Eine Fassade so smart wie ein Phone

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Der von 3deluxe entwickelte neue Campus der FC-Gruppe in Karlsruhe brilliert mit einer Weltneuheit: Das Sonnenschutzglas für die Fensterflächen besteht aus Flüssigkristallen und lässt sich per Knopfdruck stufenlos abdunkeln und aufhellen.

Bahnbrechende Innovationen zeichnen sich ja oft dadurch aus, dass sie uns irgendwann in Fleisch und Blut übergehen. So können wir Generation X-ler uns noch genau an ein Leben vor dem Mobiltelefon erinnern. Doch mittlerweile erscheint selbst für unsere Eltern eine Existenz ohne den heute ständigen Anrufbegleiter unwirklich.

Ähnliches gilt für die Einstellung der Bildschirmhelligkeit beim Smartphone, die sich in vielen Fällen sowieso automatisch justiert. Selbst bei grellem Sonnenlicht haben wir stets die optimale Lichtstärke. So können wir Schriften und Bilder immer ordentlich erkennen. Dass dafür eine in den Glasaufbau verarbeitete Spezialfolie verantwortlich ist, wissen aber nur wenige.

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Die Fenster der neuen Firmenzentrale der FC-Gruppe setzen dank Flüssigkristallen neue Maßstäbe.

3deluxe sorgt für klare Sicht

Diese technologische Errungenschaft macht man sich nun erstmals bei einem Office-Gebäude zunutze. Ganz genau beim neuen Campus-Gebäude der FC-Gruppe im deutschen Karlsruhe. „In die Folie integrierte interaktive Flüssigkristalle ermöglichen eine sensorgesteuerte Reduktion des Licht- und Wärmeeintrags in das Gebäude. Und das, ohne dabei die freie Durchsicht zu beeinträchtigen“, erklärt das zuständige Architekturbüro 3deluxe. Der nachhaltige Effekt: „Trotz großflächiger Verglasung ohne bauliche Verschattungselemente muss das Gebäude auch im Hochsommer kaum gekühlt werden.“

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In die Folie integrierte interaktive Flüssigkristalle ermöglichen eine sensorgesteuerte Reduktion des Licht- und Wärmeeintrags in das Gebäude, ohne dabei die freie Durchsicht zu beeinträchtigen.

von Die Architekten von 3deluxe

Umgesetzt hat das Spezialglas die Firma Merck mit ihrer Produktlinie eyrise®s350. Für den FC-Campus gab es dabei ganz individuelle Anforderungen zu erfüllen. Etwa ein bestimmtes Druckmuster zum Schutz vor Vogelschlag. Oder eine Spezialmischung der Kristalle, die sich von voll transparent zu bläulich verfärbt. Außerdem musste man verschiedene facettenreiche Formen produzieren, um „den organischen Formen der Glasöffnungen Rechnung zu tragen“, wie es vonseiten des Herstellers heißt.

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Freie Sicht für Mitarbeiter

Besitzer und Nutzer des Gebäudes ist die FC-Gruppe, die selbst im Ingenieursbereich tätig ist und sowohl an Infrastrukturanlagen für Porsche, Daimler und MAN als auch an innovativen Krankenhauskonzepten der Zukunft arbeitet. Die Hauptfelder sind: Planung von Technik, Infrastruktur und Gebäuden. Die Steuerung von Projekten und Baumaßnahmen und Beratung von Unternehmen und der öffentlichen Hand.

An die 7.781 Quadratmeter Bruttogeschossfläche hat die FC-Gruppe dementsprechend ganz bestimmte Erwartungen. „Die Mitarbeiter profitieren von der hellen, freundlichen Innenatmosphäre mit Weitblick. Nahezu jedes Büro der sechs Stockwerke verfügt über eine unverstellte Sicht nach außen. Die großzügigen, offenen Grundrisse erlauben die flexible Einteilung und ermöglichen damit zeitgemäße Arbeitskonzepte und Co-Working-Bereiche.“

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Die neue Technologie verhindert zudem, dass ...
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... Vögel in die großen Fensterfronten fliegen.

Licht fürs Wohlbefinden

Genau diese Ansprüche haben auch die Architekten von 3deluxe hervorgehoben, wie sie betonen: „Hierarchiefreies und kooperatives Arbeiten sind in der Gebäudestruktur angelegt. Kommunikative Gemeinschaftsbereiche und konzentrierte Arbeitsbereiche durchmischen sich unaufdringlich mit urbanem Mobiliar.“ Wichtig dabei sei vor allem, dass das Konzept des papierlosen Büros leichte, transparente Möblierung erlaube.

Mit den lichtdurchfluteten Räumen und der großzügigen Verglasung will das Planungsbüro auch einen direkten Bezug zur Umgebung herstellen. Grund: Man betrachtet das als „emotional wichtigen Aspekt für das Wohlbefinden.“ Nicht ohne Grund: Das Gebäude liegt nämlich „in naturnaher Umgebung zwischen Gewerbegebiet, Autobahnzubringer und einem kleinen schützenswerten Baum-Wiesenbiotop mit Bachlauf“.

Diese modernen Fensterscheiben sind eine der vielen technologischen Neuerungen, die für die Konzeption von Smart Cities in Zukunft notwendig sind.

Intelligentes Glas und Smart Cities

Damit sie die Naturnähe entsprechend würdigen, haben die 3deluxe-Planer noch ein zusätzliches Feature beim Glas vorangetrieben. „Um Vogelschlag in der großflächigen Übereck-Verglasung zu vermeiden, hatten die Architekten zusätzlich eine Idee. Gemeinsam mit der Schweizer Vogelwarte Sempach entwickelten sie ein feines, semitransparentes, auf die Verglasung aufgedrucktes Pattern, das von den Vögeln wahrgenommen wird.“ So können sie die Fensterflächen eben umfliegen.

Dass Gebäude mit großen Glasflächen nicht unbedingt zu den Champions beim Energieverbrauch zählen, ist eine Tatsache. Doch auch hierbei soll die Verwendung des intelligenten eyrise®-Glases Abhilfe schaffen. Denn dieses ist nicht nur "hilfreich für innovative Gestaltung menschenfreundlicher Architektur und eine der vielen technologischen Neuerungen, die für die Konzeption von Smart Cities in Zukunft notwendig sind.“ Es ist vor allem auch „nachhaltig und effizient", so die Entwickler.

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Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Um den Aspekt der Enkelfitness zusätzlich zu unterstreichen, wurde als architektonisches Grundkonzept der Würfel gewählt, weil er das „baulich ökonomischste Verhältnis von Außenfläche zu Volumen“ biete und damit aus Perspektive der Nachhaltigkeit das „optimal effiziente Gebäudevolumen“ erreiche, so 3deluxe. Außerdem habe man die versiegelten Flächen auf das Minimum der Fahrbahnen und Fußwege reduziert.

Einmal mehr wurde bei Lichtkörpern auf Naturnähe und Tierschutz geachtet: „Das Licht im Außenbereich wurde als insektenfreundliche LED-Beleuchtung mit niedriger Lichtpunkthöhe und fokussierter Beleuchtung auf die Flächen konzipiert, ohne Lichtemission in die Umwelt. Auf inszenatorische Beleuchtung der Vegetation oder Baukörper wurde verzichtet.“

Recycelte Fischernetze und Null-Energie

Überhaupt wird Energie gespart und die Umwelt geschont, wo immer es geht: Um Plastik zu vermeiden, kommt das Wasser aus einem eigenen Trinkbrunnen. Die Teppiche waren im früheren Leben Fischernetze und Plastikflaschen. Das wohlige Raumklima besorgen innovative Heiz- und Kühldecken.

Die Energie für die nötige Kälte und Wärme wiederum liefern 24 Geothermie-Sonden in 130 Metern Tiefe. Und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert den Strom, um das Gebäude als Null-Energie-Haus auszuzeichnen. Da bleibt nur mehr zu hoffen, dass solche Smart Buildings in Zukunft einmal so selbstverständlich sind wie unsere Smartphones.

Text: Martin Obermayr Bilder: 3deluxe / Sascha Jahnke

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