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freizeit Essen & Trinken
05/20/2020

Keimschleuder Küchenschwamm: Reinigen in der Mikrowelle?

Spülschwämme sind wahre Keimschleudern. Bis zu 54 Milliarden Bakterien sitzen in einem Kubikzentimeter Schwammgewebe.

von Anita Kattinger

Was Dich nicht umbringt, macht Dich härter: Das gilt für die Bakterien auf Ihrem Küchenschwamm, falls Sie ihn in der Mikrowelle reinigen. Aber zuerst die gute Nachricht: Das Reinigen in der Mikrowelle funktioniert ausgezeichnet, bis zu 99,99999 Prozent aller Schwamm-Bakterien werden im Mikrowellenherd getötet.

Und nun zur schlechten Nachricht: Die restlichen, überlebenden Bakterien wachsen schnell wieder hoch. Wiemsich eine regelmäßige Mikrowellen-Behandlung auf die Zusammensetzung der Mikrobengemeinschaft in einem Spülschwamm auswirkt, war bisher unbekannt. Wissenschafter der deutschen Hochschule Furtwangen und der niederländischen Uni Gießen und Wageningen wollten es jetzt genau wissen.

Bis zu 54 Milliarden Bakterien sitzen in einem Kubikzentimeter Schwammgewebe: Für die Studie wurden 20 neue Spülschwämme an die Teilnehmenden ausgegeben. Zehn zufällig ausgewählte Teilnehmende sollten ihren mit Spülwasser angefeuchteten Schwamm zwei- bis dreimal die Woche einer einminütigen Mikrowellenbehandlung bei maximaler Wattzahl (800 bis 1200 Watt) unterziehen.

Nach vier Wochen normaler Benutzung in der Küche wurden die Schwämme eingesammelt und untersucht.

Nach der Mikrowelle zeigten die Bakterien höhere Stoffwechselleistungen

"Wir waren total überrascht, was wir neben Bakterien noch so alles an Mikroorganismen in den Schwämmen entdecken konnten: Bakterien-befallende Viren, das Treibhausgas Methan bildende Archaeen, Pilze und einzellige Tiere, wie zum Beispiel Amöben. Bakterien waren aber mit Abstand die häufigsten Organismen", so der Studienleiter Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen Mikrobiologie und Hygiene lehrt.

Die regelmäßig in der Mikrowelle behandelten Schwämme zeigten eine deutlich andere Zusammensetzung ihrer bakteriellen Gemeinschaft als die unbehandelten Schwämme. Die Artenanzahl war reduziert, die Vielfalt an potentiellen Stoffwechselleistungen aber tendenziell erhöht.

Dies kann man als einen Schutzmechanismus gegen den Mikrowellenstress interpretieren. Mit der Zeit können so Mikrobengemeinschaften entstehen, die sich schwerer aus dem Schwamm entfernen lassen. Für die Untermauerung dieser These, brauche es aber weitere Studien.

Keine Unterschiede zeigten sich bei bakteriellen Genen, die mit der Auslösung von Krankheiten beim Menschen in Verbindung stehen.

Eignet sich die Mikrowelle zum Reinigen?

Laut Wissenschafter sind Spülschwämme prinzipiell aus hygienischer Sicht kein sinnvolles Reinigungswerkzeug für Küchentätigkeiten. Es schadet nicht, diese in der Mikrowelle zu reinigen.

Anstatt sie so immer wieder zu reinigen, sollten sie alle ein bis zwei Wochen in der Küche ersetzt werden. Die Wissenschafter empfehlen sie danach nur für Arbeiten im Haushalt zu benutzen, an die geringere Hygieneanforderungen gestellt werden wie für die Gartenarbeit.