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UBM Development | Anzeige
09/22/2020

Wenn der vertikale Wald wirklich erblüht

In Australien entsteht schon wieder ein „grünstes Hochhaus der Welt“. Was es von den meisten anderen Projekten entscheidet? Dieser „Urban Forest“ wird wirklich gebaut.

Wer die gewiss ganz großartige Architektur-Bubble aktuell ein bisschen kritischer unter die Lupe nimmt, dem wird recht bald eines auffallen: Seit die Pandemie unsere Welt im Würgegriff hält, lässt nahezu jedes Studio, das Rang und Namen hat, mit einem Post-Corona-Konzept aufhorchen. Da orientiert man sich bei der Planung von Siedlungen an Bienenstöcken, man sucht das Heil in Zauberalgen oder sich selbst versorgenden Minihäusern. Jedenfalls aber sucht die Architektur gerade die Nähe zu Mutter Erde.

Urban Forest mit Genehmigung

Das allerdings zumeist bloß auf dem Reißbrett. Denn nahezu alle dieser immer richtig spektakulären Bauvorhaben lassen eines vermissen: Den dafür notwendigen Bauplatz, die Baugenehmigungen und die Finanzierung.

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Das ist bei dem von Koichi Takada Architects soeben enthüllten „vertikalen Wald“ nun anders. Unter dem Namen „Urban Forest“ präsentierte der Star-Architekt höchst selbst die Pläne für ein fast vollständig begrüntes Hochhaus. Das Beste daran – Achtung, Spoiler: der Baustart ist bereits festgelegt.

Versteckter Superlativ

Aber zurück zu diesem bald Realität werdenden „vertikalen Wald“. Dabei handelt es sich um ein 30-stöckiges Hochhaus, das im Besitz des Bauträgers Aria Property Group 392 Wohnungen beinhalten wird. Die Wohnungen verfügen alle über eigene Balkone im Verandastil und haben Zugang zu einem Dachgarten mit einem Gemeinschaftspool, sowie einem öffentlichen Park im Erdgeschoss.

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Klingt jetzt alles andere als nach einem Superlativ. Wäre da nicht das imposante Begrünungskonzept, das Koichi Takada stolz ins Treffen führt. Die abgestufte Fassade wird nämlich mit 1.000 Bäumen und 20.000 Pflanzen verkleidet werden. Und das in einer ausgeklügelten und von Begrünungsexperten aufwändig zusammengestellten Kombination aus über 250 in Queensland heimischen Arten.

Grüner geht's nicht mehr

Also sagt der Meister-Architekt auch vollmundig: "Der ,Urban Forest’ ist wahrscheinlich das grünste, das wir mit den derzeitigen Begrünungs-Tools und Vorschriften, die uns zur Verfügung stehen, entwerfen können."

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Bevor wir nun also laut rufen: Die grüne Meerstadt von Architekt Luca Curci ist noch viel grüner! Und die „Symbiotischen Türme von Dubai“ auch, sollten wir uns den Satz des für seine Seriosität bekannten Architekten genauer ansehen.

Er spricht davon, das aus aktueller Sicht maximal Machbare realisieren zu wollen. Und das ist eben nicht ein schönes Rendering, sondern ein echter Bau, in dem man auch wohnen können soll. Was bei den vorhin genannten Projekten wahrlich eher in den Sternen als auf dem Erdboden steht.

Was Covid-19 mit dem Urban Forest zu tun hat

Also, zurück zu Takadas Urban Forest. Aufgeladen wird dieser trotzdem mit der Covid-19-Pandemie und ihren vielleicht doch irgendwo positiven Auswirkungen. So sagt Takada: „Nach Covid-19 denke ich, dass es eine großartige Gelegenheit ist, innezuhalten und umzudenken und nicht nur anzupassen, sondern das Paradigma von der industriellen zur natürlichen Lebensweise zu verändern.“

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Er ist davon überzeugt, dass wir durch diese weltweite Krise die einmalige Chance haben, harte und wie er sagt „tote“ Materialien wie Beton, Stahl und Glas gegen lebendige Baustoffe einzutauschen. „Kern der Corona-Krise ist die Erkenntnis, dass wir alle Lebewesen sind. Wir sind hier, um zu leben, und nicht, um dem Tod in irgendeiner Weise zu trotzen. Unsere Architektur sollte das Gleiche tun", so sein neu formuliertes Credo.

Grüner Beton und andere Späße

Und so wird der bauliche Kern von Urban Forest aus so genanntem grünem Beton bestehen. Das ist eine kohlenstoffarme Betonvariante, die um 40 Prozent weniger Zement enthält als herkömmlicher Beton. Der Beton wird zudem lokal bezogen, um die Emissionen weiter zu reduzieren.

Kern der Corona-Krise ist die Erkenntnis, dass wir alle Lebewesen sind. Wir sind hier, um zu leben, und nicht, um dem Tod in irgendeiner Weise zu trotzen. Unsere Architektur sollte das Gleiche tun.

Koichi Takada, Architekt

Auch orientiert sich das Planungsteam an den modernen Möglichkeiten der Modulbauweise. Diese wird derzeit durch den immer populärer werdenden Holzbau quasi täglich perfektioniert und verkürzt nicht nur die Bauzeit enorm, sondern lässt auch einen effizienteren Einsatz von Baumaterialien zu. Das wiederum führt zu einem geringeren CO2-Fußabdruck des gesamten Projekts.

Bau mit Super-Bio-Zertifikat

Zudem werden die Stein- und Ziegelelemente aus recycelten Materialien bezogen oder lokal beschafft. Das gesamte verwendete Holz wird außerdem FSC-zertifiziert sein (Forest Stewardship Council), um auch hier die maximal mögliche Nachhaltigkeit zu garantieren. Das Ziel dieses vertikalen Waldes ist es schließlich, ein Green-Star-Rating mit sechs Sternen zu erreichen. Eine Art Super-Bio-Zertifikate für Neubauten, also.

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Doch auch nach der Eröffnung soll das Gebäude auf intelligente Art und Weise mit seiner Umwelt korrespondieren. Deshalb wird in Urban Forest ein eigenes Touristenzentrum Einzug halten, in dem sich Besucher über die vielen unterschiedlichen Pflanzen an seiner Fassade informieren und etwas über Biodiversität und das dafür eigens entwickelte Gebäudedesign erfahren können.

Bauweise, die energiesparen hilft

So wirken die Stufenfassaden des Hochhauses nämlich organisch, skulptural und bieten so physische und visuelle Isolierung vor Sonne, Wind und Regen. Zudem bieten Himmelsgärten und Fassadenvegetation ebenfalls eine natürliche Wärme- und Sonnenisolierung.

Weitere nachhaltige Merkmale sind die integrierten Sonnenkollektoren zur Erzeugung erneuerbarer Energie, Gärten, die mit geerntetem Regen- und Grauwasser bewässert werden, der Kohlenstoffausgleich und die Verwendung von nachhaltig gewonnenen, hochwertigen und wartungsarmen Materialien.

Jedenfalls wird Urban Forest gebaut!

Alles Aspekte, mit denen auch die noch spektakuläreren Entwürfe von Koichi Takadas Kollegen punkten. Allein, er kann mit einem positiven Baubescheid samt einem für 2021 festgelegten Baustart wedeln. Und 2024 wird das dann vermutlich tatsächlich grünste Gebäude der Welt bezogen. Voll echt und wirklich.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Koichi Takada Architects

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