Leben
28.11.2017

Diese YouTube-Idole begeistern die Jugend

Viele Internet-Stars wurden selbst als Teenager berühmt. Jetzt scheffeln sie Geld mit ihren Videos und manipulieren die Fans.

Der Badeschaum in der weißen Spraydose riecht nach Vanille und Zuckerwatte, jedenfalls süß. So hat ihn YouTube-Star Bibi Heinicke entworfen und so lieben ihn viele ihrer 4,5 Millionen Fans. Auf ihrem YouTube-Kanal "BibisBeautyPalace" macht sie Werbung dafür, probiert Kosmetika aus und erzählt von ihren Reisen (bezahlt von Neckermann), ihrem neuen Handy (Telekom) oder ihrem Alltag – wie eine gute Freundin. Das zahlt sich aus: Pro Monat verdient die 24-Jährige laut Manager Magazin 110.000 Euro.

"Alle YouTuber reden dauernd über ihren Online-Shop", erzählt Jonas (11), aber das stört ihn nicht. Seine Internet-Idole, Heiko und Roman Lochmann, genannt Lochis, haben an ihm schon gut verdient: Die limitierte Box mit der ersten CD und Lochis-Kappe um 30 Euro mussten unbedingt vorbestellt werden und waren sofort ausverkauft. Zwei Mal Konzerttickets für Mutter und Kind (150 Euro) sowie Kinotickets für ihren Film (18 Euro) und gefühlte Millionen Klicks auf ihre Videos. Früher stellten sie jede Woche neue Lieder online, inzwischen konzentrieren sie sich auf Quatschen und "Pranken" – Streiche spielen. Mit ihren Clips gewannen sie heuer den Nickelodeon-Award als beliebteste deutschsprachige Vlogger, eine Wortkreation aus Video und Blogger.

Glaubwürdige Idole

Die zwei 18-Jährigen waren vergangene Woche zu Besuch in Wien, um eine Kampagne des Vereins "Jugend gegen Aids" zu bewerben, und sorgten für einen Ansturm auf der Comicmesse "Comic Con". Die jungen Fans lieben ihre Internet-Idole wie Filmstars und Sänger. Eine Autogrammstunde der YouTuberinnen Bibi und Dagi Bee in Hamburg musste wegen Tumulten unterbrochen werden.

Eine iconkids-Umfrage zeigte, dass YouTuber mit Glaubwürdigkeit und Authentizität punkten. Bei einer Zielgruppe, die mit TV und Zeitungen kaum erreicht werden kann. Das macht sie attraktiv für Firmen.

Jonas andere YouTube-Stars Concrafter, Julien Bam oder VeniCraft wirken wie Freunde von nebenan, mit denen man Blödsinn machen kann. Buben können Stunden damit verbringen, ihren Idolen bei Online-Spielen zuzusehen. Viele Videos zeigen die Spieler – jetzt "Let’s-Player" genannt – bei Wettbewerben in den Computerspielen Minecraft, GTA 5 oder Sims.

Ösi-YouTuberinnen

Bei Mädchen ist das anders: Ihre Idole beschäftigen sich mit "Girlie-Kram". 3,2 Millionen Mal wurde Dagi B’s Video über "die 20 typischen Probleme jedes Mädchens" abgerufen: fünf Minuten Quatschen über Wimperntusche, Ausgehen in Jogginghosen und Selfies von neuen Frisuren.

Wo kommt das Geld ins Spiel? Wenn etwa Dagi Bee und Bibi in einer gemeinsamen Shopping-Aktion bei einer Modekette einkaufen gehen und sechs Millionen Fans ihnen beim Auswählen zuschauen.

Auch Österreich hat seine Internet-Idole: Anna Laura Kummer (21) startete vor sechs Jahren auf YouTube, wo sie 266.000 Fans hat, bloggt und designt inzwischen Handyhüllen, die sie in ihrem Onlineshop verkauft. Mit ihrem stärksten Video erreichte JANAklar (425.000 Fans) 1,6 Millionen Zuseher: Darin schneidet sie sich die Haare ab und spendet sie für einen guten Zweck. Von den zehn Mal höheren Fanzahlen ihrer deutschen YouTube-Kolleginnen kann auch sie nur träumen.

Die Anzahl der Zuschauer entscheidet nicht nur über das Interesse der Sponsoren, sondern vor allem darüber, wie hoch die Einkünfte aus YouTube sind. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte die unbestätigte Experten-Schätzung, dass You-Tuber durchschnittlich zwei Euro pro 1000 Film-Abrufen erhalten, das wären also 6000 Euro für ein starkes Dagi B-Video.

Geschenke zeigen

Doch die jungen YouTuber profitieren nicht nur auf ihrem Konto, sie werden auch mit Geschenken überhäuft – kein Wunder also, dass sie gerne ihre neuen Wohnungen herzeigen und was sie dort alles hineinstellen. 140.000 Österreicher wollten sehen, wie Annas neues Zuhause aussieht, oder wie sie auf Einladung eines Uhrenherstellers eine Woche auf einer Jacht verbringt.

Sogar Misserfolge bringen Geld, zeigt das Beispiel von Bibis BeautyPalace. Ihr Versuch als Sängerin wurde zum YouTube-Video mit den meisten Dislikes, 47 Millionen sahen es, zwei Millionen mochten es nicht, tagelang wurde darüber diskutiert. Das brachte ihr Geld und Aufmerksamkeit. Jetzt ist ihre Weihnachts-Geschenkbox das Gesprächsthema: In der beiliegenden Karte findet sich ein peinlicher Rechtschreibfehler. Bibi entschuldigt sich auf YouTube. Ihre Fans klicken das Video an und denken sich: Sie ist eben eine von uns.