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07/08/2020

Ein Versteck für überall

Wer sagt, dass eine Berghütte auf einem Berg stehen muss? Die italienischen Architekten gnocchi+danesi haben jedenfalls eine kleine Holzhütte entwickelt, die sich überall sehen lassen kann.

Das deutsche Wort „heimelig“ wird vom Duden so beschrieben: „Eine behagliche, gemütliche, wohlige Atmosphäre verbreitend.“ Ein Ort also, an dem man sich wohlfühlt.

Und der kann im Grunde überall sein. Zuhause. Am Meer. Oder eben auf den Bergen. Dort jedenfalls sind uns „heimelige“ Herbergen seit jeher ein Begriff. Schließlich assoziieren wir mit Berghütten gern einen schlichten, aus Holz gezimmerten Verschlag. Einen offenen Kamin. Den Geruch von Moos und Lehm. Heimelig ist es in so einer Berghütte. Da sind wir uns vermutlich einig.

Berghütte als heimelige Assoziation

Eben von diesen Assoziationen ließen sich nun die beiden italienischen Architekten Massimo Gnocchi und Paola Danesi inspirieren. Und entwarfen nach alten Vorbildern eine moderne Berghütte, die es nicht nur in sich hat. Dazu nämlich später.

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Denn diese Berghütte weckt bloß in ihrem minimalistischen Erscheinungsbild eine gewisse alpenländische Almromantik. Vielmehr haben die beiden Gründer des Studios gnocchi+danesi das bekannte Hüttenkonzept insofern erweitert, als dass sie an der Verortung geschraubt haben.

Berghütte für überall

Kurz gesagt: Sie wollten eine Hütte erschaffen, die überall auf der Welt ihre Heimeligkeit versprühen kann. Nicht bloß zwischen Berg und Tal.

Und so verwundert es nicht, dass die entwickelte Holzkonstruktion tatsächlich ohne jegliches Fundament auskommt! Lediglich wenn man die Hütte an einer besonders exponierten Stelle errichten will, empfehlen die Architekten eine dünne Platte aus Gussbeton. So könne die Lebenszeit des hölzernen Modulbaus verlängert werden.

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Aber kommen wir zu eben diesem besonderen Bau: gnocchi+danesi haben ein ausgeklügeltes System erdacht, bei dem aus unterschiedlich großen Modulen in Windeseile eine Holzhütte an einem x-beliebigen Ort errichtet werden kann. Dazu werden alle notwendigen Elemente abseits vorgefertigt und danach an den gewünschten Ort geliefert. Dort erfolgt dann nur noch die Montage, also das Zusammenschrauben der wenigen Bauteile.

Nachhaltige Gemütlichkeit

Diese sind allesamt aus Sperrholz, dessen natürliche Optik im Innenraum der Hütte auch gar nicht versteckt wird. Vielmehr wollen die Designer damit auf schnellstem Weg eine heimelige Atmosphäre schaffen, wie sie betonen.

In den von ihnen präsentierten Renderings spiegelt sich ihre Vorstellung von Gemütlichkeit auch bei der Einrichtung wider: Ein stilvoll hängender aber offener Kamin schwebt im Raum. Rustikale Holzhocker, gefertigt aus Baumstümpfen, laden zum Verweilen ein.

Außerdem bietet die Hütte in ihrer Standardvariante mit 24 Quadratmetern Platz für eine Küchenzeile mit Spüle und Herd. Auch ein kleines, aber komfortables Badezimmer mit einer in einer Ecke versteckten Dusche könnte hier Platz finden. Dann jedoch geht sich die Schlafecke nur noch mit vielen innenarchitektonischen und wohl auch anatomischen Verrenkungen aus.

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Eben deshalb präferieren die zwei Architekten die größere Variante ihres Konzepts, bei der ein weiteres Wohnmodul quasi spiegelverkehrt angebaut werden kann. Dadurch vergrößert sich nicht nur die Grundfläche um zwölf Quadratmeter. So würde die Schlafsituation zudem in eine Art ersten Stock gehievt werden, der über eine eingebaute Holztreppe zugänglich gemacht wird.

Die Natur kommt als Gast

Egal welche Variante man jedoch wählt, die Grundidee bleibt immer dieselbe: Der Ort, an dem die Hütte steht, macht die Musik. Eben deshalb liegt es auch auf der Hand, dass die Hauptfassade dieses ungewöhnlichen Objekts als vollständige Glasfront konzipiert wurde. Schließlich soll die Aufmerksamkeit der Hüttenbewohner auf die Natur – egal ob Berg, Meer oder Wüste – gelenkt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=hqc8EbfR5BE&feature=youtu.be

Von außen betrachtet sieht die Sache gegenteilig aus. Hier versuchen die Konstrukteure möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Deshalb werden die Sperrholzelemente auf den Außenseiten auch mit schwarzem und umweltschonenden Kiefernholzteer beschichtet. Dieser lässt nicht nur die Hütte in der Umgebung verschwinden, sondern verhindert auch, dass das Holz durch Wind und Wetter vorzeitig morscht oder gar schimmelt.

Startup als Business-Fundament

Dass die zwei kreativen Hüttenbauer von ihrer Idee wahrlich überzeugt sind, zeigt sich an dem geschäftlichen Fundament. Dieses haben Massimo Gocchi und Paola Danesi bereits etabliert: Ein Startup, das derzeit weltweit auf der Suche nach realisierenden Partnern ist. In den USA und in Australien stehe man hier bereits kurz vor einem finalen Deal. In Europa ist man jedoch noch auf der Suche, verlauten die zwei Herrn.

Jedenfalls aber sieht es ganz danach aus, als würde tatsächlich schon bald die Berghütte sowohl an Stränden als auch auf Berghängen errichtet werden.

Heimelig wird sie jedenfalls überall sein, das steht schon vor der ersten Realisierung fest.

Text: Johannes StühlingerBilder: gnocchi+danesi architects

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