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UBM Development
12/18/2019

Axel-Springer: Neues Headquarter als Statement

Berlin hat eine neue Landmark: den Axel-Springer-Neubau. Der avantgardistische Komplex ist nicht nur ein städtebauliches Statement, sondern steht auch für die Zukunft des Arbeitens in der digitalen Welt.

Auch Star-Architekten haben einen Hang zum Spielerischen. In seinem atemberaubenden Entwurf zum Axel-Springer-Neubau mitten in Berlin griff der renommierte, niederländische Architekt Rem Koolhaas die alte Grenze zwischen Ost und West als eines der zentralen gestalterischen Elemente auf und richtete die wesentliche Planung daran aus.

Integration von Berlins Ost und West

Der futuristische Bau an der Axel-Springer-Straße und unweit des Checkpoint Charlie gliedert sich in einen Nord- und Südteil. Die Trennlinie beider Trakte verläuft diagonal durch den gewaltigen Kubus und quasi entlang der früheren Grenze. Beide Gebäudehälften werden wiederum durch eine transparente Brücke verbunden. Diese verläuft ebenfalls diagonal durch das riesige Atrium.

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Kurz gesagt: Der gerade eröffnete Axel-Springer-Neubau ist nicht nur ein klares architektonisches Statement eines der größten Medien-Konzerne Europas. Er ist ein Statement in vielerlei Hinsicht.

Die vielen Statements des Axel-Springer-Baus

Der Standort mitten im alten, historisch bedeutungsvollen Zeitungsviertel – ist ein Statement. Die Lage in unmittelbarer Nähe zum bereits existierenden Axel Springer Hochhaus – ein Statement. Und dieses Hochhaus, noch unter der Ära des legendären deutschen Zeitungszaren Axel Cäsar Springer (1912 – 1985) in den Jahren 1959 bis 1965 errichtet, war und ist – ein klares Statement. Wurde es doch direkt an der Grenze zu Ostberlin errichtet und stand so unmittelbar an der unsäglichen Berliner Mauer, die ab 1961 Berlin in West und Ost trennte.

Ein weiteres Statement: Der Projektstart für das neue Axel Springer Gebäude. Denn der offizielle Baustart erfolgte am 6. Oktober 2016 und damit genau 50 Jahre nach Eröffnung des immer noch existierenden und genutzten goldenen Verlagshochhauses. Und natürlich ist der Neubau für sich – ein Statement. Steht er doch für die künftige Ausrichtung des gesamten Unternehmens und auch für die künftige Form des Arbeitens in der digitalen Medienwelt.

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„Hier ist nicht nur ein spektakuläres Bauwerk entstanden, sondern ein Ort der Begegnung, wo Menschen sich austauschen und besser zusammenarbeiten werden", verkündete Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE wenige Tage vor der Schlüsselübergabe am 19. Dezember 2019. Axel Springer sei inzwischen ein durch und durch digitales Unternehmen geworden. Das neue Haus sei ein Versprechen an alle Mitarbeiter, dass man gemeinsam die kulturelle Transformation von Axel Springer noch stärker vorantreiben werde. Döpfner weiter: „Mit unserem Neubau wollen wir die Axel-Springer-Familie in Berlin räumlich zusammenbringen und zugleich die Zukunft des Arbeitens in der digitalen Welt durch Architektur gestalten. Es geht um ein symbolkräftiges Zuhause, aber vor allem um kulturelle Transformation durch radikal moderne Arbeitsräume.“

18 Architekturbürosim Wettbewerb

Entworfen wurde das neue Bürogebäude, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur Axel-Springer-Passage im Stadtteil Kreuzberg liegt, vom niederländischen Architekten Rem Koolhaas und seinem Büro OfficeforMetropolitan Architecture (OMA). Koolhaas und sein Büro setzten sich in einem Planungswettbewerb durch, an dem 18 Architekturbüros teilgenommen hatten.

Die Aufgabe, die an die Architekten gestellt wurde: Ideen entwickeln, die zusätzliche Räumlichkeiten für die wachsenden Unternehmensbereiche von Axel Springer schaffen. Darüber hinaus sollten mit der geplanten Baustruktur neue Standards in Atmosphäre, Nutzungsmöglichkeiten und Raumgestaltung für eine moderne Arbeitsumgebung gesetzt werden.

Ein Kubus zum Mieten

Koolhaas hatte einen lichtdurchfluteten Bau in Kubusform entworfen, dessen zentrales Element ein 45 Meter hohes Atrium mit einem Volumen von rund 120.000 Kubikmetern ist und das sich über neun Stockwerke erstreckt. Das Atrium würde das Wasser von 40 Olympischen Schwimmbecken fassen. Zudem prägen Terrassen, Glaswände, Säulen und Brücken im Inneren sowie Fassaden-Elemente in 3D-Optik den 300 Millionen Euro teuren Komplex. Apropos Geld: Schon lange bevor es fertiggestellt wurde, verkaufte der Axel Springer-Konzern das neue Gebäude an einen norwegischen Staatsfonds. Springer wird künftig nur Mieter sein.

Der transparenten, offenen Architektur gelingt es, eine radikale Ästhetik und moderne Arbeitskonzepte miteinander zu verbinden.

Offizielles Statement des Axel Springer-Verlags

Radikale Ästhetik, Arbeitswelt der Zukunft

Die Fassade des spektakulären Gebäudes ist geprägt von den zwei Seitenflanken, die sich jeweils keilförmig nach unten und oben zur Frontseite hin öffnen und eine riesige, transparente Fläche ergeben. Auch die Frontfassade selbst ist großteils in diesem lichtdurchlässigen, an eine Weltraumstation erinnernden Transparentlook gehalten. „Der transparenten, offenen Architektur gelingt es, eine radikale Ästhetik und moderne Arbeitskonzepte miteinander zu verbinden. Gemeinsam mit den bereits bestehenden Verlagsgebäuden von Axel Springer ist ein Gebäudeensemble entstanden, das nach Unternehmensangaben den Ansprüchen eines digitalisierten Medien- und Technologieunternehmens entsprechen soll“, formuliert das Unternehmen dazu.

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Platz für 14 Fußballfelder

Das ungewöhnliche Gebäude erstreckt sich über 13 Geschosse, elf ober- und zwei unterirdisch. Je nach Stockwerk gibt es immer wieder völlig neue Perspektiven auf die terrassenförmig angelegten Ebenen. Der Komplex steht auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück, dem großen „Lindenpark-Gelände“. Im fertigen Neubau verteilen sich Büro- und Redaktionsflächen auf mehr als 52.000 Quadratmeter, es steht Raum für 3.500 Mitarbeiter zur Verfügung. Innen und außen wurden insgesamt 99.500 Quadratmeter Glasfläche verbaut, das entspricht 14 Fußballfeldern.

In den markanten Bau werden unter anderem die Tages- und Sonntagszeitung „Welt“ mit ihrem Newsroom für Print- und Digitalprodukte sowie das "Welt"-TV-Studio einziehen. Während sämtliche Redaktionen rund um die Marke "Bild“ am bisherigen Verlagsstandort bleiben.

Nachrichtenaus luftiger Höhe

Mit der „Welt“ wären wir auch wieder bei der vorhin schon erwähnten, sich in dutzenden Metern Höhe durch das Atrium ziehenden, transparenten, doppelstöckigen Brücke. Auf der Brücke im 5. Ebergeschoss befindet sich künftig der Newsroom der „Welt“. Eine Etage darüber ­– auf der Brücke – wird der Newsroom von „Welt TV“ angesiedelt sein. Beide Redaktionen sind über eine eigene Treppe miteinander verbunden, damit sie bei Bedarf rasch und eng zusammenarbeiten können.

Unsere Mitarbeiter können auf dem Dach gerne ihre eigenen Tomaten anbauen.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE

Das Dach des Medienzentrums wiederum soll öffentlich zugänglich sein. Dort soll es einen Schrebergartenbereich für die Mitarbeiter geben. "Die können dann ihre eigenen Tomaten anbauen", sagte Döpfner (siehe dazu auch "Die Hängenden Gärten von Paris"). Zudem soll auf dem Dach eine Bar eingerichtet werden. Die Springer-Mitarbeiter waren von der Planungsphase weg eng in alle Stufen der Bauentwicklung eingebunden. Zwar konnten sie nicht direkt in die Planung eingreifen – verständlich! – doch ihre in zahlreichen Workshops und Mitarbeiterversammlungen geäußerten Ideen, Wünsche und Anregungen wurden in den Planungsphasen weitgehend berücksichtigt.

Eigene Website für den Neubau

Um über den Komplex zu informieren, aber auch, um den Baufortschritt zu dokumentieren, hat Axel Springer eine eigene Website zu dem Neubau eingerichtet (www.axelspringer-neubau.de). Neben zahlreichen Artikeln wurden hier auch diverse Filme sowie laufend Podcasts, unter anderem mit Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, veröffentlicht.

Die offizielle Eröffnung und Einweihung des neuen Bürogebäudes wird Axel Springer Anfang 2020 mit einer Reihe von Veranstaltungen, die sich an der Geschichte und der Zukunft des Hauses ausrichten, feiern. Das Spektrum reicht von der kleinen Gedenkfeier bis hin zum schrillen Massenspektakel.

Text: Albert Sachs

Fotos: OMA

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