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04/20/2021

Was sind Energiegemeinschaften und warum sind sie so wichtig?

Damit Österreich die angestrebten Klimaziele erreicht, gilt es auch beim Strom innovative Wege zu gehen. Wie diese aussehen könnten, zeigt ein Innovationslabor.

Steckdose, Kabel, Handy aufladen: Läuft. Hand auf's Herz, wann haben Sie zuletzt nachgedacht, wie der Strom bis zur Steckdose kommt? Dabei ist die Art der Stromversorgung ganz entscheidend dafür, etwa die im Pariser Klimaabkommen gesteckten Ziele einzuhalten. Im März wurde im Ministerrat das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) beschlossen. Damit wird bis 2030 jährlich eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, um bis dahin 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Das EAG ermöglicht und fördert erstmals Energiegemeinschaften, die ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende sind.

Was sind Energiegemeinschaften?

Angenommen, auf dem Dach Ihres Einfamilienhauses ist eine Photovoltaikanlage installiert, die an sonnigen Tagen sehr viel Energie produziert. Ihre Nachbarin hingegen gewinnt Energie aus einem kleinen Wasserkraftwerk, insbesondere nach Niederschlägen. Sowohl Sie als auch Ihre Nachbarin brauchen aber unabhängig vom aktuellen Wetter Strom. Mit dem EAG wird es nun erstmals möglich, Energie in der Gemeinschaft zu erzeugen, zu verbrauchen und zu speichern. Das kann im örtlichen Nahebereich sein oder auch überregional. Mehrere Bürger aus unterschiedlichen Bundesländern investieren gemeinsam in eine erneuerbare Energieanlage und verbrauchen den erzeugten Strom rechnerisch bzw. virtuell gemeinsam.

Das Projekt „Blockchain Grid“ geht der Frage nach, wie die Netzeinspeisung von Strom, der von unterschiedlichen Erzeugern bpsw. in einer Energiegemeinschaft produziert wird, am besten lokal gespeichert und verbraucht werden kann. 12 beteiligte Pilothaushalte produzieren Photovoltaik-Strom, speisen ihn für den späteren Abruf in den Gemeinschaftsspeicher ein oder bieten ihn innerhalb der Gemeinschaft zum Verkauf an. Klare Erkenntnis: Sobald es die rechtlichen Rahmenbedingungen erlauben (Clean Energy Package), kann jeder Kunde pro Jahr 500 Euro sparen. Mehr Infos zum Projekt

Welche Vorteile bieten Energiegemeinschaften?

Anstatt nur passiv Strom zu nutzen, wird die Bevölkerung aktiver Teil der Energiewende. Wer lokal erzeugte Energie aus der Energiegemeinschaft verbraucht, trägt zur lokalen Wertschöpfung bei und hilft beim Erreichen von Klimazielen. Energiegemeinschaften machen weniger überregionalen Stromtransport notwendig, was auch ein wichtiger Eckpfeiler im zukünftigen Energiesystem ist. Die Region oder Gemeinde wird autonomer, die Netzgebühren für Mitglieder geringer.

Wer kann das umsetzen?

Zugegeben, eine Energiegemeinschaft zu gründen ist etwas komplexer als eine Glühbirne in die Fassung zu schrauben. Um die Einstiegsbarriere zu verringern, etablieren die Energieerzeuger Beratungsangebote und Servicestellen.

Zudem arbeiten schon einige kluge Köpfe an Projekten für nachhaltige Energiegewinnung und für größere Akzeptanz von innovativen Lösungen, die im Folgenden vorgestellt werden sollen.

Innovative Projekte

Das Projekt Regionale Erneuerbare Energiezellen untersucht in drei Musterregionen in Österreich, wie der Anteil erneuerbarer Energie in lokalen Energiegemeinschaften erhöht werden kann. Außerdem geht es der Frage nach, wie viel und welche Informationen die Bevölkerung benötigt und wie Vorbehalte (etwa gegenüber Kosten oder Datenschutz) abgebaut werden können.

Smart Meter liefern mit ihren Daten wertvolle Informationen für EndkundInnen, Netzbetreiber und Energieversorger

Patricia Jasek | Forschung Burgenland, Projektleiterin SmartU

SmartU ist die gemeinschaftliche Entwicklung einer Umgebung, die das volle Potenzial von Smart-Meter-Daten für alle relevanten Stakeholder, Endkunden, Energieversorger und Verteilnetzbetreiber ausschöpft. Für Betreiber von Stromnetzen ist beispielsweise die Sicherstellung der Netzstabilität und die Vermeidung von Stromausfällen von besonderer Bedeutung. Die echtzeitnahen Daten können allerdings auch eingesetzt werden, um Kunden bei einem nachhaltigeren Verbrauchsverhalten und beim Energiesparen zu helfen.

Um Siedlungsgebiete nachhaltig zu versorgen, braucht es einen optimalen Mix an technischen, ökonomischen und sozialen Maßnahmen

Georg Lettner | Technische Universtität Wien, Projektleiter Hybrid LSC

Vielversprechend ist auch das Projekt Hybrid LSC. Hier geht es einerseits um die bekannten Ansätze in Energiegemeinschaften durch Teilen von Energie, wie gemeinsame Energieerzeugung, - nutzung und - speicherung, und andererseits um gemeinsame Nutzung von anderen lokalen Ressourcen wie Wärme, Kälte, Mobilität, Wasser und Abfallentsorgung. Bei einem Standort in Wien z.B. fungiert erstmals die Bauteilaktivierung eines Gebäudes als Speicher für das öffentliche Fernwärmesystem.

Österreichs größtes Innovationslabor

Wer bringt Ideengeber, Forscherteams, Startups, Energieversorger, Kapitalgeber und die öffentliche Hand an einen Tisch? Das ist die Aufgabe von Green Energy Lab, Österreichs größtem Innovationslabor für eine nachhaltige Energiezukunft. Die Energieversorger im Burgenland, in Niederösterreich, in der Steiermark und in Wien ziehen mit rund 200 Partnern an einem Strang, um technologische Einzellösungen zu einem flexiblen und effizienten System weiterzuentwickeln, das ausschließlich auf erneuerbarer Energie beruht. Ein Open Innovation Prozess ermöglicht den raschen Zugang zu Wissen und Technologie. 

Das alles folgt der Prämisse, dass die von Green Energy Lab unterstützten Lösungen Nutzen für die Endkonsumenten stiften. Für die Energiewende müssen die Innovationsprojekte die Marktreife erreichen. Bis 2025 sollen dafür mehr als 150 Millionen Euro investiert werden - ein wesentlicher Beitrag für eine grünere Zukunft.

Detaillierte Beschreibungen von den aktuell laufenden Projekten sind hier zu finden: greenenergylab.at/projekte

Ideen gesucht

Im Rahmen der FTI Initiative Vorzeigeregion Energie sucht Green Energy Lab neue Projektideen für die Energiezukunft. Alle Infos zum Einreichprozedere finden Sie hier: greenenergylab.at/ausschreibung-vorzeigeregion-energie

 

„Wir wollen das Burgenland zur ersten klimaneutralen Region der Welt machen“

Stephan Sharma, Geschäftsführer der Energie Burgenland  nebst EVN, Energie Steiermark und Wien Energie eines der vier Gründerunternehmen des Green Energy Labs– im Gespräch über Energiegemeinschaften und Pilotprojekte.

Welche Bedeutung haben Energiegemeinschaften aus Ihrer Sicht für unsere Energiesysteme?

Sharma: Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, müssen alle im Boot sein. Mit den Energiegemeinschaften können mehr BürgerInnen als bisher eine aktive Rolle im Energiesystem spielen - und vor allem nicht nur jene, die sich eine eigene PV-Anlage leisten können. Gemeinsam können wir so den überregionalen Stromtransport und Stromimport reduzieren. Es geht aber letztendlich auch darum, dass jede und jeder Einzelne sich der eigenen Verantwortung für eine grüne Energiezukunft bewusst wird. Es ist unser Beitag, den wir zur Klimawende leisten können. Und es sind unsere Kinder, für die wir diese Anstrengung unternehmen.

Die sogenannten „Prosumer“ sind bei Energiegemeinschaften essentiell. Sind die BurgenländerInnen fleißige EnergieerzeugerInnen?

Die Burgenländerinnen und Burgenländer ziehen schon seit Jahren mit uns an einem Strang in Sachen Windkraft und Photovoltaik. Das ist die beste Voraussetzung für unser Vorhaben, das Burgenland zur ersten klimaneutralen Region der Welt zu machen. Viele wollen Teil der Energiewende sein und wissen, dass sie auch die regionale Wertschöpfung erhöhen, wenn sie lokal erzeugte Energie von anderen Teilnehmern in einer Energiegemeinschaft verbrauchen. Das haben uns die Gespräche mit unseren Kunden klar gezeigt. Aber dieses Vertrauen unserer Kunden ist auch ein Auftrag für uns als Unternehmen: Wir wollen dieses Vertrauen durch leistbare Produkte mit fairen Preisen zurückzahlen.

Ihr Unternehmen hat bereits Projekte mit Energiegemeinschaften umgesetzt – wie ist hier die Resonanz?

Wir haben sehr viele Informationen gewonnen und sehr gutes Feedback erhalten. Eine wichtige Erkenntnis: Es bedarf vieler unterschiedlicher Varianten, die den jeweils optimalen Mix an technischen, ökonomischen und sozialen Elementen umsetzen. Energiegemeinschaften sind so individuell wie die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden. Damit können wir aber auch maßgeschneiderte Lösungen für das optimale Ergebnis bieten.

Wir haben dafür einerseits in der Energie Burgenland Pilotprojekte mit auserwählten KundInnen am Laufen, die uns unmittelbar die Anwendungsfreundlichkeit unserer Lösungen und Angebote zeigen. Diese werden bald auf den Markt kommen. Andererseits sind wir Teil vieler Forschungsprojekte über unser Innovations-Labor Green Energy Lab, in denen wir die neusten technischen Möglichkeiten erproben: vom Blockchain-Einsatz bis hin zur intelligenten Nutzung von Smart Meter Daten.

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