© K. Schark / JägerTEE

freizeit Essen & Trinken
10/18/2020

Zeit fürs Teeater: Die neue Lust am Teetrinken

Vor 95 Jahren wurde „Tea for Two“ komponiert. Grund genug, um vom „Afternoon Tea“, Matcha-Tee und der Ostfriesenmischung zu naschen.

von Bernhard Praschl

Eigentlich wäre alles ganz einfach. „Fünf Dinge braucht der Tee“, schwört Eva Horvath vom Teesalon „Tête à Tee“ in Wien Hietzing. Als da wären: „Guter Tee, die richtige Menge davon, ein weiches Wasser, die richtige Temperatur und die entsprechende Zeit.“

Das sagt sich so leicht, denn allein die Frage, wie viel Löffel Tee und wie lange dieser im Wasser ziehen soll, bringt manchen Hausfrieden ins Wanken. Teeprofis wie die Briten debattieren dazu leidenschaftlich, ob, wann und wie viel Milch und/oder Zucker man nun beigeben dürfe. Friesen hingegen nicht. Denn die geben ein großes weißes oder braunes Stück Kandis, „Kluntje“ genannt, gleich vorweg in die Tasse. Das hat eine Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht.

Als Nachbarn der Niederländer, die als Erste den Tee aus Asien nach Europa gebracht haben, entwickelten die Ostfriesen früh eine Kultur mit zumindest drei Teezeiten am Tag. Ganz wie die Briten, deren Tagesablauf vom „Early morning tea“ bis zum berühmten „five o’clock tea“ thematisch durchgetaktet ist.

Zeit für „Tea Time“

Mit der „Tea Time“ nimmt man es sowohl bei „Tête à Tee“ als auch im ältesten Teegeschäft Wiens, Jäger-Tee gegenüber der Staatsoper, wörtlich. Und zwar mit Betonung auf „Zeit nehmen“. „Sie werden es spüren, Tee genießen hat etwas Entschleunigendes“, so Eva Horvath.

Christoph Masin von Jäger-Tee kann dem andernorts nur zustimmen: „Es heißt ja nicht zufällig, den Tee ziehen lassen im Sinne von ,sich Zeit nehmen’.

Dasselbe meint auch das alte Sprichwort „Abwarten und Tee trinken“. Darüberhinaus weist es auf die ursprüngliche Verwendung von Tee hin: als heilendes Getränk. Denn vermutlich war es genau diese Redewendung, die unwirsche Kranke ermahnen sollte, zuerst den Kräutertee zu trinken und dann die Ausheilung abzuwarten.

Wenn also heute jemand japanischen Matcha-Latte-Tee trinkt, um den Trend zum Detox-Tee nicht zu verpassen, weiß er nun, dass alles schon einmal da war. Wirklich fast alles, denn bevor Tee geschlürft wurde, gab es nur zwei Flüssigkeiten, derer sich die Menschen erfreuten – Wasser und Milch.

T-Room, Teekleid & „Tee Races“

Aber das heiße Aufgussgetränk ist mehr als nur eine Wohltat. Es ist das – nach Wasser – am zweithäufigsten konsumierte Getränk auf der Welt. Und das sorgt naturgemäß für eine Fülle von Sorten – und viel Gesprächsstoff. Natürlich, ob man es neben dem Grünen Tee vielleicht auch einmal mit einem Weißen versucht, muss jeder für sich entscheiden.

Der Vielfalt zwischen zarten, wenig Teein beinhaltenden Sorten und einem kräftigen Assam sind jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Experimentierfreudige müssen sich zwar Corona-bedingt noch gedulden, bis etwa Jäger-Tee zum Verkosten wieder seinen legendären „T-Room“ öffnet.

Täglich ab 15 Uhr kann man sich aber bei Eva und Peter Haas am Stephansplatz beim „Afternoon Tee“ all den Köstlichkeiten hingeben, die in einschlägigen Kreisen zum guten Ton zählen: einer Kanne Tee samt einer Etagere mit „Scones“ mit Marmelade und Mascarpone, Teekuchen und Petits fours.

Nach einer Visite bei „Tête à Tee“ hallen immer Geschichten und Anekdoten nach, die Eva Horvath rund um den Tee zu erzählen weiß. Abenteuerlich riskant waren demnach „Tea Races“, die Wettbewerbe zwischen den Klippern im Handel mit China, um die erste Teeernte der Saison nach London zu bringen. Da seine Bedeutung für diesen Handel so immens war, gibt es sogar Bestrebungen, die als „Opiumkriege“ bekannten Konflikte zwischen englischen Händlern und China in „Teekriege“ umzumünzen.

Selbst Emilia Flöges „Reformkleid“ müsste „Tee-Kleid“ heißen, weil Klimts Muse es für den Ausflug zum Teesalon entworfen hat. Tja, wie gesagt, Tee hat es in der Tat in sich.

Tête à Tee: Fantasie muss man haben. Hier hören die Mischungen auf Namen wie „Hemingway“, „Josephine“,  „Naomi“ oder „Platon“.
 www.teesalon.at

Jäger-Tee: Der Tee-Spezialist eröffnete anno 1862 seine Pforte, die Wiener Staatsoper gegenüber erst sieben Jahre später. Zur Wahl stehen über  300 Sorten. Der „T-Room“ für Verkostungen ist im Moment Corona-bedingt geschlossen.
www.jaegertee.at

Haas & Haas: Vis-a-vis dem Stephansdom dem  Afternoon-Tea zu frönen, hat schon was.   
www.haas-haas.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.