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UBM Development
04/14/2020

Zu Gast im Kunstwerk

Im südfranzösischen Arles wurde eine alte Kirche in ein Kunsthotel verwandelt. Die Gäste des kleinen Hotels Le Collatéral werden hier zu Protagonisten eines Gesamtkunstwerks.

Im südfranzösischen Arles wurde eine alte Kirche in ein Kunsthotel verwandelt. Die Gäste des kleinen Hotels Le Collatéral werden hier zu Protagonisten eines Gesamtkunstwerks.

Die Nachbarn aus den umliegenden Straßen staunten nicht schlecht, als unter einem Mantel aus Beton die originale Kirchenfassade aus dem 18. Jahrhundert zum Vorschein kam. Ein Teil des Betons wurde stehen gelassen, er soll auch in Zukunft an die unterschiedlichen Bestimmungen erinnern, die das Gebäude bislang hatte – Kirche, Varieté und Möbelgeschäft bis hin zu seinem jüngsten Kapitel als Kunstherberge. Le Collatéral im südfranzösischen Arles ist viel mehr als ein Hotel mit vier Zimmern und der meditativen Stille eines Sakralbaus. Es ist ein erlebbares Gesamtkunstwerk. Eine andauernde Performance. Ein Triumph des spontanen künstlerischen Ausdrucks.

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Prämiertes Kunsthotel

Mit der großzügigen Nutzfläche von 800 Quadratmetern verfügt das Le Collatéral über mehr öffentliche als private Räume. Die Beziehung zwischen den Besuchern und der Kunst steht überall im Mittelpunkt. Fragt man den Gastgeber Philippe Schiepan, nach welcher Methode er bei der Gestaltung des Hotels vorgegangen ist, antwortet er: „Keine Methode. Nur Gefühl.“

Vor rund zehn Jahren kaufte der Kurator, Architekt und Visionär gemeinsam mit seiner Frau Anne-Laurence Schiepan das geschichtsträchtige Bauwerk am Place Joseph Patrat. War dieses Chambre d’hôtes anfangs ein Geheimtipp unter Kunstliebhabern, zählt es mittlerweile zu den 15 besten Kunsthotels der Welt. „Den Menschen gefällt es, in einem Kunstwerk zu sein und doch das Gefühl zu haben, dass alles um einen herum sehr natürlich und gemütlich ist. Dass es ganz einfach ist, inspiriert zu sein und zu leben“, bringt es Schiepan auf den Punkt.

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Der Hotelier als Regisseur

Schiepan, der für den Großteil der Lichtinstallationen im Hotel verantwortlich ist, zieht einen cineastischen Vergleich heran, um seine Berufung zum Hotelier zu beschreiben: „Das Hotel ist für mich wie ein Film. Man muss ihn schreiben, sich ein Filmset und Szenen ausdenken. Wenn die Handwerker an der Arbeit sind, ist das der Filmdreh. Und die Gäste sind dann das Publikum.“ Als Regisseur seines Hotels schafft er es immer wieder aufs Neue, seine Gäste in den Bann zu ziehen.

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Anstatt auf die Konservierung einstiger Grandeur zu setzen, transformierte Schiepan die Struktur in einen hybriden Raum, in dem neben der Beherbergung von Gästen auch Ausstellungen, Workshops und Artist-in-Residence-Programme Platz finden. Die meisten Kunstwerke im Collatéral sind Auftragsarbeiten, die vor Sichtbetonwänden und Ziegelmauern ausgestellt sind.

Kunst abseits der Galerien

Teils sind es regionale Künstler, die einen engen Bezug zur Gegend haben, teils kommen sie von überall her. „Meistens holen wir die Künstler selbst ins Hotel“, erklärt Schiepan. „Es ist ein sehr natürlicher Zugang, nah am Leben. Man trifft Menschen und man möchte etwas zusammen machen. Das heißt, die Beziehung steht hier im Vordergrund. Wir sind keine Galerie, und wir wollen auch keine sein.“

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Galerien gibt es im angesagten Viertel La Roquette nämlich schon überaus viele. Die mittelalterliche Stadt in der Provence entwickelt sich immer mehr zum Kunst-Hotspot, seit die Pharmaerbin Maya Hoffmann in den multidisziplinären Kunstpark Luma Arles investiert hat. Aber Arles war auch früher schon ein Inspirationsort, der Kunstschaffende angezogen hat. Van Goghs berühmte Farbpalette orientierte sich am besonderen Licht in der Stadt.

Über den Dächern der Stadt

Die Farben im Inneren von Le Collatéral sind dem Naturpark Camargue abgeschaut – Ocker, Grau, Blau und Gold, die für das Schilf, das Salz, das Wasser und den Sand stehen. Die Möbel im Salon wirken wie eine raumfüllende, stimmige Installation, haben neben ihrer Form aber auch eine eindeutige Funktion: Gäste treffen sich hier zum Sinnieren, Plaudern, Lesen und Essen.

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Den Frühstückskorb mit regionalen Spezialitäten lässt man sich am besten auf der Dachterrasse servieren. Beim Blick über die Dächer der mittelalterlichen Stadt schließt sich nämlich der Kreis der architektonischen und künstlerischen Entdeckungen.

Text: Gertraud Gerst

Fotos: Le Collatéral

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