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11/23/2020

Wie aus dem Ei gepellt!

Weil ein britisches Architekten-Paar die moderne Architektur satt hat, hat es sich für sein „Dolmen Shelter“-Hotel an der Natur orientiert.

Wenn man zynisch wäre, würde man den Namen „Dolmen Shelter“, den Davit und Mary Jilavyan ihrem Entwurf gegeben haben, genüsslich zerpflücken. Man könnte zum Beispiel daran erinnern, dass „Dolmen“ eigentlich alte Grabstätten sind, so genannte Megalithgräber. Ein Bild, das gerade für ein Mini-Boutique Hotel nicht zwingend geglückt ist. Möchte man meinen.

Dolmen Shelter als mystisches Mini-Hotel

Aber man braucht gar nicht zynisch zu sein, um diesen Link zu generieren. Denn das Architekten-Paar hat das ganz und gar selbst erledigt. Tatsächlich bezieht sich der Name „Dolmen Shelter“ ihres Hotels in spe ganz und gar auf diese steinalten mystischen Grabstätten.

Denn ursprünglich wollten die zwei sogar tatsächlich große, den sagenumwobenen Steinen nachempfundene, Betonblöcke übereinander stapeln: „Wir dachten zu Beginn, die Idee, die Gebäude aus verschiedenen Blöcken zu bauen, würde beim Errichten helfen. Das war aber genau umgekehrt der Fall“, erinnern sich die Jilavyans heute zurück. Also haben die zwei nur die unteren „Steine“ ihrer Kultstätten-Vorlage in ihr Hotel-Konzept übernommen.

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Aber sehen wir uns das einmal genauer an: Im Grunde handelt es sich bei "Dolmen Shelter" um drei nebeneinander platzierte, unregelmäßige und vor allem überdimensionale Eier. Jedes bietet laut Plänen zwei Personen gemütlich Wohnraum. Sowohl Form als auch Anordnung der Eier beziehen sich zudem auf einen realen Ort in der Nähe des Wohnortes von Davit und Mary, wie sie selbst berichten:

„Wir waren eines Tages in der Nähe unseres Hauses spazieren, als wir an einer außergewöhnlichen Stein-Komposition vorbeikamen. Drei Steine, die imposant in den Himmel ragten. Wir fingen beide sofort an, darüber nachzudenken, wie wir dieses Bild für unsere Arbeit verwenden können.“ So kamen sie also auf die Idee, mit ihrem Architektur-Studio LEMEAL das heute als „Dolmen Shelter“ bekannte Projekt zu entwickeln.

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Tatsächlich spielte diese natürliche Formation den beiden in die kreativen Hände: „Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits der modernen Hausprojekte überdrüssig“, erzählen sie.

Weniger Licht, bitte!

Alle würden wie Aquarien aussehen. Vier Seiten aus Glas, zwischendurch Beton. Hell und clean. Eine Bauweise, die den beiden Briten so gar nicht zusagte. „Wir wollten keine von Licht gefluteten Räume mehr sehen“, postulierten sie damals. Und rechteckige Objekte stießen ihnen außerdem sauer auf.

Die Natur als ultimative Architektin

In Anbetracht der drei Steine, die auf besagtem Spaziergang vor ihnen auftauchten, fiel es ihnen dann wie Schuppen von den Augen: „Wir dachten uns: Die Form des Steins ist die Lösung! Alles, was von der Natur geschaffen wurde, ist perfekt. Menschen können diese Perfektion nie erreichen, aber wir können die Natur, den größten Schöpfer, sehen und von ihr lernen.“

Dolmen Shelter aus Beton und Gips

Eben deshalb hat „Dolmen Shelter“ nun also die Form, die es hat. Zwar vorerst nur auf dem Papier und auf den erstellten Renderings, allerdings wissen die beiden Architekten freilich bereits, wie diese Formen realisiert werden können: Die Form würde aus Stahlbeton errichtet und mit einer Gipshülle verkleidet werden. Diese kann man so bearbeiten, dass sie Naturstein zum Verwechseln ähnlich sieht.

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Auf diese Weise soll eine „höhlenartige Atmosphäre geschaffen werden“, erklärt das ungewöhnliche Duo. Und weiter: „Höhlen sind Orte, an denen unsere Vorfahren gelebt haben. Wir glauben, dass es Menschen Freude bereitet, diese archaischen Empfindungen zu wecken.“ Und das, wie sie betonen, in einem Raum, der aus heutiger Sicht trotzdem alles an Interieur zu bieten hat, was man zum Leben benötigt.

Reise in die Entschleunigung

Somit kann man sich nun auch ein bisschen vorstellen, wohin für die zukünftigen Bewohner von „Dolmen Shelter“ die Reise geht: In die Entschleunigung! Denn die beiden berichten weiter von ihrer Vision: „Wir glauben, dass die Menschen an solchen Orten von den gegenwärtigen nervösen Lebensweisen abstrahieren und sich auf sich selbst und ihre inneren Stimmen konzentrieren können. Um sich die verdiente Ruhe zu gönnen.“

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Jedenfalls aber sollen sich die Hotelgäste der Zukunft freilich nicht so fühlen, als wären sie in Wahrheit in einem Grab gefangen. Allerdings wollen die zwei Kreativen nicht ganz auf die Mystik ihrer imitierten Dolmengräber verzichten. Und so haben sie ein tiefrotes Lichtkonzept entwickelt, das gerade nach Sonnenuntergang die Szene in eine wahrlich geheimnisvolle Atmosphäre tauchen soll.

Das Rätsel der Dolmen

Schlusssatz von Davit und Mary Jilavyan persönlich: „Dolmen sind ein Rätsel. Ihre Entfremdung von allem anderen ist hypnotisierend, deshalb ziehen sie Menschen an. Und deshalb wollten wir unseren Gebäuden einige dieser Eigenschaften verleihen.“ Nun denn, gute Nacht.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Davit & Mary Jilavyan

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