© Kurier/Gilbert Novy

Arik Brauer (1929-2021)
01/30/2021

Arik Brauer: Abschied von einem Freund und Meister

Otto Schenk, Marianne Mendt und Waterloo sagen dem großen Künstler in der FREIZEIT Lebewohl.

Arik Brauer war nicht nur Maler, Musiker, Dichter und Lehrer. Der Mitbegründer des Phantastischen Realismus und des Austropop faszinierte neben seinem künstlerischen Schaffen vor allem durch seine friedvolle Stimme für Freiheit, Demokratie und Solidarität – nicht zuletzt mit dem  Lied „Sein Köpferl im Sand“. Jetzt hat er sich auf die letzte Reise begeben: in eine der zwei Ewigkeiten, wie er  das Nicht-Existieren mit seinen letzten Worten nannte.

Dieses Bild suchte ARIK BRAUER im September 2020 für die FREIZEIT zum Thema Lebensfreude aus: „Die Menschheit hat viele Katastrophen überlebt, Eiszeiten, Vulkane, Erdbeben und Seuchen. In dieser eisigen Gletscherlandschaft explodiert ,Die Bunte Hoffnung’ wie ein befruchtetes Ei und ist nicht mehr aufzuhalten: Es ist die Überwindung der Kälte durch den Frühling, ein Siegeszug der Liebe gegen den Tod. Lebensfreude ist körperliche Gesundheit, Harmonie mit der Familie und der Erfolg im Beruf und im Wirken.”

Regisseur und Schauspieler Otto Schenk über seinen besten Freund und langjährigen Wegbegleiter.

Freizeit: Was haben Sie gemeinsam mit Arik Brauer erlebt und werden es nie vergessen?

OTTO SCHENK: Unsere Gespräche. Letzte Woche hatte ich noch ein finales Telefongespräch mit ihm. Da beschloss er, sich sterben zu lassen. Sein Problem war, dass er nicht wusste, wie er es seiner Frau sagen sollte, er wollte ihr nicht wehtun. Er war ein Mensch, mit dem ich alles Gescheite leben konnte. Mit dem ich über alles reden konnte: über Israel, den Kommunismus, die Nazis. Das ist mir jetzt alles weggebrochen. Arik war fern von jeglichem Hass. Er hat seine eigene Kunst durchgebracht, das Können der alten Meister wollte er nie verleugnen. Er steuerte seine Bilder zwischen Anerkennung und Verachtung durch und schuf damit eine eigene Epoche.

Haben Sie weitere persönliche Erlebnisse oder Anekdoten zu erzählen?

Schenk: Nein, keine Anekdoten, nur Gespräche! Er war mein wichtigster Gesprächspartner, meine letzte Instanz. Ich war stolz, wenn er das, was ich tat, für gut befand. Er war der Schiedsrichter meiner Werte! Seit Prawy hatte ich keinen Freund mehr wie ihn. Nur Bergtouren konnte ich nicht mit ihm machen, die waren mir zu gefährlich, da zitterte ich um ihn, ging selbst nie mit. Ich habe ihn von der anderen Seite, nicht von der anekdotischen, sondern von der ernsten, lieber gehabt. Ich wollte ihn lieber in der Gescheitheits- und Weisheitsliste führen, nicht in der komödiantischen, anekdotischen. Er war kein Kumpel, sondern ein Freund.

 

Waterloo über Arik Brauer: Vor genau 50 Jahren kreuzten sich die Wege der Austropopper der ersten Stunde.

„Ob es  die ORF-,Show-Chance’ war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Jedenfalls kreuzten sich 1971 erstmals unsere Wege. Als Waterloo & Robinson hatten wir Linzer mit ,Du kannst sehen’ unseren ersten kleinen Erfolg. Arik startete mit ,Sie hab’n a Haus baut’ und ,Sein Köpferl im Sand (Hinter meiner, vorder meiner)’ voll durch. In Mundart! Das hätten wir uns nicht getraut.

In Wien wurden wir ja mit unserem Look und unseren Songs anfangs eher skeptisch beäugt. Aber Arik sagte von Anfang an: ,Die Burschen können was, die gefallen mir.’ Er war wie ein Lehrmeister für uns, denn er zeigte uns, was  man mit Fantasie alles machen und was mit ihr möglich sein kann. Bei ihm passte alles zusammen: die Seele, die Lieder, seine Bilder und  das Herz. Meine Frau Andrea lernte  ihn ebenso als liebevollen Menschen kennen, in der Dom-Galerie Wiener Neustadt. Dort kümmerte er sich auch um sie als kleine Fotografin und nicht nur um die Vernissagegäste. Er war ein herzensguter Mensch."

 

Marianne Mendt: Die Jazzsängerin und Schauspielerin gilt mit ihrem 1970 erschienenen Superhit "Wia a Glock'n" auch als Geburtshelferin des Austropop.

"Arik Brauer habe ich zwar lange, aber leider nicht sehr gut gekannt. Wir sind einander bei diversen Vernissagen, Premieren etc. immer wieder begegnet und ich habe ihn als besonders freundlichen, fröhlichen und zuvorkommenden Mann gesehen, der, und ich glaube nicht, daß das gespielt war, sich gefreut hat, mich zu sehen (mir ging es übrigens genauso). Aber leider waren es viel zu wenige Gespräche, die wir geführt haben.

Mir wird in Erinnerung bleiben, dass er ein f e i n e r Mensch war und das ist eine Spezies, der man leider selten begegnet."

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