© Schloss Gobelsburg/michael moosbrugger

freizeit Essen & Trinken
05/30/2021

850 Jahre Weingut Schloss Gobelsburg: Ein Kreuzgang für reife Weine

Auf Schloss Gobelsburg baute man zum Jubiläum einen neuen Weinkeller, der auch die nächsten 500 Jahre überdauert.

Seit dem Jahr 1147 befinden sich die Weingärten von Schloss Gobelsburg im Besitz des Stifts Zwettl, seit 25 Jahren leitet Michael Moosbrugger den international erfolgreichen Betrieb. Ein Gespräch, wie ein Weingut Jahrhunderte und Moden überdauert, warum reife Weine gefragter werden und wie man fünfzig Wein-Jahrgänge zu einem Jubiläums-Cuvée vereint.

KURIER: Kann man 50 Jahre Gobelsburg überhaupt in einer Flasche einfangen?

Michael Moosbrugger: Wir haben eine Vinothek, die bis in die 1940er-Jahre reicht, solche kann man in Österreich an einer Hand abzählen. Ich habe mit den Zisterziensern von Stift Zwettl besprochen, ob man zum Jubiläum nicht einen besonderen Wein keltern sollte. Als eine Rückschau, die die vergangenen 50 Jahre zeigt und gleichzeitig den Donauraum abbildet. Aber auch die Rebsorten, wie wir sie aus dem Gemischten Satz kennen. In den 1970er-Jahren gab es ja noch eine große Bandbreite an Weinsorten. Ein Drittel der Weine stammt aus den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren, ein Drittel aus den Nullerjahren und ein Drittel aus den Zehnerjahren.

Was ist im Jubiläumsjahr für Sie am wichtigsten?

Das Entscheidende ist, dass wir auf Schloss Gobelsburg die kontinuierliche Arbeit von 850 Jahren sehen. Das bedeutet aber nicht, dass wir musealen Charakter haben. Heute ist es ein Weingut auf internationaler Basis, zwei Drittel der Produktion exportieren wir weltweit in fünfzig Länder. Ein Weingut kann aber nur dann so lange überdauern, wenn es den Ausdruck seiner Zeit findet.

Wie ist denn der Ausdruck der Gegenwart?

Er repräsentiert die Weine des Donauraums und wir versuchen diesen typischen Charakter nach außen zu tragen. Wir leben einerseits den klassischen Stil, suchen aber immer auch einen zeitgemäßen Ausdruck. Der Weinbereich ist unglaublich von modischen Trends geprägt, bei denen unterschiedliche Aspekte in den Fokus geraten. Oft wird versucht, das bis zum Extrem auszuleben.

Was war etwa am Beginn Ihrer Arbeit vor 25 Jahren Trend am Weinsektor?

Damals kamen extrem reduktive, fruchtdominierte Weine auf den Markt, bei denen man in allen Bereichen der Vinifikation unter Luftabschluss gearbeitet hat. Der nächste Trend waren dann Barrique-Fässer, zuerst kamen die Weine einmal in diese Fässer, später zwei Mal. Das ging dann weiter bis zu den Naturweinen von heute, wo man glaubt, den Wein neu erfunden zu haben.

Welche Trends haben Sie mitgemacht?

Gobelsburg ist kein Weingut, das an vorderster Front bei Trends mitmacht. Es ist aber immer ein Adaptierungsprozess, den man aufgreift. Wir bemerken, dass die Nachfrage nach reifen Weinen seit zehn Jahren ansteigt. Wir können der Nachfrage gar nicht mehr nachkommen. Das ist insofern interessant, dass Österreich dafür bekannt ist, möglichst junge Weine zu haben. Da ändert sich gerade etwas.

Worauf ist das zurückzuführen?

Ich glaube, es setzen sich mehr Menschen mit Wein auseinander und es gibt mehr Möglichkeiten, reifen Wein zu verkosten. Was das Reifen anbelangt, hat der österreichische Wein unglaubliches Potenzial, das ist eine seiner Stärken.

Welches Konzept verfolgen Sie bei den reifen Weinen auf Schloss Gobelsburg?

Wir wollen von der Rebsorte weggehen und die Typologie der Reife in den Mittelpunkt stellen. Die ersten Traditionsweine ab 2001 waren geprägt von einem Rebsortenkonzept. Es gab zum Beispiel immer einen Grünen Veltliner. Ich habe aber festgestellt, dass immer wieder Weine sehr lange im Keller im Fass gelagert wurden und begonnen, Weine erst nach einigen Jahren zur Abfüllung freizugeben.

Gehört die Kellererweiterung ins Gesamtkonzept?

Wir haben vor zehn Jahren begonnen, Weine im Fass zu lagern, irgendwann wird der Platz sehr eng. Für eine Kellererweiterung gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. In Frankreich und Spanien werden oft Stararchitekten engagiert, die etwas Futuristisches hinzaubern. Ich fand, das hätte nicht gepasst. Wir begehen ja 850 Jahre klösterliches Weingut. Daher haben wir uns überlegt, ob man den klösterlichen Charakter auch auf das Weingut übertragen könnte. Die Idee entstand aus dem strengen Zisterzienser-Bauprinzip: Rund um einen Innenhof mit Kreuzgang schließen alle Räume des Klosters an. So entstand die Idee, als Zentrum des Kellers einen Kreuzgang zu gestalten, um den alle Räume des Weinguts angeordnet sind. Der Keller sollte imstande sein, mindestens 500 Jahre zu überstehen.

Ist das nicht ein sehr hoher Anspruch?

Ich glaube, er ist legitim für so ein altes Gebäude. Wir konnten keinen Stahlbeton verwenden, denn dieser überdauert nur hundert Jahre. Wir haben ausschließlich mit historischen Materialien wie Ziegel und Stein gearbeitet. Es kostet natürlich mehr und dauert länger, aber es hat sich ausgezahlt.

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