

3. Weihnachten wie früher

Wie gern erinnern wir uns an unsere Kindheit: Der Brief ans Christkind war bescheiden und im Nikolosackerl waren Mandarinen, Nüsse und Schoki. Mittlerweile sieht das oft anders aus. Dennoch kann man Kindern und Jugendlichen auch mit Kleinigkeiten und Dingen, die wenig kosten, eine Freude bereiten. Die Kids in unseren Wohngruppen hatten in den letzten Wochen große Freude an "Sleim", den wir an einem gemeinsamen Bastelnachmittag selbst hergestellt haben.

Auch Jugendlichen kann man happy machen, indem man sich zwischendurch einfach mal eine gemeinsame Auszeit nimmt. Ein warmes Getränk, Naschereien und ein Filmabend mit Wunschfilm vom Nachwuchs oder ein Weihnachtsmarktbesuch, gemeinsames Backen etc., kann für alle Freude bringen.

4. Schaffen Sie Bezug zur Realität

Seien wir realistisch – die Zeiten, in denen Pippi Langstrumpf und Benjamin Blümchen die Vorbilder der Kinder sind, gehen schneller vorbei, als uns lieb ist. Denn bald werden die beiden von RapperInnen wie Capital Bra oder Cardi B abgelöst. In Rap-Texten wird nicht selten mit 500 PS in einem Maserati GTS durch die Stadt gecruist und werden an einem Abend 7.000 € in einem Club verprasst. Das ist weit weg von der Realität. Besprechen Sie deshalb mit Ihrem Kind, wie viele Monate oder Jahre Sie für gewisse Anschaffungen arbeiten müssen. Oder wie lange das Taschengeld gespart werden müsste, um zum Beispiel das neueste iPhone zu kaufen.

Jüngere Kinder können schon beim Wocheneinkauf spielerisch den Umgang mit Geld lernen. Sie können im Geschäft helfen, die Lebensmittel zu holen, und darüber nachdenken: "Was kosten denn die Cornflakes?" – "2,79 Euro." – "Ist das jetzt mehr oder weniger als 3 Euro?" Oder: "Wieviel Taschengeld bekommst du in der Woche?" – "5 Euro." – "Wieviel Packungen Cornflakes könntest du dir davon kaufen?"

5. Schenken Sie gemeinsam

Besprechen Sie mit dem Nachwuchs nicht nur die eigenen Wünsche, sondern auch, worüber sich andere freuen würden. Was könnte man zum Beispiel Oma und Opa heuer zu Weihnachten schenken? Und worüber freuen sich die Geschwister? Das schafft Bewusstsein dafür, dass auch andere Leute Bedürfnisse und Wünsche haben.

Wenn sich im Keller oder Dachboden Spielsachen stapeln, die Ihre Kinder bereits aussortiert haben, könnten Sie diese gemeinsam durchsehen und spenden. So bereiten Sie anderen eine Freude und vermitteln gleichzeitig Ihren Kindern, dass gebrauchte Dinge einen Wert haben und man nicht immer alles neu kaufen muss.

6. Holen Sie Ihr Kind in die Verantwortung

Wenn Ihr Kind eine lange Wunschliste für Weihnachten hat, machen Sie ihm klar, dass nicht alles auf einmal möglich ist. Auf die Erfüllung größerer Wünsche muss man warten und manchmal auch etwas dafür tun. Einige Wünsche lassen sich vielleicht gar nicht erfüllen. Ist der Wunsch umsetzbar, können Sie mit Ihrem Kind eine Vereinbarung aushandeln. Zum Beispiel: „Du übernimmst ab jetzt Zusatzaufgaben in unserem Haushalt. Wir hängen die Liste dafür an den Kühlschrank und wenn ich sehe, dass du dich bemühst, können wir in drei Monaten gemeinsam das neue Handy kaufen.“ Ab dem 15. Lebensjahr ist auch der gute alte Ferialjob eine Möglichkeit, sich größere Wünsche selbst zu erfüllen. Außerdem: Auf das erste selbstgekaufte Handy wird Ihr Kind bestimmt gut aufpassen und merken, wie schnell das hart erarbeitete Geld auch schon wieder weg ist.

Mehr SOS-Familientipps für den Alltag mit Kindern und Jugendlichen unter www.sos-kinderdorf.at/familientipps